heraufdämmern

GrammatikVerb · dämmert herauf, dämmerte herauf, ist heraufgedämmert
Worttrennunghe-rauf-däm-mern · her-auf-däm-mern
Wortzerlegungherauf-dämmern
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2018

Bedeutung

vom ersten Tageslicht   sich allmählich vom Horizont her über den Himmel verbreiten
Beispiele:
Plötzlich steht er da. Der Schiffscontainer. Er muss im Morgengrauen gekommen sein. Obwohl: Hier in Äquatornähe braucht der Tag nur ein paar Minuten, um heraufzudämmern. [Süddeutsche Zeitung, 29.01.2015]
Ein neuer Morgen dämmert am Horizont herauf. [Die Zeit, 16.03.2006, Nr. 12]
Ein großformatiges Bild zeigt einen gespensterhaften Innenraum, durch dessen Fenster ein fahler Morgen heraufdämmert. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2002]
Bei Regen und triefender Nässe hatten sie am Geschütz gehockt, dann wieder waren strahlende Herbsttage heraufgedämmert, warm und wolkenlos. [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 145]
übertragen Die Vertreter der Andragogik, der Wissenschaft der Erwachsenenbildung, kennen das: Wenn der Lebensabend heraufdämmert, dann stellen sich die Menschen die letzten Fragen – »Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?« [Die Zeit, 16.08.2001, Nr. 34]
übertragen Als der Abend heraufdämmerte, kam General von Zieten und sprach Wrangel seine vollste Anerkennung über seine Führung und die Leistungen des Regiments aus. [Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 44764]
Kollokation:
mit Aktivsubjekt: der Morgen, Tag dämmert herauf
übertragen Quelle: DWDS, 2018
Synonym zu anbrechen (Lesart 3)
Beispiele:
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks sah er [der Politologe Fukuyama] das »Ende der Geschichte« heraufdämmern. [Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2015]
Die sehen schon ihren Traum von einer post-faktischen Welt heraufdämmern, eine Zukunft endlos widerstreitender, nie mehr nachprüfbarer Behauptungen und unauflösbarer Widersprüche[…]. [Süddeutsche Zeitung, 09.11.2016]
Meine Kommilitonen, die ganze süddeutsche Universitätsstadt, in der wir studierten, alle lebten mit der diffusen Angst der alten Bundesrepublik: Krieg war nur als Apokalypse denkbar, in den brennenden Ölfeldern sah man die längst erwartete ökologische Katastrophe heraufdämmern. [Berliner Zeitung, 16.04.2003]
Gobineau gehörte noch zu den Ideologen der alten absolutistischen Elitetheorien, die im drohenden gesellschaftlichen Niedergang des Adels den Untergang der Menschheit heraufdämmern sahen. [Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 290]
im Bild Mit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts dämmerte in vielen Bereichen des Lebens der Morgen einer neuen Zeit herauf, begannen die herrschenden mittelalterlichen Denkbilder zu verblassen und andersartigen Vorstellungen Platz zu machen. [Merzbacher, Friedrich: Europa im 15. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 9157]

Thesaurus

Synonymgruppe
(auf jemanden) zukommen · ↗(sich) abzeichnen · ↗(sich) anbahnen · ↗(sich) andeuten · ↗(sich) ankündigen · abzusehen sein · aussehen nach · ↗drohen · erwarten lassen · ↗herannahen · ↗heranrücken · ↗heranziehen · ↗heraufziehen · im Anzug sein · im Verzug sein · in der Luft liegen · ins Haus stehen · knistern im Gebälk (es) · ↗nahen · näher rücken · seine Schatten vorauswerfen · zu erwarten stehen  ●  im Anmarsch sein  fig. · (die) Zeichen stehen auf (...)  geh., variabel · (etwas) ist im Busch  ugs., fig. · heraufdämmern  geh.
Assoziationen
  • (bedrohlich) nahen · ↗(jemandem) blühen · ↗(sich) zusammenbrauen · ↗drohen · ↗lauern · nichts Gutes erwarten lassen · nichts Gutes verheißen · zu befürchten sein  ●  (da) kommt (noch) was auf uns zu  ugs. · (die) Einschläge kommen näher  ugs., fig., Spruch · ↗dräuen (lit., poet.)  geh. · zu befürchten stehen  geh.
  • heraufziehend · im Anmarsch · im Kommen · kommend · zu erwartend  ●  ↗ante portas  geh., scherzhaft, lat.
  • (etwas) vor sich haben · (jemandem) ins Haus stehen · (sich) zubewegen (auf) · vor jemandem liegen
  • (und) das war erst der Anfang! · das war noch längst nicht alles  ●  da kommt (noch) was auf dich zu (warnend)  ugs., Spruch · da kommt noch was auf uns zu (warnend)  ugs., Spruch
  • (düster) dräuend (pseudoliterarisch) · ↗bedrohlich · beklemmend · ↗beunruhigend · drohend · ↗düster · ↗finster · nichts Gutes ahnen lassen(d) · ↗unheildrohend · ↗unheilschwanger · ↗unheilvoll · ↗unheimlich  ●  creepy  engl.
  • bald ist (...) · nicht mehr lange auf sich warten lassen · nur noch kurze Zeit, dann · unmittelbar bevorstehen  ●  vor der Tür(e) stehen  fig.
  • (sich) nähern · ↗heranrücken · ↗heraufziehen · ↗näherkommen · ↗näherrücken  ●  ↗herannahen  geh. · ↗nahen  geh., literarisch
  • Das musste ja so kommen.  ●  Als wenn ich es geahnt hätte (...)  ugs. · Also doch!  ugs. · Das war ja (von vornherein) klar (...)  ugs. · Hab ich's nicht gleich gesagt?  ugs. · Ich hab's gewusst.  ugs. · Ich wusste es.  ugs. · Ich wusste, dass es so kommen würde.  ugs. · Wusst(e) ich's doch!  ugs. · das hab(e) ich (ja) kommen sehen  ugs. · ich hab(e) es ja gleich gesagt  ugs. · kein Wunder (dass ...)  ugs.
  • (auf jemanden) zukommen · ↗(das) Schicksal hält (...) (für jemanden) bereit · ↗(jemandem) bevorstehen · ↗(jemandem) drohen · ↗(jemanden) erwarten · zu erwarten haben  ●  ↗(jemandem) blühen  ugs.
  • Ruhe vor dem Sturm · trügerische Ruhe
  • abzusehen sein · kommen wie es kommen muss · nicht anders sein können (es) · vorherzusehen sein · wie konnte es anders sein  ●  (einfach / ja) so kommen müssen  ugs.
  • angegangen werden müssen · ↗anliegen · ↗anstehen  ●  zu tun sein  ugs.
  • (sich) zusammenbrauen  fig. · ↗(weiter) schwelen  fig. · ↗brodeln  fig. · ↗gären  fig. · ↗schwären  fig.
  • an den Tag kommen · ↗erscheinen · sichtbar werden · zu Tage treten · zum Vorschein kommen · zutage treten  ●  ans Licht kommen  fig. · ans Tageslicht kommen  fig. · ↗emergieren  geh.
  • (etwas) ist im Busch  fig. · (etwas) liegt in der Luft  fig. · etwas kommt auf jemanden zu  fig.
  • es kriselt (bei) · schwere Zeiten vor sich haben · schweren Zeiten entgegensehen
  • (es) wird eng (für) · (jemandem) steht eine Menge Ärger bevor · (jemandem) steht Ärger ins Haus  ●  (die) Zeichen stehen auf Sturm  Redensart, fig. · (es) raucht im Karton  ugs., fig., Spruch · (etwas) sieht nach einer Menge Ärger aus  ugs. · Panhas am Schwenkmast  ugs., ruhrdt., Spruch
  • im Schwange sein · in der Luft liegen · unmittelbar bevorstehen
  • es kommen schwierige Zeiten (für)  ●  (sich) warm anziehen (können / müssen / sollen)  fig. · es knistert im Gebälk (des / der)  fig. · (sich) auf etwas gefasst machen (können / müssen / sollen)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Horizont Morgen Zeitalter dämmern langsam

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›heraufdämmern‹.

Zitationshilfe
„heraufdämmern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/heraufdämmern>, abgerufen am 18.10.2019.

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