kindlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungkind-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›kindlich‹ als Erstglied: ↗Kindlichkeit
eWDG, 1969

Bedeutung

in der Art eines Kindes, einem Kinde entsprechend
Beispiele:
ein kindliches Gesicht, Lachen, Wesen, Eifer, Spiel
eine kindliche Stimme, Zartheit, Unschuld, Natürlichkeit, Heiterkeit, Fröhlichkeit, Phantasie
eine kindlich ungeübte Hand
kindlicher Gehorsam gegenüber den Eltern
eine kindlich reine Seele haben
an Tieren hat er eine kindliche Freude
ein kindliches Vertrauen zu jmdm. haben
die Dichterin kannte die kindliche Psyche genau
er verlor seine Eltern in noch kindlichem Alter
etw. mit kindlicher Neugier betrachten
der Lehrer richtete sich nach dem kindlichen Auffassungsvermögen seiner Schüler
kindlich sein, aussehen
sich kindlich benehmen, freuen
kindlicher Trotz sei in ihr ausgebrochen [JahnnHolzschiff168]
Warum war er seiner Mutter denn niemals in kindlicher Liebe verbunden gewesen? [NollHolt2,251]
Don Giulio konnte noch recht kindlich lachen [C. F. Meyer1,287]
einfältig, naiv
Beispiele:
ein kindliches Gemüt
eine kindliche Vertrauensseligkeit, Naivität
mit kindlicher Einfalt alles glauben
seine Vorstellungen sind kindlich
ihre Angst erschien mir geradezu kindlich
jmdn. noch recht kindlich finden
daß man ... eine kindliche Verkennung der Sachlage bei Hergenröther nicht annehmen dürfe [ZuchardtSpießrutenlauf309]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kind · Kindheit · kindisch · kindlich · Kindlichkeit · Kindbett · Kindergarten · Kinderhort · Kinderstube · Kindeskind · Kindskopf
Kind n. ‘Nachkomme (Sohn oder Tochter), Junge oder Mädchen’, ahd. kind ‘Kind, Sohn, Nachkomme, junger Mann, Knabe, Zögling’ (8. Jh.), mhd. kint und (als frühe Entlehnungen aus dem Hd., vgl. Simon Sprachmischung im Heliand (1965) 26 ff.) asächs. kind, mnd. mnl. kint, nl. kind führen auf ein mit ie. -to- gebildetes Partizipialadjektiv zur Verbalwurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ (zur Bildungsweise s. auch ↗alt). Germ. Verwandte sind (mit anderer Dentalableitung) anord. kind ‘Geschlecht, Kind, Stamm’, aengl. cynd ‘Geschlecht, Geburt, Art, Gattung’, engl. kind, ablautend anord. kundr ‘Sohn, Verwandter’, kunnr ‘verwandt’, got. -kunds ‘herstammend’ sowie die unter ↗König (s. d.), eigentlich ‘Mann eines (vornehmen) Geschlechts’, behandelten Formen. Außergerm. entsprechen als to-Partizipien, aber in ihrer Form deutlich auf eine zweisilbige Wurzel weisend, aind. jātáḥ, lat. nātus (alat. gnātus) ‘geboren’. Zur Wurzel gehören ferner griech. gígnesthai (γίγνεσθαι) ‘werden, entstehen’, lat. gignere (genitum) ‘(er)zeugen, gebären, hervorbringen’, genus ‘Abstammung, Geschlecht, Gattung, Art und Weise’ (s. ↗Genus und die dort genannten Verwandten). Auf Grund der aus früher Zeit überlieferten Gewohnheit, kniend zu gebären, sowie des Brauches, ein Kind dadurch anzuerkennen, daß es sich der Vater aufs Knie setzt, wird vielfach ursprüngliche Identität der Wurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ und *g̑en(ə)- ‘erkennen, kennen’ (s. ↗können) mit ie. *g̑enu-, *g̑neu- ‘Knie’ (s. ↗Knie) angenommen. Das würde aber den Verbalwurzeln einen denominativen Charakter beilegen, der kaum annehmbar ist. Kindheit f. ‘Lebenszeit des Menschen von der Geburt bis zur Geschlechtsreife’, ahd. kindheiti (8./9. Jh.), kindheit (Hs. 12. Jh.), mhd. kintheit. kindisch Adj. ‘wie ein Kind, albern’, ahd. kindisc ‘kindlich, jung’ (9. Jh.), mhd. kindisch, kindesch, auch schon ‘albern’. kindlich Adj. ‘wie ein Kind’, ahd. kindlīh (11. Jh., zuvor kindlīhho Adv., 9. Jh.), mhd. kintlich; dazu Kindlichkeit f. (18. Jh.). Kindbett n. ‘Wochenbett’, ahd. kindbette (um 1000), mhd. kintbette. Kindergarten m. ‘Kindertagesstätte’, 1840 von F. Fröbel als Bezeichnung für seine Vorschule für kleine Kinder geprägt. Kinderhort m. ‘Tagesstätte für Schulkinder, in der sie die unterrichtsfreie Zeit verbringen’, meist nur ↗Hort (s. d.), 1871 nach dem Vorbild von Kindergarten gebildet. Kinderstube f. ‘Schule’ (15. Jh.), ‘Aufenthaltsraum für Kinder’ (18. Jh.), übertragen ‘gute Manieren, gutes Benehmen’ (19. Jh.). Kindeskind n. ‘Enkel, Nachkomme’, mhd. kindes kint. Kindskopf m. ‘lustig-alberner Mensch, der sich wie ein Kind gebärdet’ (18. Jh.), im 17. Jh. dagegen wie Kinderkopf verwendet.

Thesaurus

Synonymgruppe
albern · ↗infantil · ↗kindhaft · ↗kindisch · kindlich · ↗kindsköpfig · ↗naiv · ↗unentwickelt · ↗unreif  ●  puerilistisch  selten · ↗pueril  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sehr) jung · ↗blutjung · ↗jungenhaft · ↗kindhaft · kindlich · ↗knabenhaft · ↗minderjährig · ↗mädchenhaft  ●  unverschämt jung  ugs.
Assoziationen
  • adoleszent · ↗halbwüchsig · heranwachsend · ↗jugendlich · ↗juvenil
  • (eine) Lolita · ↗Kindfrau · ↗Unschuldsengel  ●  süßes Früchtchen  fig. · Nymphchen  geh. · ↗Nymphe  geh., bildungssprachlich
  • naiv · ↗unberührt · ↗unerfahren · ↗unschuldig  ●  ↗unverbildet  geh.
  • im jugendlichen Alter · ↗minderjährig · noch nicht 18 · noch nicht erwachsen · noch nicht voll geschäftsfähig · noch nicht volljährig · ↗unerwachsen · ↗unmündig · unter 18 Jahren  ●  ↗jugendlich  Hauptform · an der Schwelle zum Erwachsensein  geh. · an der Schwelle zum Erwachsenwerden  geh. · unter 18  ugs.
  • (...) Jahre jung sein · (...) Lenze zählen (lit. oder veraltet) · (...) geboren sein · ↗(...) sein · Jahrgang (...) sein · es auf (...) Jahre bringen · im Jahr(e) (...) geboren sein  ●  (...) Jahre alt sein  Hauptform · (...) Jahre zählen  veraltet · (...) Jahre auf dem Buckel haben  ugs.
  • Babyface · ↗Jungengesicht · Jungmädchengesicht
  • (erst) zarte (...) Jahre alt (sein) · ↗jung · jung an Jahren (lit.)
  • das (ganze) Leben (noch) vor sich haben · jung an Jahren  ●  (gerade) den Kinderschuhen entwachsen  variabel · ↗jung (sein)  Hauptform · jung und hübsch  ugs. · jung und schön  ugs. · jung und unschuldig  ugs. · jung und unverbraucht  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begeisterung Einfalt Freude Gemüt Herzton Kaiserin Naivität Neugier Neugierde Organismus Phantasie Psyche Sexualität Spieltrieb Spracherwerb Staunen Trotz Unbefangenheit Unbekümmertheit Unschuld Vergnügen Vorstellungswelt anmutend beinahe geradezu jugendlich kindisch mütterlich naiv Übermut

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kindlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch der junge Mann wirkt noch sehr kindlich, hört man ihn reden.
Der Tagesspiegel, 21.10.2003
Sie könnten naiv erscheinen, kindlich, beiläufig hingeworfen, würden sie einen nicht auf mysteriöse Weise gefangen nehmen.
Süddeutsche Zeitung, 12.05.2001
Sie sahen sich einmal um, von einem kindlichen Stolz erfüllt.
Wiechert, Ernst: Das einfache Leben, München: Ullstein Taschenbuchverl. 2000 [1946], S. 365
Ich erwähne das, um zu sagen, wie harmlos ich im Betrieb meiner Malerei war, kindlich sorglos.
Thoma, Hans: Im Winter des Lebens. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 24569
Aber so kindlich darf man die Trage wirklich nicht stellen.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 31754
Zitationshilfe
„kindlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/kindlich>, abgerufen am 27.05.2019.

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