hingeben

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunghin-ge-ben
Wortzerlegunghin-geben
Wortbildung mit ›hingeben‹ als Erstglied: ↗Hingebung  ·  mit ›hingeben‹ als Grundform: ↗Hingabe · ↗hingegeben
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
jmdm. etw. geben, reichen
Beispiele:
jmdm. einen Bleistift hingeben
darf ich dir den Zucker hingeben?
2.
etw., jmdn. opfern
Beispiele:
für jmdn., für ein Unternehmen alles, sein ganzes Vermögen, das Letzte hingeben
gehoben Gut und Blut hingeben
gehoben in diesem Kampf musste das Land seine besten Männer hingeben
die Hoffnung auf ein Wiedersehen ... auch sie mußte er hingeben [HesseNarziß5,262]
gehoben tyrannischer Vater! den besten deiner Söhne so hinzugeben dem Elend [SchillerRäuberI 3]
3.
sich einer Sache hingeben
a)
sich einer Sache eifrig widmen, völlig überlassen
Beispiele:
sich einer Arbeit, Beschäftigung, Neigung mit Leidenschaft, ganz hingeben
sie gab sich allabendlich ihrer Lektüre hin
sich hemmungslos seinem Vergnügen, dem Spiel, einem Rausch hingeben
sie hat sich völlig ihrem Schmerz, diesem Gefühl, ihren Tränen hingegeben
[der] Mann, der sich mit geschlossenen Augen der Wohltat des warmen Regens hingab [ApitzNackt20]
sich an etw. hingeben
Beispiel:
sie wollte sich an eine Aufgabe hingeben können [FusseneggerAntlitz84]
oft im Part. Präs.
hingebendeifrig
Beispiele:
sich hingebend in eine Aufgabe versenken
Frau Permaneder, welche sich am treuesten und hingebendsten mit den Familienpapieren beschäftigte [Th. MannBuddenbrooks1,489]
aufopfernd
Beispiele:
die hingebende Arbeit des Lehrers
sie hat ihre kranke Mutter hingebend gepflegt
Lee war überall mit voran, ein zuverlässiger, hingebender Freund für alle [G. KellerGr. Heinrich4,18]
oft im Part. Prät.
hingegebenmit Hingabe, großem Eifer
Beispiele:
jmds. Worten, jmdm. hingegeben lauschen
der Umstand, daß Regina sich hingegeben über ihren Strickrahmen beugte [TralowKepler263]
einer Sache hingegebensich einer Sache völlig widmend, überlassend
Beispiele:
er lauschte, ganz dem Kunstgenuss, dem Spiel des Pianisten hingegeben
ich habe ihn nie anders als freundlich, pflichteifrig, seiner Aufgabe hingegeben gefunden [FalladaBlechnapf173]
nach außen beherrscht, aber im Herzen der Lust des Untergangs ganz hingegeben [NollHolt2,193]
b)
einem Wahn nachhängen, verfallen
Beispiele:
sich einem trügerischen Gedanken, falschen Hoffnungen, keiner Illusion hingeben
er gab sich dem Wahne, der Täuschung hin, dass ...
er hatte sich dem Glauben hingegeben, er sei in Sicherheit
weil sie sich ... keinen falschen Einbildungen über das menschliche Dasein hingab [R. Dehmel7,71]
4.
verhüllend sich einem Mann hingebenmit einem Mann intime Beziehungen haben
Beispiel:
die Angst des Bürgermädchens, sich einem Manne anders als in der Ehe hinzugeben [FlakeSchritt87]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geben · abgeben · Abgabe · angeben · Angabe · Angeber · angeblich · aufgeben · Aufgabe · ausgeben · Ausgabe · ausgiebig · begeben · Begebenheit · beigeben · Beigabe · eingeben · Eingabe · Eingebung · ergeben · Ergebung · ergeben · Ergebenheit · Ergebnis · ergiebig · freigebig · Freigebigkeit · hingeben · Hingabe · Hingebung · hingebungsvoll · nachgeben · nachgiebig · übergeben · Übergabe · umgeben · Umgebung · Untergebener · vergeben · Vergebung · vergebens · vergeblich · zugeben · Zugabe
geben Vb. ‘(hin-, dar)reichen, schenken, überlassen’. Das gemeingerm. Verb ahd. geban (8. Jh.), mhd. geben, asächs. geƀan, mnd. gēven, mnl. ghēven, nl. geven, aengl. giefan (engl. to give ist aus dem Nord. entlehnt), anord. gefa, schwed. giva, got. giban (germ. *geban). Herkunft ungesichert. Das Verb wird allgemein mit lat. habēre ‘halten, haben, besitzen’, habilis ‘handlich, geeignet’, air. gaibid ‘nimmt, ergreift, erhält’, lit. gabénti ‘fördern, transportieren, herbei-, fortschaffen’, aruss. gabati ‘bedrängen, verfolgen (?)’, tschech. (älter) habati ‘raffen’, poln. gebać ‘anfechten, reizen, beunruhigen’ zu der in mehreren Varianten vorliegenden Wurzel ie. *ghabh-, *ghab-, *ghap- ‘fassen, nehmen’ (die letzte Variante wohl unter Einfluß der Wurzel ie. *kap- ‘fassen’, s. ↗heben) gestellt. Der auffallende Bedeutungsunterschied zwischen den germ. Vertretern und dem ie. Wurzelansatz (‘geben’ – ‘nehmen’) wird damit erklärt, daß hier eine germ. Eigenbildung als Ersatz für ie. *dō- ‘geben’ vorliegt, die sowohl lautlich (im Vokalismus der Stammsilbe) wie inhaltlich unter dem Einfluß von germ. *neman (s. ↗nehmen) als Gegenwort steht (was man hat, auswählend ergreift, „nimmt“, kann man darreichen, schenken, „geben“). Die reiche Bedeutungsentfaltung des Verbs führt zu zahlreichen Präfixbildungen mit weiteren Ableitungen. abgeben Vb. ‘(einen Teil) hergeben, abtreten, überlassen, darstellen, sein’ reflexiv ‘sich beschäftigen, befassen’, frühnhd. ab(e)geben, vgl. ahd. abageban ‘verlassen, im Stich lassen’ (9. Jh.); Abgabe f. ‘zu entrichtende Leistung, Überlassung’ (2. Hälfte 17. Jh.). angeben Vb. ‘(aus)sagen, anzeigen, verraten, bestimmen, prahlen, aufschneiden’, mhd. an(e)geben, auch ‘(ein Kleid) anlegen’; Angabe f. ‘Aussage, Prahlerei, Aufschneiderei’ (Anfang 16. Jh.); Angeber m. ‘Denunziant, Aufschneider’, frühnhd. angeber ‘Anfänger, Anstifter’; angeblich Adj. ‘vermeintlich’ (1. Hälfte 18. Jh.). aufgeben Vb. ‘zur Weiterleitung übergeben, erledigen lassen, verzichten, zurücktreten’, mhd. ūfgeben; Aufgabe f. ‘Übergabe zur Weiterleitung, Auftrag, Verzicht’, mhd. ūfgābe. ausgeben Vb. ‘austeilen, aushändigen, verkünden, Geld verbrauchen, spendieren’, reflexiv ‘seine Kräfte verbrauchen, verausgaben’, ahd. ūʒgeban ‘(her)ausgeben, ausschütten’ (9. Jh.), mhd. ūʒgeben; Ausgabe f. ‘Austeilung, Aushändigung, Verkündigung, Verbrauch an Geld, Edition, Nummer einer Zeitung, Zeitschrift’, spätmhd. ūʒgābe; ausgiebig Adj. ‘reichlich’ (Mitte 18. Jh.). begeben Vb. reflexiv ‘sich aufmachen, gehen, sich ereignen, geschehen’, sich einer Sache begeben ‘auf etw. verzichten’, ahd. bigeban ‘verlassen, aufgeben’ (10. Jh.), mhd. begeben; Begebenheit f. ‘Ereignis, Geschehen’ (1. Hälfte 17. Jh.). beigeben Vb. ‘mitgeben, hinzufügen, zur Verfügung stellen, nachgeben, sich fügen’ (1. Hälfte 16. Jh.); Beigabe f. (1. Hälfte 19. Jh.). eingeben Vb. ‘einflößen, einreichen’, mhd. īngeben ‘übergeben, überweisen’; Eingabe f. ‘das Einflößen, schriftlicher Vorschlag, Gesuch’, spätmhd. ingābe; Eingebung f. ‘plötzlich auftauchender Gedanke, Intuition’ (1. Hälfte 15. Jh.). ergeben Vb. ‘als Ergebnis hervorbringen’, reflexiv ‘zustande kommen, sich hingeben, widmen, die Waffen strecken, sich dem Feind ausliefern’, ahd. irgeban ‘(von sich) geben, heraus-, übergeben, sich jmdm. ausliefern, Rechenschaft ablegen’ (8. Jh.), mhd. ergeben ‘zeigen, herausgeben, übergeben, anheimgeben, einträglich sein’, reflexiv ‘sich in jmds. Gewalt geben, sich fügen’; Ergebung f. ‘das Sichergeben, Unterwerfung, Ergebenheit’ (14. Jh.); ergeben Part.adj. ‘gefügig, hingebungsvoll, wohlgeneigt’, in frühnhd. Zeit aus dem Part. Prät. mhd. ergeben ‘sich durch Gelübde dem Mönchsleben ergeben habend’; Ergebenheit f. ‘demütige Hingabe, Fügsamkeit’, mhd. ergebenheit ‘Klostergelübde’; Ergebnis n. ‘Resultat’ (um 1800); ergiebig Adj. ‘ertragreich, fruchtbar’ (16. Jh.). freigebig Adj. ‘gern gebend, großzügig’, Freigebigkeit f. (1. Hälfte 16. Jh.). hingeben Vb. ‘weg-, fortgeben, verschenken’ (15. Jh.), reflexiv ‘sich aufopfern, sich widmen’ (18. Jh.); vgl. schon ahd. hinageban ‘hingeben, übergeben, preisgeben’ (um 1000); Hingabe f. ‘Opferbereitschaft, Leidenschaft’ und gleichbed. Hingebung f. (1. Hälfte 19. Jh.), älter im Sinne von ‘das Weg-, Fortgeben’ (Hingebung seit dem 17. Jh., Hingabe seit dem 18. Jh.); hingebungsvoll Adj. ‘voll Eifer, Aufopferung’ (1. Hälfte 19. Jh.). nachgeben Vb. ‘nicht standhalten, Widerstand aufgeben, sich fügen, erschlaffen, locker werden’, spätmhd. nāchgeben ‘zulassen, einräumen’; nachgiebig Adj. ‘nicht standhaltend, keinen Widerstand entgegensetzend, schlaff, leicht umzustimmen, fügsam’ (18. Jh.). übergeben Vb. ‘aushändigen, überantworten, ausliefern, für etw. freigeben’, reflexiv ‘sich erbrechen’, mhd. übergeben ‘übertreffen, beeinträchtigen, verletzen, verzichten’, reflexiv ‘sich aufgeben, schuldig bekennen’; Übergabe f. ‘Aushändigung, Auslieferung’ (Ende 15. Jh.). umgeben Vb. ‘ein-, umschließen’, ahd. umbigeban ‘umgeben, umstellen’ (8. Jh.), mhd. umbegeben; Umgebung f. ‘einen Ort umgebende Landschaft, jmdn. umgebender Kreis von Menschen’ (um 1800; vorher dafür Environs, nach gleichbed. frz. environs Plur.), älter im Sinne von ‘das Herumgeben, Umhängen’ (Ende 15. Jh.). Untergebener m. ‘wer einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt ist’ (um 1600), substantivierte Form zum Part.adj. untergeben ‘einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt’, eigentlich Part. Prät. zu heute nicht mehr üblichem untergeben ‘unter Aufsicht stellen’, ahd. untargeban ‘unterwerfen, unterstellen’ (um 800), spätmhd. undergeben. vergeben Vb. ‘weggeben, austeilen, verschenken, verzeihen’, meist reflexiv ‘seinem Ansehen schaden’, nur reflexiv ‘sich beim Austeilen (der Spielkarten) irren, falsch geben’, ahd. firgeban ‘vergeben, schenken, einräumen’ (8. Jh.), mhd. vergeben; Vergebung f. ‘das Vergeben, Vergabe, Verzeihung’, spätmhd. vergebunge ‘Verzeihung’; vergebens Adv. ‘vergeblich, erfolglos, umsonst, nutzlos’, spätmhd. vergeben(e)s, mit sekundärem s für gleichbed. mhd. vergebene ‘geschenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich’, Adverb zum Part. Prät. mhd. vergeben; vgl. ahd. firgebano Adv. ‘umsonst, ohne Gegenleistung’ (um 1000). vergeblich Adj. ‘erfolglos, nutzlos, umsonst’, zuerst md. vergebelich (15. Jh.), vgl. mhd. frühnhd. vergebenlich (wohl gekürzt aus vergebendlich). zugeben Vb. ‘hinzufügen, dazugeben, für richtig erklären, einräumen, gestehen’ (15. Jh.), vgl. schon ahd. zuogeban ‘hinzufügen, zuteilen, verteilen’ (9. Jh.), dagegen mhd. zuogeben ‘tapfer auf jmdn. eindringen, jmdm. zusetzen’; Zugabe f. ‘was zusätzlich über die pflichtgemäße Leistung oder Menge hinaus gegeben wird’, spätmhd. zuogābe ‘Zugabe, Mitgift’.

Thesaurus

Synonymgruppe
beschenken · ↗bescheren · ↗gewähren · hingeben · ↗schenken · ↗spendieren · ↗springenlassen (Geld) · ↗widmen · ↗zueignen · ↗zuwenden · ↗überantworten · ↗übergeben · ↗überlassen · ↗überreichen  ●  ↗springen lassen (Geld)  ugs.
Assoziationen
  • (etwas) für jemanden bestimmt haben · (für jemanden) vorgesehen sein · (jemandem etwas) geben wollen · (jemandem etwas) zugedacht haben  ●  ↗(jemandem etwas) zueignen  geh.
Synonymgruppe
aufopfern · ↗darangeben · hingeben · ↗opfern  ●  ↗drangeben  ugs.
Synonymgruppe
(einer Sache) frönen · (jemandes) Leben sein · (sein) Herz hängen an · ↗(sich einer Sache) verschreiben · ↗(sich) in den Dienst (einer Sache) stellen · (sich) versenken (in) · ↗aufgehen (in) · sein (ganzes) Herzblut hineinstecken · sein Leben (einer Sache) weihen  ●  ↗(sich einer Sache) weihen  veraltend · ↗(sich einer Sache) widmen  Hauptform · ↗(einer Sache) leben  geh., altertümelnd · (jemandes) Ein und Alles sein  ugs. · ↗(sich einer Sache) anheimgeben  geh. · (sich einer Sache) hingeben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · hinterhertrauern · ↗nachhängen · ↗nachtrauern · ↗nachweinen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausschweifung Exzeß Genuß Hoffnung Illusion Irrglauben Leidenschaft Lust Müßiggang Rausch Selbsttäuschung Suff Trugschluß Träumerei Täuschung Vergnügen Vergnügung Wahn Wonne Zauber bereitwillig geben gern hemmungslos keinerlei lustvoll rückhaltlos ungehemmt ungestört willig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hingeben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Vergnügen für den Leser besteht darin, sich dem exzessiven Spiel der Zeichen hinzugeben.
Der Tagesspiegel, 01.10.1996
Wie gestaltet sich die Lage eines absolvierten Studenten, der entschlossen ist, der Wissenschaft innerhalb des akademischen Lebens sich berufsmäßig hinzugeben?
Weber, Max: Wissenschaft als Beruf. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen: Mohr 1922 [1919], S. 897
Unser Ziel ist daher, das vorhandene Geld vor allem dort hinzugeben, wo Kinder erzogen werden.
Bild, 19.06.2001
Kaum jemand gab sich noch der Illusion hin, daß der Kampf nur von kurzer Dauer sein würde.
Süddeutsche Zeitung, 05.08.1994
So sollte einst eine Nereide, eine der Töchter des Meeresgottes Nereus, die Insel bewohnt und sich jedem hingegeben haben, der dorthin gekommen sei.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 221
Zitationshilfe
„hingeben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/hingeben>, abgerufen am 22.05.2019.

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