hochherzig

GrammatikAdjektiv
Worttrennunghoch-her-zig (computergeneriert)
Wortbildung mit ›hochherzig‹ als Erstglied: ↗Hochherzigkeit
eWDG, 1969

Bedeutung

gehoben großmütig, edel
siehe auch Herz (Lesart 3)
Beispiele:
eine hochherzige Tat
Und doch, wie hochherzig und rührend tapfer betrug sie sich in der allgemeinen Verwirrung! [Th. Mann11,84]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hoch · Hoch · Höhe · Anhöhe · Hoheit · höchstens · erhöhen · Hochachtung · hochachtungsvoll · hochdeutsch · hochherzig · Hochmeister · Hochmut · hochmütig · hochnäsig · Hochofen · Hochschule · Hochstapler · hochtrabend · Hochwasser · Hochwild
hoch Adj. ‘aus einer Ebene herausragend, weit nach oben reichend’, übertragen ‘nach Wert, Maß, Rang, Bedeutung hervorragend, über den Durchschnitt hinausgehend’, ahd. hōh (8. Jh.), mhd. hōch, , asächs. hōh, mnd. hō(ch), mnl. , hooch, nl. hoog, aengl. hēah, engl. high, anord. hār, got. hauhs, germ. *hauha- geht vielleicht wie ↗Hügel (s. d.) und aind. kucaḥ ‘weibliche Brust’, kucáti ‘zieht sich zusammen, krümmt sich’, lit. kaūkas ‘Beule’, kaũkaras ‘Hügel’, russ. kúča (куча) ‘Haufen, Heuschober’ auf die Gutturalerweiterung ie. *keuk-, *kūk- der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ zurück (wozu auch ↗Hocke, ↗Hobel, ↗Haufen, ↗hüpfen, ↗Haube, s. d.), so daß hoch ursprünglich als ‘(hervor-, empor)gewölbt’ zu verstehen ist. Hoch n. ‘Höhe, Größe’ (17. Jh.); in der Meteorologie (20. Jh.) Kurzform für Hochdruckgebiet (um 1900). Höhe f. ‘Ausdehnung, Ausmaß in vertikaler Richtung, Dimension, Spitze, Gipfel’, mit vielfältigem übertragenem Gebrauch, ahd. hōhī (8. Jh.), mhd. hœhe, hōhe, asächs. hōhi, got. hauhei. Anhöhe f. ‘Hügel, ansteigendes Gelände’ (17. Jh.). Hoheit f. ‘Erhabenheit, hohe Würde, Herrschaftsbefugnis (über ein bestimmtes Gebiet)’, auch Anrede für einen hohen fürstlichen Würdenträger, mhd. hōchheit, hōcheit. höchstens Adv. ‘maximal, im äußersten Falle’ (16. Jh.), dann auch ‘im günstigsten Falle, bestenfalls’, gebildet zum Superlativ höchst. erhöhen Vb. ‘in eine höhere Position bringen, (an)heben, verherrlichen’, ahd. irhōhen (9. Jh.), mhd. erhœhen; vgl. gleichbed. ahd. hōhen (8. Jh.), mhd. hōhen, hœhen. Hochachtung f. ‘Wertschätzung, Respekt’ (16. Jh.); hochachtungsvoll Adj. ‘respektvoll, von Wertschätzung erfüllt’, besonders als Schlußfloskel bei förmlichen Briefen (19. Jh.). hochdeutsch Adj. Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung gekennzeichneten) Sprachstandes des Mittel- und Oberdeutschen (2. Hälfte 15. Jh.), dann auch im Sinne von ‘nicht mundartlich, der Norm der Literatursprache entsprechend’; ausgehend wohl von der meist gebirgigen Beschaffenheit der mittel- und oberdeutschen Landschaften (s. das Gegenwort ↗niederdeutsch und vgl. die Bezeichnung Niederlande). hochherzig Adj. ‘großmütig, von edler, selbstloser Gesinnung’ (17. Jh.), vgl. aengl. hēahheort, got. hauhhaírts ‘hochmütig, überheblich’. Hochmeister m. ‘Oberster eines geistlichen Ritterordens’, mhd. hōchmeister, hōmeister, dann auch ‘Vorsteher der gesamten Judenschaft im Reich, hoher Gelehrter’. Hochmut m. ‘übersteigertes Selbstgefühl, Überheblichkeit’, ahd. hōhmuot (11. Jh.), mhd. hōchmuot, auch im Sinne von ‘hohe, edle Gesinnung, Hochstimmung, Freude’; hochmütig Adj. ‘überheblich, übertrieben stolz’, ahd. hōhmuotīg (um 1000), mhd. hōchmüetic. hochnäsig Adj. ‘anmaßend, eingebildet’ (18. Jh.); vgl. die Redensart die Nase hoch tragen (18. Jh.). Hochofen m. hoher Schachtofen zur Ausschmelzung des Roheisens aus dem Erz, zunächst Hoherofen (18. Jh.), Hohofen (19. Jh.). Hochschule f. Bildungsstätte, in der die Qualifikation für akademische Berufe vermittelt wird, ‘Universität’ (15. Jh.), daneben zunächst auch Hohe Schule, Hoheschule. Hochstapler m. ‘seriös und vornehm auftretender Betrüger’ (18. Jh.), zu rotw. Stappler, Stabeler, Stabuler ‘Bettler’ (15. Jh.), vgl. rotw. stappeln, stapeln, stabeln ‘bettelnd umherziehen’, nhd. (literatursprachlich und landschaftlich) stapeln ‘hochbeinig, gespreizt gehen, betteln gehen’. hochtrabend Part.adj. ‘von oben herab, überheblich’ (vgl. auf dem hohen Roß sitzen), mhd. hōchtrabende. Hochwasser n. ‘höchster Wasserstand innerhalb der Gezeiten, Überschwemmung(sgefahr)’ (19. Jh.), vorher hoch Wasser (16. Jh.). Hochwild n. ‘wertvollste Wildkategorie’, z. B. Rotwild, Schalenwild, edles Federwild (16. Jh.), hoewilt (15. Jh.), entsprechend der Einteilung in hohe, (mittlere,) niedere Jagd.

Thesaurus

Synonymgruppe
freigebig · ↗freigiebig · ↗generös · ↗großherzig · ↗großmütig · ↗großzügig · ↗gönnerhaft · hochherzig · in Geberlaune · ↗nobel (aus der Nehmerperspektive) · ↗spendabel · ↗spendierfreudig  ●  Man muss auch gönnen können.  ugs., sprichwörtlich
Assoziationen
  • entgegenkommend · ↗gefällig · ↗gnädig · ↗großherzig · ↗großmütig · ↗gütig · ↗kulant · ↗mild · ↗milde · ↗sanftmütig  ●  ↗wohlwollend  Hauptform · ↗huldvoll (oft ironisch)  geh., veraltend
  • (die) Runde geht auf (...) · (die) Zeche zahlen (für jemanden) · (eine) Runde ausgeben · (einen) ausgegeben bekommen · (jemandem) (ein) Getränk spendieren · ↗(jemanden) freihalten · aufs Haus gehen  ●  ↗(etwas) spendieren  Hauptform · (eine) Runde schmeißen  ugs. · das geht auf meinen Deckel  ugs. · das geht auf mich  ugs. · einen ausgeben  ugs. · frei saufen haben  derb
  • (es) nicht fehlen lassen (an) · großzügig austeilen · nicht sparen an · nicht sparen mit  ●  es hagelt (nur so)  fig. · (nur so) um sich schmeißen (mit)  ugs. · um sich werfen (mit)  ugs.
  • (viel) Geld ausgeben · in Kauflaune · in Konsumlaune sein  ●  (Geld) mit vollen Händen ausgeben  fig. · (das) Geld locker sitzen haben  ugs. · (das) Geld sitzt locker (bei jemandem)  ugs.
  • nicht alles für sich haben wollen · teilen können · verzichten können  ●  (anderen) auch etwas gönnen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akt Angebot Gabe Geschenk Gesinnung Geste Gönner Spende Spender Stifter Stiftung Tat

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hochherzig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Von einer "hochherzigen Tat" spricht Baumstark, von einer "glückhaften Entscheidung", einem "fulminanten Start".
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2000
Viele der hochherzigen journalistischen Ideale lassen sich unter diesen Umständen nicht verwirklichen.
Die Zeit, 24.11.2008, Nr. 47
Und nun fand Mutter Pauline seine Handlungsweise sogar hochherzig und echt männlich.
Bredel, Willi: Die Väter. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 7, Berlin: Aufbau-Verl. 1973 [1946], S. 442
Mit dieser Tatsache hofft man, töricht und wundergläubig, wie man ist, den Mann zum hochherzigen Erlaß der Steuerschuld zu bringen.
Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 12
Ein damals berühmter Militärarzt galt als großer Menschenfreund und als hochherziger Helfer armer Kranker.
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 42
Zitationshilfe
„hochherzig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/hochherzig>, abgerufen am 15.10.2019.

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