hemmen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunghem-men
Wortbildung mit ›hemmen‹ als Erstglied: ↗Hemmer · ↗Hemmschuh · ↗Hemmstoff · ↗Hemmung
 ·  mit ›hemmen‹ als Grundform: ↗Hemmnis · ↗enthemmen · ↗gehemmt · ↗hemmend
eWDG, 1969

Bedeutung

etw. in seinem Fortgang verlangsamen (und zum Stillstand bringen), auf jmdn. hindernd einwirken
a)
die Bewegung von etw. verlangsamen (und zum Stillstand bringen)
Beispiele:
er hemmt seinen Lauf, Schritt
ein großer Stein hemmte endlich den immer schneller rollenden Wagen
den Lauf des Flusses durch ein Wehr hemmen
der Antrieb der Maschine wird gehemmt
Wohl war die Fahrbahn ein wenig besser, aber das Wasser hemmte uns viel zu sehr [Hausm.Abschied176]
bildlich einem Geschehen erfolgreich Widerstand entgegensetzen
Beispiele:
den feindlichen Angriff hemmen
nichts kann den Lauf des Schicksals hemmen
Der Schweden Siegeslauf [ward] gehemmt [SchillerPiccolominiII 7]
b)
ein Vorhaben, einen Vorgang durch Schwierigkeiten verzögern, etw., jmdn. behindern, beeinträchtigen
Beispiele:
die Entwicklung, den Fortschritt hemmen
er hemmte die Verhandlungen
Organisationsfehler hemmen die Produktion
durch die mangelhafte Düngung wird die Pflanze im Wachstum gehemmt
er war in seiner Entwicklung, fühlte sich in seiner Tätigkeit gehemmt
jmdn. bei der Arbeit hemmen
durch nichts hatte er sich hemmen lassen
Alsdann wird der reine Schöpfer- und Dichtergeist ... durch keine Schranke mehr gehemmt [G. KellerGr. Heinrich4,602]
als die Abenddämmerung allzufrüh hereinbrach und des Künstlers Werk hemmte [KlabundBracke93]
oft im Part. Präs.
Beispiele:
auf jmdn., etw. hemmend einwirken
der nötige finanzielle Aufwand ist ein hemmender Faktor
er war von jedem hemmenden Einfluss befreit
unbekümmert darum, ob dies eine fördernde oder hemmende Wirkung nach sich zieht [Th. MannTristan9,166]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hemmen · Hemmung · hemmungslos · Hemmschuh · Hemmnis
hemmen Vb. ‘in der Bewegung, im Ablauf verlangsamen, bremsen (und zum Stillstand bringen), behindern, beeinträchtigen’, mhd. hamen, (md.) hemmen ‘aufhalten, hindern’ (vgl. noch obd. hemmen ‘Pferden, Ziegen, Rindern auf der Weide die Vorderfüße so fesseln, daß sie nur kleine Sprünge machen und nicht fortlaufen können’), aengl. hemman ‘hemmen, verstopfen, schließen’, anord. hemja, schwed. hämma ‘hemmen, zügeln, zwingen’ und die Substantive mnd. mnl. ham, hamme ‘abgeteiltes, umgrenztes Stück Weide-, Wiesenland’, aengl. hamm ‘eingehegtes Stück Land’, engl. (mundartlich) ham, nd. Hamme ‘umzäuntes Feld’, aengl. hem ‘Rand, Saum, Grenze’, engl. hem ‘Saum, Einfassung, Rand’ (vgl. engl. to hem in ‘einschließen, umgeben’), isl. hemill ‘Beinfessel’ führen mit den außergerm. Verwandten lit. kamúoti ‘quälen, peinigen, aufbringen’, kãmanos ‘Zaumzeug mit Gebiß’, russ. kom (ком) ‘Klumpen’, komít’ (комить) ‘zusammenballen’, lit. kim̃šti ‘verstopfen, hineinpfropfen’, aslaw. čęstъ ‘dicht, beharrlich’, russ. částyj (частый) ‘dicht, oft, häufig’, vielleicht auch griech. (obwohl im Vokalismus abweichend) kṓmys (κώμυς) ‘Bündel’, kēmós (κημός) ‘Maulkorb’ auf eine Wurzel ie. *kem- ‘zusammendrücken (von Flechtwerk?), -pressen, hindern’. Hemmung f. ‘Verlangsamung einer Bewegung, eines Vorgangs, Schwierigkeit, Hindernis, Störung oder Unterbrechung körperlicher und seelischer Funktionen’ (17. Jh.); hemmungslos Adj. (20. Jh.). Hemmschuh m. ‘schuhförmige Vorrichtung zum Abbremsen von Wagenrädern’ (16. Jh.), übertragen ‘Hemmnis’ (18. Jh.). Hemmnis n. ‘was hemmend wirkt, Hindernis, Erschwernis’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Hemmnis bilden · ↗(jemandem) entgegentreten · ↗abblocken · ↗abhalten · ↗abwehren · ↗behindern · ↗blockieren · hemmen · ↗hindern · nicht mitspielen · ↗obstruieren · ↗sperren · ↗stoppen (Pläne, Verfahren, Vorgang) · ↗verhindern · ↗versperren  ●  (den) Weg versperren  fig. · (sich jemandem) in den Weg stellen  fig. · ↗(sich) querstellen  ugs. · Knüppel zwischen die Beine werfen  ugs., fig. · Steine in den Weg legen  ugs., fig. · ↗blocken  ugs. · ↗mauern  ugs. · reingrätschen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
behindern · hemmen · ↗hindern · ↗stören
Synonymgruppe
bremsen · hemmen · ↗verzögern  ●  ↗verlangsamen  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausbreitung Bakterie Beweglichkeit Blutgefäß Blutgerinnung Botenstoff Bürokratie Eiweiß Entfaltung Entzündung Enzym Freisetzung Hormon Investitionsbereitschaft Investitionstätigkeit Kreativität Krebszelle Leistungswillen Lesefluß Neubildung Protein Spielfluss Substanz Tumorzelle Verjährung Vermehrung Wachstum Wirkstoff Zellteilung Zellwachstum

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hemmen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Öffentlichkeit hemmt die öffentlichen Einrichtungen bis zu einem gewissen Grade an unrechtmäßigem Handeln.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 394
Zahllose kleine, aber furchtbare Unterbrechungen hemmten für kurze Zeiten den Marsch.
Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 128
Wohl vermag selbst unedle Kunst niemals derart elementar alle höheren Seelenkräfte zu hemmen wie der Alkohol.
Buchinger, Otto: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg, Stuttgart: Hippokrates-Verl. 1982 [1935], S. 165
Wird der Ruck nach links, den die nächsten Reichstagswahlen bringen werden, die Reformbewegung mittelbar fördern oder hemmen?
Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik, 1911, Bd. 43
Eine Anzahl Kinder ist infolge krankhafter Störung des Knochenwachstumes nicht normal entwickelt und dadurch in der freieren Beweglichkeit gehemmt.
Schmid-Monnard, Carl u. Schmidt, Rudolf: Schulgesundheitspflege, Leipzig: Voigtländer 1902, S. 164
Zitationshilfe
„hemmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/hemmen>, abgerufen am 27.06.2019.

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