herrisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungher-risch (computergeneriert)
Wortbildung mit ›herrisch‹ als Erstglied: ↗Herrischkeit
eWDG, 1969

Bedeutung

befehlend, gebieterisch
Beispiele:
etw. herrisch, in herrischem Tone, mit herrischer Stimme, Miene verlangen
ein herrischer Gesichtsausdruck
seine Antwort klang recht herrisch
ein herrischer Mensch
[der Kapitän] der groß und herrisch neben mir stand [H. W. RichterSpuren319]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Herr · Herrin · herrisch · Herrgott
Herr m. ‘erwachsener männlicher Mensch’, im gesellschaftlichen Verkehr höflicher, gewählter Ausdruck (anstelle von ↗Mann, s. d.), besonders in der Anrede zunächst höhergestellter Personen, dann (seit dem 18. Jh.) in allgemeiner Anrede, ahd. hēriro, hērōro (8. Jh.), verkürzt hē̌r(r)o ‘Herrscher, weltlich Höhergestellter, Kaiser, König’, mhd. hē̌rre, auch (besonders in der Anrede) hē̌r ‘Gebieter, Höhergestellter gegenüber Untergebenen jeder Art, Patron, Schutzheiliger, Gemahl, vornehmer Vasall, Adliger’, Anrede für Gott und (vor Titeln) Menschen, asächs. hērro (woraus aengl. hearra, anord. herra, herri), mnd. hēr(e), mnl. hēre, nl. heer ist eigentlich der Komparativ (ahd. hēriro, hērōro ‘der Ältere, der Würdigere’) von dem unter ↗hehr (s. d.) behandelten Adjektiv (ahd. hēr ‘alt, ehrwürdig’). Vorbild für die Entwicklung ist wohl der gleichfalls auf einem substantivierten Komparativ (Elativ) beruhende römische Titel lat. senior (s. ↗Senior) zur Bezeichnung (spätlat.) des ‘Höhergestellten, Ranghöchsten’ einer militärischen Einheit oder einer Verwaltungsbehörde, auch einer kirchlichen Gemeinde, im Sinne von ‘Ältester, Gemeindeältester’ (entsprechend griech. presbýteros, πρεσβύτερος ‘Gemeindeältester’, s. ↗Priester), mlat. ‘führendes, meist mit Land begütertes und mit Verwaltungsaufgaben beauftragtes Glied einer Gemeinde oder eines größeren Gebiets’, dann ‘Feudalherr’ (erstmals Mitte 8. Jh. im Frankenreich), ‘König’ (als oberster Feudalherr), erweitert ‘hoher kirchlicher Würdenträger’ (sofern mit feudalem Besitz ausgestattet), übertragen auf Gott sowie die soziale Hierarchie in der Familie. Unter roman. (vgl. afrz. seignor, sire) Einfluß, wohl zuerst im Frk. (7./8. Jh.), übernimmt der substantivierte Komparativ afrk. hērro, ahd. hēriro, hērōro, hē̌r(r)o die Funktion der Bezeichnung und Anrede des Feudalherrn und ersetzt allmählich die alten Wörter für den Gefolgsherrn ahd. frō (s. ↗Frone) und ahd. truhtīn. Im Mhd. ist die Verkürzung hē̌r Anrede vor Titeln und Namen, vgl. her keiser, her bābest, her Otte (Otto IV.). Als Anrede für den Höhergestellten und Machtausübenden wird Her(r) in der weiteren Entwicklung übertragen auf bürgerliche Räte, Bürgermeister und dgl. und gilt seit dem 18. Jh. als allgemeine Bezeichnung und Anrede. In festen Fügungen über jmdn., etw. Herr werden ‘etw. bewältigen, mit jmdm., etw. fertig werden’ (16. Jh.); alter Herr studentensprachlich für ‘Angehöriger einer Studentenverbindung nach dem Studium’, dann verallgemeinert ‘Vater’ (19. Jh.). Herrin f. ‘Gebieterin über Untergebene’, auch ‘Inhaberin feudaler Besitzungen’ (16. Jh.). herrisch Adj. ‘befehlend, anmaßend, unduldsam, stolz’ (17. Jh.), mhd. hērisch, hērsch ‘nach Art eines Herren sich benehmend, erhaben, herrlich’, abgeleitet von mhd. hēr (s. ↗hehr), dann auf substantiviertes Herr bezogen. Herrgott m. ‘Gott’, mhd. hērregot, frühnhd. herrgot (Anfang 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
autoritär · bevormundend · herrisch · ↗obrigkeitlich · ↗paternalistisch
Assoziationen
Antonyme
  • herrisch
Synonymgruppe
befehlshaberisch · bestimmend · ↗dominant · herrisch · ↗tonangebend
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
bestimmend · determinierend · herrisch
Synonymgruppe
autoritär · ↗durchsetzungsfähig · durchsetzungsstark · ↗gebieterisch · herrisch  ●  mit starker Hand  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allüre Attitüde Auftreten Ausstrahlung Befehl Führungsstil Gebaren Gebärde Gest Geste Gestus Handbewegung Miene Pose Stolz Ton Weib Wesen aufbrausend auftretend autoritär gewalttätig grausam herrlich launisch mitunter selbstbewußt unduldsam unerschrocken ungeduldig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›herrisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Je mehr sie zu bedauern sind, desto herrischer werden sie.
Süddeutsche Zeitung, 14.12.2002
Gegen seine Mutter, eine herrische Frau, wagte er nie ein behauptendes Wort.
Loest, Erich: Völkerschlachtdenkmal, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1987 [1984], S. 25
Und wenn sie sich freut, dann entschärft das Licht in den großen dunklen Augen ihre herrische Nase.
Die Zeit, 17.08.1984, Nr. 34
Man beansprucht mit seinen Füßen nicht herrisch den Platz unter dem gegenüberliegenden Sitz.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 406
Seiner Macht über diese herrische Frau war er sich bewußt.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 54
Zitationshilfe
„herrisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/herrisch>, abgerufen am 24.04.2019.

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