hofieren

GrammatikVerb · hofierte, hat hofiert
Aussprache
Worttrennungho-fie-ren (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

veraltend jmdn. umschmeicheln, sich um jmds. Gunst bemühen
Beispiele:
einen berühmten Künstler, angesehenen Politiker, Gast hofieren
Dieser Kaiser mit der Seele eines Parvenu hofierte unentwegt die reichen Leute [H. MannZeitalter512]
bildlich
Beispiel:
denn das Unglück ist eine eitle Frau und will hofiert sein [TucholskyPanter94]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hof · Gehöft · hofieren · höfisch · höflich · Höflichkeit · Höfling · Hofmeister · Hofnarr
Hof m. ‘in einen Wohnkomplex einbezogener eingezäunter Platz, bäuerliches Anwesen, fürstliche Residenz, fürstliches Gefolge und Milieu’, ahd. (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. aengl. hof können der unter ↗Hobel (s. d.) behandelten Labialerweiterung ie. *keup-, *kūp- der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ zugeordnet werden; dann würde Verwandtschaft mit Hübel ebenso wie mit ↗Hügel, ↗hoch (s. d.) und den dort genannten Wörtern bestehen. Der inhaltliche Bezug zur genannten Wurzel ließe sich aus der Vorstellung eines auf erhöhtem Gelände, auf einer Anhöhe gelegenen Anwesens erklären, wofür Parallelen wie norw. hov ‘Hügel’, anord. hof ‘Tempel’ sprechen. Vertreten wird auch die Vermutung, daß die aus Lehm und Flechtwerk errichtete Wand eines Gebäudes oder einer Einhegung um den Wohnkomplex, also eine Wurzelbedeutung ‘biegen, flechten; umhegter, umzäunter Raum’ als Ausgangspunkt zu betrachten sei (vgl. de Vries Nl. 261). Die bereits im Ahd. und Asächs. nachzuweisende und bei mhd. hof deutlich hervortretende Verwendung im Sinne von ‘Fürstenresidenz, fürstlicher Hofstaat’, an die die meisten Komposita und Ableitungen anknüpfen, entwickelt sich unter dem Einfluß von gleichbed. afrz. cort (frz. cour), mlat. cortis, curtis. Gehöft n. ‘bäuerliches Anwesen, ländlicher Gebäudekomplex’, frühnhd. (md.) gehofte (15. Jh.), dann Gehöfte, Gehöfde; Kollektivbildung zu Hof. hofieren Vb. ‘jmdn. mit Galanterie, übertriebener Liebenswürdigkeit behandeln, sich mit Höflichkeit und Dienstbeflissenheit um jmds. Gunst bemühen’ (vgl. jmdm. den Hof machen), mhd. hovieren, hofieren, auch ‘in festlicher Geselligkeit sich erfreuen, aufwarten, musizieren, einherstolzieren’. höfisch Adj. ‘zum Hof (eines Fürsten) gehörig, den Fürstenhof betreffend’, mhd. hövesch, hövisch ‘hofgemäß, fein, gesittet, unterhaltend’, entsprechend afrz. corteis, cortois (frz. courtois); s. auch ↗hübsch. höflich Adj. ‘zuvorkommend, aufmerksam, gute Umgangsformen beweisend’, mhd. hovelich ‘dem Hof angemessen, fein gebildet’; Höflichkeit f. ‘guter Umgangston, Zuvorkommenheit’, mhd. hovelecheit. Höfling m. ‘Angehöriger eines fürstlichen Hofstaats, Fürstendiener’, mhd. hovelinc. Hofmeister m. ‘Verwalter, Aufseher über Dienerschaft und Hofhaltung eines Fürsten, Erzieher (in einem vornehmen Hause)’, mhd. hovemeister. Hofnarr m. ‘Spaßmacher, Unterhalter an einem Fürstenhof’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) nach dem Mund reden · ↗(sich) anbiedern · (sich) einschmeicheln (bei) · (sich) lieb Kind machen (bei jemandem) · ↗Rad fahren · hofieren · ↗katzbuckeln  ●  kratzfüßeln  fig. · ↗nachsteigen  österr. · (jemandem) Honig um den Bart schmieren  ugs., fig. · (sich) einkratzen (bei)  ugs., salopp · ↗(sich) ranschmeißen  ugs. · Kreide fressen  ugs., fig. · ↗herumscharwenzeln (um)  ugs. · rumschleimen  ugs. · ↗schleimen  ugs. · ↗schwänzeln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) hofieren · (sich) bemühen um (jemanden) · (sich) heranmachen an · ↗nachlaufen · ↗nachrennen · ↗nachstellen · ↗umschmeicheln · ↗umwerben · ↗werben (um)  ●  (eine) Charmeoffensive (starten)  fig., variabel · (jemandem) den Hof machen  fig. · ↗(sich) ranschmeißen  ugs., salopp · (ständig) herumschleichen (um)  ugs., salopp · ↗buhlen (um)  geh., veraltet · ↗freien (um)  geh., veraltet · hinter jemandem her sein  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Demokrat Diktator Diplomat Europäer Funktionär Garant Islamist Kaiser Kommunist König Medium Mächtiger Politiker Regime Rockstar Sammler Staatschef Staatsgast Star Verbrecher Westen Wähler bewundern derart einst ignorieren umwerben verehren verwöhnen zuvor

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hofieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

War es richtig, das Unternehmen über Jahre derart zu hofieren?
Die Zeit, 28.01.2008, Nr. 04
Es sei jedoch noch nie seine Art gewesen, die Träger zu hofieren.
Süddeutsche Zeitung, 07.07.1997
Die hofierten sie, flirteten mit ihnen und einige waren auch verliebt.
Die Welt, 06.07.2001
Denn Sammler wollen hofiert und erhört werden, wollen nicht nur ihren Besitz, sondern auch ihren Namen geben.
Der Tagesspiegel, 10.12.2004
Häufig luden die reichen Römer ihre "Klienten" zur Mahlzeit ein, denen es oblag, den "Patron" zu hofieren und ihm "treu" zu sein.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 32
Zitationshilfe
„hofieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/hofieren>, abgerufen am 17.10.2019.

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