irrational

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungir-ra-ti-onal · ir-ra-tio-nal
HerkunftLatein
Wortzerlegungir-rational
Wortbildung mit ›irrational‹ als Erstglied: ↗Irrationalismus · ↗irrationalistisch  ·  mit ›irrational‹ als Grundform: ↗Irrationalität
eWDG, 1969

Bedeutung

mit dem Verstand nicht fassbar
Gegenwort zu rational
Beispiele:
die irrationalen Elemente im menschlichen Leben
die Überbewertung des Irrationalen in der Zeit des Faschismus
Mathematik eine irrationale Zahl (= unendlicher Dezimalbruch, der nicht periodisch ist)
Die richtige Liebe ist völlig irrational [BrodFrau365]
Gerechtigkeit ist ein irrationales (= ein nicht erreichbares) Ideal [KelsenRechtslehre15]
vernunftwidrig, unvernünftig
Beispiel:
ein irrationales Handeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ratio · rational · irrational · Rationalismus · Rationalist · rationalistisch · rationell · rationalisieren · Rationalisierung
Ratio f. ‘Vernunft, (Be)rechnung, Rechenschaft’, gelehrte Übernahme (16. Jh.) von lat. ratio (Genitiv ratiōnis) ‘Rechnung, Berechnung, Rechenschaft, Denken, Denkvermögen, Vernunft, Grund, Maß, Gesetzmäßigkeit, Ordnung, Methode, Prinzip’, einer Bildung zu lat. ratus ‘berechnet, durch Rechnung bestimmt’, Part.adj. zu lat. rērī ‘meinen, glauben, urteilen, dafürhalten’. rational Adj. ‘von der Vernunft ausgehend, vernünftig, zweckmäßig, logisch, begründet’ (1. Hälfte 16. Jh.), entlehnt aus lat. ratiōnālis ‘vernünftig, vernunftgemäß, mit Vernunft begabt, schließend, folgernd, berechenbar’, eigentlich ‘zu den Rechnungen gehörig’, seit den 20er Jahren des 20. Jhs. auch in bezug auf Wirtschaftlichkeit, Effektivität, Zweckmäßigkeit im Sinne von ‘vernünftig organisiert, angeordnet, planvoll’; abgeleitet von lat. ratio (s. oben). irrational Adj. ‘mit dem Verstand nicht faßbar, vernunftwidrig, unvernünftig’, in der Mathematik ‘nicht als endliche oder periodische Dezimalzahl darstellbar’, entlehnt (18. Jh.) aus lat. irratiōnālis ‘unvernünftig’ (mit assimiliertem negierenden ↗in-, s. d.). Rationalismus m. in der Philosophie eine erkenntnistheoretische Richtung, die die menschliche Vernunft und das begriffliche Denken (Ratio) als Hauptquelle der Erkenntnis ansieht und die Erfahrung, die Sinneserkenntnis unterschätzt oder leugnet, gelehrte nlat. Bildung (Anfang 18. Jh., zunächst auch Rationalism). Rationalist m. ‘Anhänger, Vertreter des Rationalismus’ (1. Hälfte 18. Jh.), dann verallgemeinert ‘wer dem Verstand gegenüber Gefühlen den Vorrang gibt, Verstandesmensch’ (2. Hälfte 19. Jh.). rationalistisch Adj. ‘den Rationalismus betreffend, das Vernunftmäßige betonend, rein begrifflich’ (1. Hälfte 19. Jh.). rationell Adj. ‘zweckmäßig, auf größte Wirtschaftlichkeit berechnet, effektiv’, entlehnt (Ende 18. Jh.) aus frz. rationnel ‘vernünftig’ (lat. ratiōnālis), vom 18. bis ins 20. Jh. gleichbed. mit rational (s. oben) im Sinne von ‘vernünftig, vernunftgemäß’, dann auch ‘theoretisch, systematisch, wissenschaftlich’. Durch häufige Anwendung auf ökonomische Zusammenhänge im 19. Jh. weiterentwickelt zu ‘zweckmäßig, wirtschaftlich, effektiv’, seit den 30er Jahren des 20. Jhs. besonders ‘haushälterisch, sparsam’. rationalisieren Vb. ‘rationalistisch denken, dem Rationalismus gemäß handeln’ (2. Hälfte 19. Jh.), ‘Arbeitsprozesse zur Erzielung größerer Effektivität zweckmäßiger, wirtschaftlicher gestalten’ (1. Hälfte 20. Jh.), wohl unter Einfluß von frz. rationaliser ‘vernunftgemäß gestalten’ abgeleitet von rational (s. oben). Rationalisierung f. ‘vernunftgemäßes Handeln’ (Mitte 19. Jh.), ‘effektive Gestaltung des Reproduktionsprozesses unter den vorhandenen Produktionsbedingungen’ (1. Hälfte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aberwitzig · ↗absurd · ↗bescheuert (Sache) · irrational · ↗irre · ↗irrsinnig · ↗irrwitzig · ↗konfus · nicht rational · ohne Sinn und Verstand · ↗paradox · reiner Blödsinn · ↗sinnfrei · ↗sinnlos · ↗unklar · ↗unlogisch · ↗unvernünftig · ↗vernunftwidrig · ↗wahnwitzig · ↗widersinnig  ●  ↗hirnverbrannt  abwertend · ↗töricht  abwertend · ↗unsinnig  Hauptform · ↗(totaler) Quatsch  ugs. · ↗antinomisch  geh. · ↗blöd (Sache)  ugs. · ↗blödsinnig  ugs. · ↗dämlich (Sache)  ugs. · ↗hirnrissig  ugs. · ↗idiotisch  ugs., abwertend · ↗schwachsinnig  ugs., abwertend · selten dämlich (Idee, Aktion, Behauptung ...)  ugs. · ↗verrückt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) selbst widersprechend · ↗folgewidrig · ↗kontradiktorisch · ↗unlogisch · ↗widersinnig · ↗widerspruchsvoll · ↗widersprüchlich  ●  ↗absurd  geh. · irrational  geh. · ↗konträr  geh. · ↗paradox  geh. · ↗sinnwidrig  geh. · ↗vernunftwidrig  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Oxymoron · Quadratur des Kreises · Widerspruch in sich · Zusammenstellung einander widersprechender Begriffe · begrifflicher Widerspruch

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als dann die zweite Phase kam, diese irrationale Bewegung nach unten, waren wir die alleinigen Bösen.
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2002
Damit zusammen hängt ein fast genauso irrationales Verlangen nach absoluter Sicherheit.
Der Spiegel, 01.01.2001
Irrationaler Konsum werde zunehmend dringender für die Wirtschaft, ist man sich einig.
Der Tagesspiegel, 31.07.2000
Sie ist unfähig, das Bild, das Symbol zu erschaffen; das Symbol ist irrational.
Jung, Carl Gustav: Psychologische Typen. In: ders., Gesammelte Werke, Bd. VI, Zürich u. a.: Rascher 1967 [1921], S. 270
Was ist es denn schließlich anderes mit den irrationalen Zahlen?
Musil, Robert: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1983 [1906], S. 66
Zitationshilfe
„irrational“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/irrational>, abgerufen am 19.06.2019.

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