kanonisieren

GrammatikVerb · kanonisierte, hat kanonisiert
Aussprache
Worttrennungka-no-ni-sie-ren (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
WortzerlegungKanon-isieren
Wortbildung mit ›kanonisieren‹ als Erstglied: ↗Kanonisierung
eWDG, 1969

Bedeutung

Religion jmdn. heiligsprechen, in den Kanon aufnehmen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kanon · kanonisch · kanonisieren
Kanon m. ‘Richtschnur, Regel, Kettengesang’. Griech. kanṓn (κανών) ‘gerade Stange, Richtscheit, Lineal’ ist wohl, ausgehend von einer Bedeutung ‘Rohrstab’, eine Bildung zu griech. kánna (κάννα) ‘Rohr, Rohrgeflecht’ (s. ↗Kanal). Bereits im Griech. entwickelt kanṓn die Übertragungen ‘Regel, Vorschrift, Liste, Katalog, Verzeichnis der klassischen Schriftsteller’, die alle von lat. canōn übernommen werden. Davon ausgehend bezeichnet canōn in der griech. und lat. Kirchensprache den unveränderlichen Hauptbestandteil der Messe, das Verzeichnis der als göttlich inspiriert geltenden Bücher der Bibel und den Katalog der Heiligen. In allen übertragenen Bedeutungen wird canōn zu unterschiedlichen Zeiten ins Dt. übernommen; zuerst wohl ahd. canon ‘(kirchliche) Rechtsvorschrift’ (9. Jh.), dann für das eucharistische Hochgebet in der Messe (15. Jh.) und schließlich für ein Lied oder Musikstück, bei dem die Stimmen nacheinander (nach strenger kontrapunktischer Regel) einsetzen (16. Jh.). Die Wendung unter aller Kanone ist eine scherzhafte Übersetzung der Schülersprache von lat. sub omni canone ‘unter allem Kanon’, d. h. so schlecht, daß es sich der Beurteilungsrichtschnur entzieht. kanonisch Adj. ‘der Regel, dem Kanon entsprechend, kirchenrechtlich, mustergültig, maßgebend’, lat. canonicus, griech. kanonikós (κανονικός); zuerst zur Kennzeichnung der von der Kirche in das Verzeichnis der maßgebenden Schriften (in den Kanon, s. oben) aufgenommenen biblischen Bücher (16. Jh.), Gegensatz apokryph (griech. apókryphos, ἀπόκρυφος ‘versteckt, heimlich’); dann auch ‘den katholisch-kirchlichen Rechtsbestimmungen entsprechend’, im Unterschied zum bürgerlichen, weltlichen Recht (17. Jh.), daher kanonisches Recht, nach spätlat. iūs canonicum. kanonisieren Vb. ‘in den Kanon, in das Verzeichnis der Heiligen aufnehmen, heiligsprechen’, mhd. canonizieren, mlat. canonicare.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Papst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kanonisieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst fahre man ihnen Mist vor das Theater, später würden sie kanonisiert.
Süddeutsche Zeitung, 19.01.2000
Dadurch werden die literarischen Formate so schnell variiert, dass sie sich nicht mehr kanonisieren lassen.
Die Zeit, 19.09.2011, Nr. 38
O. wurde 1189 kanonisiert, 1190 werden die ersten Reliquien erwähnt.
Heyden, H.: Otto von Bamberg. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 14404
Eben diese Migration könnte aber schwierig werden, wenn das jeweilige Inventar an Schriftzeichen unterschiedlich kanonisiert wird.
C't, 2001, Nr. 11
Er half so mit, die Theologie des Reformators im Verständnis der lutherischen Orthodoxie zu kanonisieren und letztere im Geist einer starren Intoleranz zu prägen.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 6847
Zitationshilfe
„kanonisieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/kanonisieren>, abgerufen am 22.04.2019.

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