jämmerlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungjäm-mer-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›jämmerlich‹ als Erstglied: ↗Jämmerlichkeit  ·  mit ›jämmerlich‹ als Letztglied: ↗gottsjämmerlich · ↗katzenjämmerlich · ↗kotzjämmerlich
eWDG, 1969

Bedeutung

sehr schlimm
a)
elend, beklagenswert
Beispiele:
ein jämmerlicher Anblick
ein jämmerliches Gesicht machen
sie mussten einen jämmerlichen Tod erleiden
in jämmerlicher Stimmung, Lage sein
jämmerlich frieren, umkommen
ihm ist jämmerlich zumute
sie sind jämmerlich (= völlig) heruntergekommen
salopp, übertrieben er hat ihn jämmerlich (= sehr) verprügelt
daß er ... jämmerlich ersticken muß [HebbelMaria MagdaleneII 5]
b)
ärmlich
Beispiele:
eine jämmerliche Behausung, Gestalt
jämmerlich leben
sie waren jämmerlich gekleidet
c)
erbärmlich
Beispiele:
ein jämmerliches Geschrei
jämmerlich anfangen zu weinen
d)
abwertend minderwertig
Beispiele:
das ist eine jämmerliche Arbeit
er ist ein ganz jämmerlicher Kerl
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Jammer · jämmerlich · Jämmerlichkeit · jammern · Jammerlappen · jammerschade · Jammertal
Jammer m. ‘Wehgeschrei, beklagenswerter Zustand, Elend, Verzweiflung’, ahd. jāmar (9. Jh.), āmar (um 1000) n. m., mhd. jāmer, āmer n. m. ‘Betrübnis, Sehnsucht’ ist eine Substantivierung des Adjektivs ahd. jāmar (9. Jh.), āmar (um 1000) ‘traurig’, woraus sich das vom Ahd. bis ins Frühnhd. belegte neutr. Genus (neben dem mask.) erklären ließe; vgl. auch asächs. jāmar, giāmar, aengl. geōmor ‘leidvoll, betrübt’. Wahrscheinlich geht das Adjektiv auf einen Schmerzenslaut, einen Klageruf zurück, so daß in ahd. āmar, mhd. āmer (s. oben) sowie anord. amra, emja, ymja ‘heulen, schreien’ onomatopoetische Varianten vorliegen können. Die nhd. Form mit verkürztem Vokal setzt sich im 17. Jh. durch. jämmerlich Adj. ‘elend, erbärmlich, heruntergekommen, feige’, ahd. āmarlīh (8. Jh.), mhd. jāmerlich, jæmerlich ‘kläglich, leidvoll’; Jämmerlichkeit f. (17. Jh.). jammern Vb. ‘wehklagen’, ahd. āmarōn (um 1000), mhd. jāmern, āmern ‘klagen, stöhnen, seufzen’. Jammerlappen m. ‘wehleidig klagender Mensch, Feigling’ (berlin. 19. Jh.), eigentlich (scherzhaft) ‘das zum Abwischen der Tränen benutzte Taschentuch’. jammerschade Adj. (nur prädikativ), Zusammenrückung der prädikativ verwendeten Fügung Jammer und Schade (18. Jh.). Jammertal n. ‘das irdische Dasein’, mhd. jāmertal, hier (wie auch bei Luther) Übersetzung von spätlat. vallis lacrimārum ‘Tal der Tränen’ (Vulgata, Psalm 83, 7, bei Luther 84, 7).

Thesaurus

Synonymgruppe
Mitleid erregend · ↗arm · armer Kerl · ↗armselig · ↗beklagenswert · ↗bemitleidenswert · ↗erbärmlich · ↗heruntergekommen · ↗hoffnungslos · ↗jammervoll · jämmerlich · ↗kläglich · ↗unglücklich · zu bedauern (sein)  ●  armer Tropf  veraltend · ↗bedauernswert  Hauptform · arm dran  ugs., ruhrdt. · arme Sau  derb · armer Teufel  ugs. · armes Schwein  ugs. · ↗bejammernswert  fachspr. · ↗erbarmungswürdig  geh. · letztklassig  ugs., österr. · ↗miserabel  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
armselig · ↗gering · ↗jammervoll · jämmerlich · ↗kümmerlich · ↗minderwertig  ●  grenzlastig  ugs. · ↗grenzwertig  ugs. · ↗inferior  geh. · ↗lausig  ugs. · ↗lumpig  ugs. · ↗mickrig  ugs. · piselig  ugs., rheinisch · ↗popelig  ugs. · pupsig  ugs. · ↗windig  ugs.
Assoziationen
  • (nur) Centbeträge  ●  das bisschen Geld  ugs. · die paar Euro  ugs. · so'n bisschen Geld  ugs. · so'n paar Euro  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anblick Dasein Erscheinungsbild Feigheit Geschrei Haufen Kreatur Schauspiel Untertan Versagen Versager Winseln Zustand beschämend erbärmlich erfrieren ersticken ertrinken frieren geradezu gescheitert jaulen kläglich krepieren verbluten verenden verhungern verrecken versagen ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›jämmerlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Leben, fährt es an diesen Stellen fratzenhaft verzerrend drein, ist nicht so, und wer dran glaubt, scheitert jämmerlich.
Der Tagesspiegel, 23.02.2004
Seit Tagen drang jämmerliches Winseln aus dem Haus in Köln.
Bild, 15.12.2000
Es hörte sich aber gar nicht so an, es klang jämmerlich.
Welk, Ehm: Die Heiden von Kummerow, Rostock: Hirnstorff 1978 [1937], S. 290
Ich finde es nun mal jämmerlich, sich nicht seiner Haut zu wehren.
Goote, Thor [d.i. Langsdorff, Werner von]: Die Fahne Hoch!, Berlin: Zeitgeschichte-Verlag 1933 [1933], S. 250
Inzwischen ist es so jämmerlich gekommen, daß es mir zweifelhaft erscheint, ob eine Kunst noch dem Lande aufhelfen kann.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 30280
Zitationshilfe
„jämmerlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/jämmerlich>, abgerufen am 14.10.2019.

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