keusch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
eWDG, 1969

Bedeutung

gehoben unberührt, frei von sinnlichen Begierden
Beispiele:
ein keusches Mädchen, Leben
umgangssprachlich, scherzhaft ein keuscher Josef
keusch sein, leben
sie ist keusch wie eine Jungfrau, Nonne
Die keusche Susanne [J. GilbertSusanneTitel]
züchtig
Beispiele:
eine keusche Liebe, Freude
daß diese keusch und edelmütig erwiderte Hingabe ihm herrlichste Erhebung ... geschenkt hat [Th. Mann11,293]
bildlich
Beispiele:
das keusche Weiß der Schneefelder
bei jenem keuschen Lichte des Himmels! [SchillerRäuberI 3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

keusch · Keuschheit
keusch Adj. ‘rein, unberührt, enthaltsam, schamhaft’, ahd. kūski ‘geziemend, sittlich, mäßig, enthaltsam (in bezug auf Nahrungs- und Sexualtrieb), züchtig, makellos, passend’ (8. Jh.), mhd. kiusche, kiusch, auch ‘ruhig, vernünftig handelnd’, asächs. kūsko Adv., mnd. kǖsch(e), kūsch, kūs, aengl. cūsc (aus dem Asächs. entlehnt), mnl. cuusc, nl. kuis. Ahd. kūski verbreitet sich vom Alem. (Reichenau) aus; aus der allgemeinen Bedeutung ‘geziemend’, folglich auch ‘beherrscht, maßvoll’ (in bezug auf die menschlichen Urtriebe), entwickelt sich ‘maßvoll, enthaltsam in sinnlicher Beziehung’. Auf Grund eines aprov. cusc ‘rein, tugendhaft’ (mit zugehörigen Ableitungen), in dem v. Wartburg eine Entlehnung aus dem Germ., „vielleicht speziell dem Got.“, sieht, setzen auch Frings/Müller in: Festgabe Helm (1951) 134 ein got. *kūskeis als Entlehnung aus lat. cōnscius ‘mitbewußt, wissend’ (um das Rechte, Gute, um Reinheit und Keuschheit) voraus und nehmen an, daß ahd. kūski „aus dem gotisch-arianischen Christentum des europäischen Südwestens nach Süddeutschland gekommen ist“. Keuschheit f. ‘Reinheit, Unberührtheit, Enthaltsamkeit’, mhd. kiuscheheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
anständig · ↗jungfräulich · keusch · ↗mädchenhaft · ↗rein · ↗sittsam · ↗unbefleckt (bibl.) · ↗unberührt · ↗unbescholten · ↗unschuldig · ↗unverdorben · ↗züchtig
Assoziationen
Synonymgruppe
(sexuell) enthaltsam · keusch · ↗platonisch · rein geistig-seelisch · ↗unkörperlich · ↗züchtig
Assoziationen
  • Jungfrau  ●  Juffer  ugs., regional · ↗Jungfer  geh., veraltet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Braut Edelmann Göttin Jungfrau Jüngling Kuß Lebemann Lebenswandel Liebe Liebende Liebesgeschichte Liebespaar Mädchen Ohr Paar Schönheit Seele Seligkeit Sitte Weiß Zurückhaltung fromm geradezu inszenieren küssen leben rein zart ziemlich zugehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›keusch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Anders als Timm ist er Christ, unzeitgemäß keusch seine Lebensweise.
Die Zeit, 15.09.2005, Nr. 38
Sie leben keusch, und nach 12 Uhr essen sie nichts mehr.
Der Tagesspiegel, 06.09.2003
Sie hatten keusch in die Ehe zu gehen und strikte Treue zu geloben.
Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 180
Andere Künstler sehen in keuschen Mädchen die Verkörperung des Lenzes.
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2749
So sah sie fast mädchenhaft aus, trotz ihrer Fülle von einer keuschen Lieblichkeit.
Viebig, Clara: Das Weiberdorf, Briedel u. Mosel: Houben 1996 [1900], S. 90
Zitationshilfe
„keusch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/keusch>, abgerufen am 23.08.2019.

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