hochtrabend

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunghoch-tra-bend
formal verwandt mittraben
Rechtschreibregeln§ 36 (1)
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend voll hohlem Pathos, schwülstig
Beispiele:
hochtrabende Redensarten, Worte
Mein Brief an Herrn Harlan war hochtrabend und großspurig [G. Hauptm.4,227]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hoch · Hoch · Höhe · Anhöhe · Hoheit · höchstens · erhöhen · Hochachtung · hochachtungsvoll · hochdeutsch · hochherzig · Hochmeister · Hochmut · hochmütig · hochnäsig · Hochofen · Hochschule · Hochstapler · hochtrabend · Hochwasser · Hochwild
hoch Adj. ‘aus einer Ebene herausragend, weit nach oben reichend’, übertragen ‘nach Wert, Maß, Rang, Bedeutung hervorragend, über den Durchschnitt hinausgehend’, ahd. hōh (8. Jh.), mhd. hōch, , asächs. hōh, mnd. hō(ch), mnl. , hooch, nl. hoog, aengl. hēah, engl. high, anord. hār, got. hauhs, germ. *hauha- geht vielleicht wie ↗Hügel (s. d.) und aind. kucaḥ ‘weibliche Brust’, kucáti ‘zieht sich zusammen, krümmt sich’, lit. kaūkas ‘Beule’, kaũkaras ‘Hügel’, russ. kúča (куча) ‘Haufen, Heuschober’ auf die Gutturalerweiterung ie. *keuk-, *kūk- der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ zurück (wozu auch ↗Hocke, ↗Hobel, ↗Haufen, ↗hüpfen, ↗Haube, s. d.), so daß hoch ursprünglich als ‘(hervor-, empor)gewölbt’ zu verstehen ist. Hoch n. ‘Höhe, Größe’ (17. Jh.); in der Meteorologie (20. Jh.) Kurzform für Hochdruckgebiet (um 1900). Höhe f. ‘Ausdehnung, Ausmaß in vertikaler Richtung, Dimension, Spitze, Gipfel’, mit vielfältigem übertragenem Gebrauch, ahd. hōhī (8. Jh.), mhd. hœhe, hōhe, asächs. hōhi, got. hauhei. Anhöhe f. ‘Hügel, ansteigendes Gelände’ (17. Jh.). Hoheit f. ‘Erhabenheit, hohe Würde, Herrschaftsbefugnis (über ein bestimmtes Gebiet)’, auch Anrede für einen hohen fürstlichen Würdenträger, mhd. hōchheit, hōcheit. höchstens Adv. ‘maximal, im äußersten Falle’ (16. Jh.), dann auch ‘im günstigsten Falle, bestenfalls’, gebildet zum Superlativ höchst. erhöhen Vb. ‘in eine höhere Position bringen, (an)heben, verherrlichen’, ahd. irhōhen (9. Jh.), mhd. erhœhen; vgl. gleichbed. ahd. hōhen (8. Jh.), mhd. hōhen, hœhen. Hochachtung f. ‘Wertschätzung, Respekt’ (16. Jh.); hochachtungsvoll Adj. ‘respektvoll, von Wertschätzung erfüllt’, besonders als Schlußfloskel bei förmlichen Briefen (19. Jh.). hochdeutsch Adj. Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung gekennzeichneten) Sprachstandes des Mittel- und Oberdeutschen (2. Hälfte 15. Jh.), dann auch im Sinne von ‘nicht mundartlich, der Norm der Literatursprache entsprechend’; ausgehend wohl von der meist gebirgigen Beschaffenheit der mittel- und oberdeutschen Landschaften (s. das Gegenwort ↗niederdeutsch und vgl. die Bezeichnung Niederlande). hochherzig Adj. ‘großmütig, von edler, selbstloser Gesinnung’ (17. Jh.), vgl. aengl. hēahheort, got. hauhhaírts ‘hochmütig, überheblich’. Hochmeister m. ‘Oberster eines geistlichen Ritterordens’, mhd. hōchmeister, hōmeister, dann auch ‘Vorsteher der gesamten Judenschaft im Reich, hoher Gelehrter’. Hochmut m. ‘übersteigertes Selbstgefühl, Überheblichkeit’, ahd. hōhmuot (11. Jh.), mhd. hōchmuot, auch im Sinne von ‘hohe, edle Gesinnung, Hochstimmung, Freude’; hochmütig Adj. ‘überheblich, übertrieben stolz’, ahd. hōhmuotīg (um 1000), mhd. hōchmüetic. hochnäsig Adj. ‘anmaßend, eingebildet’ (18. Jh.); vgl. die Redensart die Nase hoch tragen (18. Jh.). Hochofen m. hoher Schachtofen zur Ausschmelzung des Roheisens aus dem Erz, zunächst Hoherofen (18. Jh.), Hohofen (19. Jh.). Hochschule f. Bildungsstätte, in der die Qualifikation für akademische Berufe vermittelt wird, ‘Universität’ (15. Jh.), daneben zunächst auch Hohe Schule, Hoheschule. Hochstapler m. ‘seriös und vornehm auftretender Betrüger’ (18. Jh.), zu rotw. Stappler, Stabeler, Stabuler ‘Bettler’ (15. Jh.), vgl. rotw. stappeln, stapeln, stabeln ‘bettelnd umherziehen’, nhd. (literatursprachlich und landschaftlich) stapeln ‘hochbeinig, gespreizt gehen, betteln gehen’. hochtrabend Part.adj. ‘von oben herab, überheblich’ (vgl. auf dem hohen Roß sitzen), mhd. hōchtrabende. Hochwasser n. ‘höchster Wasserstand innerhalb der Gezeiten, Überschwemmung(sgefahr)’ (19. Jh.), vorher hoch Wasser (16. Jh.). Hochwild n. ‘wertvollste Wildkategorie’, z. B. Rotwild, Schalenwild, edles Federwild (16. Jh.), hoewilt (15. Jh.), entsprechend der Einteilung in hohe, (mittlere,) niedere Jagd.

Thesaurus

Synonymgruppe
geschwollen · hochtrabend · ↗inbrünstig · ↗pastoral · ↗pathetisch · ↗priesterlich · ↗salbungsvoll  ●  ↗solenn  ugs. · ↗weihevoll  geh.
Assoziationen
  • (seine Worte) mit Bedacht (wählen) · (seine) Worte wägen · (sich) gewählt (ausdrücken) · ↗gesucht · mit ausgesuchten Worten · mit gewogenen Worten · ↗stilvoll  ●  ↗gehoben  Hauptform · (einen) hohen Ton anschlagen  geh. · ↗bildungssprachlich  fachspr. · ↗elaboriert (Ausdrucksweise)  fachspr., veraltend · im hohen Ton  geh.
Synonymgruppe
großtönend · ↗hochgestochen · hochtrabend · ↗hochtönend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ambition Ankündigung Anspruch Ausdruck Begriff Bezeichnung Erwartung Etikett Formulierung Gerede Geschwätz Hoffnung Name Phrase Plan Rede Rhetorik Theorie Titel Versprechung Vision Wort anhören ausdrücken daherkommen formulieren klingen nennen weniger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hochtrabend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So bescheiden es aber daherkommt, so hochtrabend sind die kulturkritischen Diagnosen seines Autors.
Die Zeit, 20.06.1997, Nr. 26
Ich liebe dieses Volk, diesen hochtrabenden Ausdruck kann ich hier in Reinheit verwenden, es ist so.
konkret, 1983
Sie ist eine außerordentlich begabte Person, ihre Niederschrift ist außerordentlich geschickt gemacht, klingt etwas hochtrabend.
Friedländer, Hugo: Ein Liebesdrama im Berliner Tiergarten. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1921], S. 8110
Es ist nicht nötig, seinen Glückwunsch in hochtrabende poetische Worte einzukleiden.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 21935
Diese Begriffe klingen hochtrabend und abgeschmackt, weil sie nur allzuoft in oberflächlichem Zusammenhang benutzt worden sind.
Eberlein, Gisela: Autogenes Training für Fortgeschrittene, Düsseldorf: Wien Econ Verlag 1974, S. 102
Zitationshilfe
„hochtrabend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/hochtrabend>, abgerufen am 25.06.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Hochtouristik
hochtourig
Hochtour
hochtonig
hochtönend
hochträchtig
hochtragen
hochtragend
Hochtrapez
Hochtrasse