keck

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›keck‹ als Erstglied: ↗kecklich
eWDG, 1969

Bedeutung

ohne jede Hemmung, Furcht
a)
dreist, respektlos
Beispiele:
ein keckes Wort, Begehren
eine kecke Frage
ein kecker (= vorwitziger) Sonnenstrahl drang ins Zimmer
in keckem Ton antworten
etw. mit kecker Stirn behaupten
werdet nicht noch kecker!
keck auftreten, reden, lügen
jmdm. seine Meinung keck ins Gesicht sagen
Nein, das ist wirklich doch zu keck! [NicolaiDie lustigen WeiberI 1]
und dann gingen ihre Blicke keck und herausfordernd über die andern Gäste hin [Kellerm.Totentanz11]
b)
kühn, verwegen
Beispiele:
ein kecker Bursche, Feind
ein keckes Unternehmen, Wagnis
eine kecke Tat
der kecke Mut der Jugend
das war ein kecker Streich
keck handeln, vorgehen
die Jungen sprangen keck von der hohen Mauer
umgangssprachlich sag es nur keck (= frei) heraus!
salopp kess, flott
Beispiele:
ein keckes Bärtchen, Näschen
sie trägt ein keckes (= schickes) Hütchen
die Mütze keck aufs Ohr schieben, setzen
Auf ihrem ... Haupte wippte keck eine Feder [HartungWunderkinder158]
c)
schweizerisch munter, froh
Beispiele:
eine kecke Wanderfahrt
keckes jodeln
der Wanderer schritt keck aus
er ... sang es [das Lied] in einem Zuge keck zu Ende [G. Keller7,60]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

keck · Keckheit
keck Adj. ‘unbefangen, kühn, verwegen’, seit Ende des 15. Jhs. auch ‘dreist’, ahd. (um 1000), mhd. kec ist eine vom Alem. ausgehende und sich in der nhd. Literatursprache durchsetzende obd. Variante von ahd. quec (8. Jh.), mhd. quec, frühnhd. queck (mit Vokalveränderung durch Brechung) neben asächs. quik, mnd. nd. quick (s. ↗quicklebendig), mnl. quic, nl. kwi(e)k, aengl. cwic, cuc(u), engl. quick, anord. kvikr, kykr, schwed. (vielleicht unter dt. Einfluß) kvick (den ursprünglichen Anlaut zeigen noch ↗Quecke, ↗Quecksilber, ↗erquicken, ↗verquicken, s. d.). Die Bedeutung des Adjektivs wandelt sich von ‘lebendig’ (ahd. asächs. aengl. anord., ebenso noch mhd. mnd. mnl.) zu ‘lebhaft, frisch, munter’ (mhd. frühnhd., mundartlich noch im Obd., ferner nd. nl. engl.) und im Dt. schließlich zu ‘mutig, kühn’ (zuerst mhd.); andere Entwicklungen führen zu ‘fest, gedrungen’ (spätmhd. und in obd. Mundarten) und ‘schnell, flink’ (nl. engl. schwed.). Die westgerm. und nordgerm. Formen (germ. *kwikwaz) unterscheiden sich durch zweifachen Guttural (Annahme eines g-Suffixes bereits für die ie. Vorstufe ist unsicher, vgl. aber landschaftliches lett. dzīga, dzīgot neben lett. dzīve ‘Leben’, dzīvot ‘leben’) von got. qius ‘lebendig’ (germ. *kwiwaz); dieses setzt zusammen mit air. beo ‘lebendig’ und griech. bíos (βίος) ‘Leben’ (falls aus ie. *gu̯iu̯os und nicht zweisilbiges Wurzelnomen, vgl. Frisk 1, 238; s. ↗bio-) sowie mit den nur in der ursprünglichen Vokalquantität abweichenden Bildungen aind. jīvāḥ, lat. vīvus, lit. gývas, lett. dzīvs, aslaw. živъ, russ. živój (живой) ‘lebendig’ ie. *gu̯ī̌u̯o- fort, das (als Erweiterung zur Schwundstufe) zu einer Wurzel ie. *gu̯ei-, *gu̯ei̯ə- ‘leben’ gehört, die allen genannten germ. und außergerm. Formen zugrunde liegt und mit unterschiedlichen Ablautstufen auch in griech. hygiḗs (ὑγιής) ‘gesund’ (eigentlich ‘wohllebend’), zṓon (ζῷον) ‘Lebewesen, Tier’, lat. vīta ‘Leben’ auftritt. Keckheit f. ‘Kühnheit, Dreistigkeit’, mhd. kecheit ‘frisches, mutiges Wesen’ (Ende 12. Jh.), vgl. früheres ahd. keckī (9. Jh.), queckī (11. Jh.) ‘Lebenskraft, Lebhaftigkeit’, mhd. quecke, kecke ‘frisches, mutiges Wesen, Tapferkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufreizend · ↗flott · ↗frech · ↗herausfordernd · keck · ↗kess · ↗kokett · ↗neckisch  ●  ↗fesch  ugs., süddt.
Assoziationen
Synonymgruppe
indiskret · ↗taktlos · ↗unverschämt · ↗unvorsichtig  ●  keck  ugs.
Synonymgruppe
frech · keck · ↗kess · locker-flockig · ohne falsche Scham · ↗unbekümmert · ↗ungeniert · ↗ungezwungen · ↗vorlaut · ↗vorwitzig · ↗zwanglos  ●  ↗schamlos  fig. · locker vom Hocker  ugs. · ↗schmerzfrei  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
altklug · ↗frühreif · keck · redet wie ein Alter · ↗siebengescheit · ↗vorlaut · weiß alles besser  ●  ↗naseweis  veraltend · ↗neunmalklug  veraltend · klugscheißerisch  derb · ↗vorwitzig  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufsteiger Augenaufschlag Bursch Bursche Einfall Fräulein Grinsen Göre Heck Hut Hüftschwung Jüngling Knabe Kurzhaarfrisur Lachen Locke Pferdeschwanz Pose Schwung Spatz Spruch Teenager Zopf blitzen frech herausfordernd kess kokett recken wippen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›keck‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Stern über dem Wirbel zwischen den Augen wirkt keck.
Süddeutsche Zeitung, 20.01.1997
Mit seinen tief liegenden Augen musterte der Alte das kecke junge Ding.
Ury, Else: Nesthäkchen fliegt aus dem Nest, Stuttgart: K. Thienemanns 1997 [1920], S. 62
Seufzend und sanftmütig hört sich das Larghetto an, keck das Allegro.
Der Tagesspiegel, 19.04.2005
Im nächsten Dorf stieg ein schneidiger Typ mit keckem Bärtchen ein.
Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 206
Und er deutete keck mit dem Zeigefinger von einem zum andern.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 6350
Zitationshilfe
„keck“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/keck>, abgerufen am 21.06.2019.

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