kindisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungkin-disch (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend wie ein albernes, törichtes Kind
Beispiele:
ein kindisches Verhalten, kindischer Gedanke, Unfug, Trotz
eine kindische Einbildung, Laune, Träumerei, Spielerei
sein kindischer Eigensinn zeigte sich immer wieder
kindische Spiele
eine kindische Freude verspüren
es machte ihm ein kindisches Vergnügen, uns zu necken
wir schauten amüsiert dem kindischen Treiben zu
seine Vorstellungen, Ausreden waren direkt kindisch
für sein Alter ist er noch reichlich kindisch
es ist kindisch, so zu reden
seid nicht so kindisch!
alte Leute werden oft geradezu kindisch
sich kindisch benehmen
und er schämte sich seiner kindischen, verlegenen Angst [NablOrtliebsche Frauen157]
Er fand dieses Rededuell ein wenig kindisch [JohoWendemarke35]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kind · Kindheit · kindisch · kindlich · Kindlichkeit · Kindbett · Kindergarten · Kinderhort · Kinderstube · Kindeskind · Kindskopf
Kind n. ‘Nachkomme (Sohn oder Tochter), Junge oder Mädchen’, ahd. kind ‘Kind, Sohn, Nachkomme, junger Mann, Knabe, Zögling’ (8. Jh.), mhd. kint und (als frühe Entlehnungen aus dem Hd., vgl. Simon Sprachmischung im Heliand (1965) 26 ff.) asächs. kind, mnd. mnl. kint, nl. kind führen auf ein mit ie. -to- gebildetes Partizipialadjektiv zur Verbalwurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ (zur Bildungsweise s. auch ↗alt). Germ. Verwandte sind (mit anderer Dentalableitung) anord. kind ‘Geschlecht, Kind, Stamm’, aengl. cynd ‘Geschlecht, Geburt, Art, Gattung’, engl. kind, ablautend anord. kundr ‘Sohn, Verwandter’, kunnr ‘verwandt’, got. -kunds ‘herstammend’ sowie die unter ↗König (s. d.), eigentlich ‘Mann eines (vornehmen) Geschlechts’, behandelten Formen. Außergerm. entsprechen als to-Partizipien, aber in ihrer Form deutlich auf eine zweisilbige Wurzel weisend, aind. jātáḥ, lat. nātus (alat. gnātus) ‘geboren’. Zur Wurzel gehören ferner griech. gígnesthai (γίγνεσθαι) ‘werden, entstehen’, lat. gignere (genitum) ‘(er)zeugen, gebären, hervorbringen’, genus ‘Abstammung, Geschlecht, Gattung, Art und Weise’ (s. ↗Genus und die dort genannten Verwandten). Auf Grund der aus früher Zeit überlieferten Gewohnheit, kniend zu gebären, sowie des Brauches, ein Kind dadurch anzuerkennen, daß es sich der Vater aufs Knie setzt, wird vielfach ursprüngliche Identität der Wurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ und *g̑en(ə)- ‘erkennen, kennen’ (s. ↗können) mit ie. *g̑enu-, *g̑neu- ‘Knie’ (s. ↗Knie) angenommen. Das würde aber den Verbalwurzeln einen denominativen Charakter beilegen, der kaum annehmbar ist. Kindheit f. ‘Lebenszeit des Menschen von der Geburt bis zur Geschlechtsreife’, ahd. kindheiti (8./9. Jh.), kindheit (Hs. 12. Jh.), mhd. kintheit. kindisch Adj. ‘wie ein Kind, albern’, ahd. kindisc ‘kindlich, jung’ (9. Jh.), mhd. kindisch, kindesch, auch schon ‘albern’. kindlich Adj. ‘wie ein Kind’, ahd. kindlīh (11. Jh., zuvor kindlīhho Adv., 9. Jh.), mhd. kintlich; dazu Kindlichkeit f. (18. Jh.). Kindbett n. ‘Wochenbett’, ahd. kindbette (um 1000), mhd. kintbette. Kindergarten m. ‘Kindertagesstätte’, 1840 von F. Fröbel als Bezeichnung für seine Vorschule für kleine Kinder geprägt. Kinderhort m. ‘Tagesstätte für Schulkinder, in der sie die unterrichtsfreie Zeit verbringen’, meist nur ↗Hort (s. d.), 1871 nach dem Vorbild von Kindergarten gebildet. Kinderstube f. ‘Schule’ (15. Jh.), ‘Aufenthaltsraum für Kinder’ (18. Jh.), übertragen ‘gute Manieren, gutes Benehmen’ (19. Jh.). Kindeskind n. ‘Enkel, Nachkomme’, mhd. kindes kint. Kindskopf m. ‘lustig-alberner Mensch, der sich wie ein Kind gebärdet’ (18. Jh.), im 17. Jh. dagegen wie Kinderkopf verwendet.

Thesaurus

Synonymgruppe
albern · ↗infantil · ↗kindhaft · kindisch · ↗kindlich · ↗kindsköpfig · ↗naiv · ↗unentwickelt · ↗unreif  ●  puerilistisch  selten · ↗pueril  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgrenzungspolitik Albernheit Benehmen Dummheit Einfall Eitelkeit Freude Greis Provokation Scherz Spielerei Stolz Streich Trotz Unsinn Vergnügen albern anmutend benehmen dumm geradezu hirnlos kichern kindlich kleinlich lächerlich naiv unreif unzulänglich verspielt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kindisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Heute ist ihnen ihr früherer Name etwas peinlich, klingt so kindisch.
Der Tagesspiegel, 02.08.2003
So wie ein Greis im hohen Alter oft wieder kindisch wird, so wird eine niedergehende Kultur oft wieder infantil.
Bild, 17.11.2001
Ich fing mit einem Mal ziemlich kindisch zu betteln an.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 190
So kindisch es ist, so wichtig ist es, wenn man uns ernst nehmen soll.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1920. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1920], S. 170
Soll der altersschwache, kindisch gewordene Greis, der als reifer Mann die Welt mit dem Ruhm seiner Taten erfüllte, ewig als rückgebildeter Greis fortleben?
Haeckel, Ernst: Die Welträtsel, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1899], S. 34367
Zitationshilfe
„kindisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/kindisch>, abgerufen am 20.05.2019.

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