höllisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunghöl-lisch
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Religion in der Hölle
Beispiel:
der Sünder muss im höllischen Feuer brennen
teuflisch
Beispiele:
höllische Zauberei, Künste betreiben
Es fehlte nicht viel, er wäre aufgesprungen und wie von höllischen Geistern gepeitscht davongerannt [G. Hauptm.Quint1,22]
Faust unterzeichnete mit seinem Blute den höllischen Vertrag [StormPole Poppensp.4,52]
2.
schrecklich, grausam
a)
(sinnlich) qualvoll
Beispiele:
höllische Qualen, Schmerzen erdulden
umgangssprachlich das tut höllisch weh
Denn damit lieferte ich mich der höllischen Marter der letzten Phase des Wartens aus: der wahnwitzigen Rastlosigkeit, dem unbarmherzigen und ratlosen Gejagtsein, dem hitzigen Fieber [RinserMitte82]
b)
(moralisch) verwerflich
Beispiel:
die H-Bombe ist eine höllische Erfindung
3.
umgangssprachlich, abwertend äußerst unangenehm
Beispiel:
das ist eine höllische Situation, Atmosphäre, Stimmung
4.
übertrieben
sehr groß, stark
Beispiele:
das Kind hatte eine höllische Angst vor dem Gewitter
mit der Drohung jagte er der Frau einen höllischen Schrecken ein
es bereitete ihm ein höllisches Vergnügen, Tiere zu quälen
vor jmdm. höllischen Respekt haben
in der Wohnung herrschte ein höllisches Durcheinander
In einer geradezu höllischen Verärgerung kamen wir in Amalfi an [G. Hauptm.3,479]
adverbiell
sehr
Beispiele:
höllisch achtgeben
sich höllisch anstrengen, zusammennehmen
das ist ein höllisch gescheiter Junge
umgangssprachlich höllisch auf dem Posten sein
umgangssprachlich höllisch fluchen, schimpfen
Und er paßte höllisch genau auf, um den Gedankengängen seiner Erzieherin zu folgen [ZuchardtSpießrutenlauf99]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hölle · höllisch · Höllenmaschine · Höllenstein · Spielhölle
Hölle f. nach christlicher Auffassung ‘Stätte der Verdammnis, Ort für die nach dem Tod verdammten Seelen’, übertragen ‘Ort großer Qualen’. Ahd. hella (9. Jh.), mhd. mnd. helle, nhd. Hölle (allgemein seit 17. Jh.), asächs. hellia, mnl. helle, hille, nl. hel, aengl. hel(l), engl. hell, anord. hel, got. halja, germ. *haljō gehört als ‘das Verbergende oder Verborgene’ zu der unter ↗hehlen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *k̑el- ‘bergen, verhüllen’ und bezeichnet ursprünglich den ‘unterirdischen Aufenthaltsort der Toten’ (vgl. den Namen der Todesgöttin anord. Hel), in christlicher Vorstellung den ‘Aufenthaltsort der Verdammten’. Szadrowsky in: PBB 72 (1950) 221 ff. verbindet dagegen die germ. Formen für ‘Hölle’ mit anord. hella ‘flacher Stein’, aengl. heall ‘Felsen’, got. hallus ‘Fels’ (mit nicht gesicherter Etymologie), nimmt eine Bedeutungsentwicklung von ‘Felsplatte’ zu ‘Gruftplatte, Grabplatte’, dann zu ‘Grab’ und ‘Totenreich’ an und hält den Anschluß (über ‘deckende, verbergende Steinplatte’) an die Wortgruppe von hehlen für sekundär. höllisch Adj. ‘zur Hölle gehörig, die Hölle betreffend, schrecklich, grausam’, mhd. hellisch, hel(le)sch. Als Verstärkung, Übertreibung im Sinne von ‘sehr groß, sehr stark’, adverbial ‘sehr’ begegnet höllisch seit dem 17. Jh. Mit dieser Verwendung decken sich zahlreiche substantivische Zusammensetzungen mit Höllen- wie Höllenangst, zufrühst ‘Angst vor der Hölle’ (16. Jh.), Höllenhitze, zuerst ‘Hitze, Feuer in der Hölle’ (17. Jh.), Höllenlärm (19. Jh.), Höllentempo (20. Jh.). Höllenmaschine f. ‘getarnte Sprengladung mit Zeitzünder’ (1. Drittel 19. Jh.), nach frz. machine infernale. Höllenstein m. aus Silbernitrat bestehendes, in der Heilkunde verwendetes Ätzmittel (Mitte 18. Jh.), zuvor höllischer Stein (1712); vgl. nlat. lapis infernalis, frz. pierre infernale. Spielhölle f. abschätzige Bezeichnung eines Spielkasinos (um 1830).

Thesaurus

Synonymgruppe
höllisch · ↗infernalisch
Synonymgruppe
atemberaubend · höllisch · ↗irre · ↗irrsinnig · nimmt einem den Atem · ↗rasant · ↗rasend · ↗wahnsinnig  ●  benimmt einem den Atem  veraltet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgrund Albtraum Dreifaltigkeit Dreiheit Durst Dämon Feuer Gelächter Gestank Heerschar Hitze Inferno Kopfschmerz Krach Lärm Paradies Qual Schmerz Schwefel Spaß Tempo Trinität Vergnügen Zahnschmerz aufpassen himmlisch schmerzen stinken wahrhaft wehtun

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›höllisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jeder Ball, den ich auf diese Stelle bekam, tat höllisch weh.
Bild, 11.08.2005
Dabei muss er höllisch aufpassen, um nicht bei einer unbequemen Frage sofort niedergestreckt zu werden.
C't, 2000, Nr. 19
Ich habe gewiß Unrecht getan, aber nach acht Jahren so höllischen Lebens mußte ich in die Arme eines so guten und offenherzigen Mannes fallen.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung des Grafen Komarowski vor dem Schwurgericht zu Venedig. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 843
Und das Grinsen nahm mehr und mehr einen höllischen Ausdruck an.
Spitteler, Carl: Imago, Jena: Diederichs 1910 [1910], S. 114
Als Anton L. auf die Straße trat, empfing ihn ein höllischer Lärm.
Rosendorfer, Herbert: Großes Solo für Anton, Zürich: Diogenes 2000 [1976], S. 18
Zitationshilfe
„höllisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/höllisch>, abgerufen am 24.06.2019.

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