hängen

GrammatikVerb · hing, hat gehangen
Aussprache
Worttrennunghän-gen
Wortbildung mit ›hängen‹ als Erstglied: ↗Hängebacke · ↗Hängebahn · ↗Hängebauch · ↗Hängeboden · ↗Hängebrücke · ↗Hängebusen · ↗Hängedach · ↗Hängekleid · ↗Hängelampe · ↗Hängematte · ↗Hängemöbel · ↗Hängeohr · ↗Hängepartie · ↗Hängepflanze · ↗Hängeschrank · ↗hängenbleiben · ↗hängenlassen
 ·  mit ›hängen‹ als Letztglied: ↗abhangen · ↗abhängen1 · ↗anhangen · ↗anhängen1 · ↗aushangen · ↗aushängen1 · ↗drinhängen · ↗durchhängen · ↗festhängen · ↗herabhängen · ↗heraushangen · ↗heraushängen1 · ↗hereinhängen · ↗herumhängen · ↗herunterhängen1 · ↗hinabhängen · ↗hinaushängen1 · ↗hineinhangen · ↗hineinhängen1 · ↗hinunterhängen1 · ↗nachhängen · ↗niederhängen · ↗rumhängen · ↗zusammenhängen · ↗überhängen
 ·  formal verwandt mit: ↗Gehänge · ↗mitgehangen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
an einer bestimmten Stelle oben befestigt und nach unten schwebend sein
Beispiele:
senkrecht, schräg, schief, fest, straff, locker, lose hängen
das Bild hängt gerade
das Laub hängt welk
die Flügel des Vogels hängen
die Netze hingen zum Trocknen
der Baum hängt voller Früchte (= ist mit Früchten beladen)
hängende Schultern
historisch hängende Gärten (= terrassenförmig angelegte Gärten in der Königsburg zu Babylon)
eine hängende Wand erklettern
mit hängenden Armen, Mundwinkeln
die Lampe hängt an der Decke
die Blätter hängen an den Zweigen
der Schmetterling hängt an der Blüte
der Verbrecher hängt am Galgen
das Kind hing am Rock der Mutter (= klammerte sich an ihrem Rock fest)
der Bergsteiger hat lange an der Felsnase gehangen
sie hing am Halse ihres Mannes (= umarmte ihn)
die Kletten hängen am Kleid (= haften an ihm fest)
der Schmutz hängt an den Schuhsohlen (= klebt an ihnen fest)
die Wäsche hängt auf der Leine
dem Hund hing die Zunge aus dem Halse
die Kleider hängen im Schrank
die Tür hängt schief in den Angeln
im Sattel hängen
bei der harten Landung hingen die Passagiere vornüber in den Gurten
der angeschlagene Boxer hing hilflos in den Seilen
der aufgerufene Schüler hängt halb in der Bank (= steht nicht gerade)
der Vogel hing im Gitter seines Käfigs (= war darin festgeklemmt)
eine Locke hängt ihr in die Stirn
die Wand hängt nach der Seite (= ist nach der Seite geneigt)
umgangssprachlich das Flugzeug hängt nach links (= ist nach links geneigt)
der Kronleuchter hängt über dem Tisch
der Abgestürzte hing halb über dem Abgrund
sein Bart hing ihm über die Lippen
die schadhafte Tapete hängt von der Wand
die Fahne hing unter dem Fenster
Haar, das ihm ... lang in den Nacken hing [ZahnFrau Sixta9]
bildlich
Beispiele:
der Nebel, der Mond hängt tief
umgangssprachlich, scherzhaft der Familiensegen, Haussegen hängt schief (= die Eintracht in der Familie ist gestört)
umgangssprachlich ihm hängt der Himmel voller Geigen (= er ist glücklich, voll freudiger Zuversicht)
das Kirchlein hängt am Berg
seine Augen hingen gebannt an ihrem Mund, an ihren Lippen (= er folgte gespannt ihren Worten)
ihr Blick hängt an seinem Gesicht (= sie sieht ihn unverwandt an)
an Mutters Rockschößen hängen (= nicht von Mutters Seite weichen, unselbständig sein)
umgangssprachlich der Anzug hängt mir am Leibe (= ist mir viel zu weit)
umgangssprachlich sie hingen neugierig am Fenster (= sie hatten sich neugierig am Fenster zusammengedrängt)
umgangssprachlich sie hängen dauernd an der Strippe (= telefonieren dauernd)
umgangssprachlich auf einmal hing der Autofahrer an der Mauer (= war er gegen die Mauer gefahren)
umgangssprachlich die Gaffer hingen weit aus den Fenstern (= beugten sich weit hinaus)
dichter Zigarrenrauch hing in der Gaststube
die Dämmerung hängt in den Gassen
eine fiebernde Erwartung, Spannung hing im Saal
das Heulen der Sirenen hängt noch in der Luft
der linke Flügel des Regiments hing völlig in der Luft (= war völlig ungeschützt)
umgangssprachlich er hängt nur noch in seinen Kleidern (= die Kleider sind ihm zu weit geworden)
umgangssprachlich der Magen hängt mir bis in die Kniekehlen (= ich habe großen Hunger)
dunkle Wolken hängen über dem Gipfel
schwarzer Qualm hängt über der Brandstätte
umgangssprachlich wir hingen über dem Brückengeländer (= beugten uns darüber)
ein Damoklesschwert hängt über meinem Haupte (= mir droht ständig Unheil)
das nächtliche Dunkel hing zwischen den Bäumen
umgangssprachlich Als Brauer zurückkam, hing Schüpp noch immer am Lautsprecher (= saß er immer noch unverwandt am Lautsprecher) [ApitzNackt168]
Im einsamen Luftraum / Hängt (= schwebt) nur der Adler [SchillerSpaziergang]
2.
an jmdm. hängenjmdm. ergeben, treu, zugetan sein
Beispiele:
die Mutter hängt sehr an ihrer Tochter
die Kinder haben immer mit Liebe an ihren Eltern gehangen
sein Herz hängt mit allen Fasern an ihr
an etw. hängenan etw. festhalten, von etw. nicht lassen
Beispiele:
am Geld, Beruf, Glauben, Herkommen, Leben hängen
er hängt an den Büchern, an seiner Heimat
Nach Golde drängt, / Am Golde hängt / Doch alles [GoetheFaustI 2803]
3.
etw. hängt an etw.etw. ist durch etw. bedingt
Beispiele:
die Ausübung seines Gewerbes hängt noch an der behördlichen Genehmigung
es hing an dem schnellen Arbeitstempo, dass der Bau rechtzeitig fertig wurde
umgangssprachlich alles, was drum und dran hängt (= was damit zusammenhängt, was dazugehört)
bildlich
Beispiele:
sein Leben hängt an einem Haar (= ist von der kleinsten Kleinigkeit abhängig)
der Frieden hing an einem seidenen Faden
4.
salopp bei jmdm. hängenbei jmdm. nicht gut angesehen, in Misskredit sein
Beispiele:
er hing bei seinen Lehrern, Vorgesetzten, bei ihr (= war schlecht angeschrieben)
der Mieter hängt beim Hauswirt (= hat Mietschulden)
5.
salopp verweilen, bleiben
Beispiele:
sie hingen lange bei ihren Freunden
salopp, scherzhaft da hängt er (= das ist er)
Er hatte immer im Wirtshaus gehangen [SeghersAusflug147]
6.
einem Hemmnis unterliegen, nicht vorankommen
Beispiele:
umgangssprachlich die Bauarbeiten hängen
umgangssprachlich der Prozess, eine Partie Schach hängt
umgangssprachlich die Schraube hängt (= die Schraube läßt sich nicht drehen)
salopp der Schüler hing in Mathematik (= der Schüler kam in Mathematik nicht voran)
salopp woran hängt's denn? (= woran fehlt es denn?)
salopp er kam mit Hängen und Würgen durch die Prüfung (= er kam mit großer Mühe durch die Prüfung)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hängen · Hang · hangeln · Hangendes · Gehänge · Abhang · abhängig · Anhang · Anhänger · anhängig · anhänglich · Anhänglichkeit · Anhängsel · Aushang · Aushängeschild · Überhang · Umhang · Vorhang
hängen Vb. ‘am oberen Ende schwebend befestigen’ (transitiv) bzw. ‘oben befestigt sein’ (intransitiv). Das starke, ehemals reduplizierende Verb ahd. hāhan (transitiv) ‘(auf)hängen, kreuzigen’ (um 800; vgl. zuohāhan ‘aufhängen’, 8. Jh.), mhd. hāhen (transitiv und intransitiv) ‘hängen’, (md.) hangen (14. Jh.), asächs. hāhan (transitiv), mnd. hangen (transitiv und intransitiv), mnl. hanghen, nl. hangen (transitiv und intransitiv), aengl. hōn (transitiv und intransitiv), anord. hanga (transitiv und intransitiv), got. hāhan (transitiv) setzt germ. *hanhan voraus, das in den Einzelsprachen teilweise Nasalschwund mit Ersatzdehnung aufweist; im Dt. und Nl. später auftretendes ng wird aus den Präteritalformen übernommen. Außergerm. vergleichbar sind hethit. gank- ‘hängen, wiegen’ und wohl auch aind. śáṅkatē ‘zweifelt, befürchtet, ist mißtrauisch, sorgt sich’, lat. cūnctārī ‘zögern, zaudern’, so daß von einer Wurzel ie. *k̑enk-, *k̑onk- ‘schwanken, hängen, geistig in der Schwebe sein’ ausgegangen werden kann. Neben dem starken Verb steht ein intransitives schwaches ēn-Verb ahd. hangēn ‘hängen, abhängig sein’ (8. Jh.), anord. hanga, got. hāhan (Prät. hāhaida), ein intransitives schwaches ōn-Verb asächs. hangon, aengl. hangian und ein transitives schwaches jan-Verb ahd. hengen ‘erlauben, gehorchen, denken’ (9. Jh.; vgl. gihengen ‘zustimmen, erlauben, zulassen’, 8. Jh.), mhd. (md.) hengen ‘(die Zügel) hängen lassen, nachjagen, geschehen lassen, gestatten’, auch md. obd. ‘aufhängen’ (obd. nhd. ↗henken, s. d.), mnl. henghen ‘zugestehen’, nl. gehengen ‘erlauben’, anord. hengja ‘hängen’. Im Mhd. mischen sich starke und schwache Präteritalformen, indem transitives hienc (zu hāhen) auch die intransitive Bedeutung von hangete (zu hangēn) übernimmt; vgl. mhd. (transitiv) sie hienc daʒ houbit neben (intransitiv) nū hienc ein tavele vor dem tor. Ferner wird (vom 12. Jh. an) intransitives hangen (aus ahd. hangēn) auch transitiv wie hengen verwendet. Von hāhen bleiben im Nhd. lediglich die Präteritalformen erhalten. Die aus alledem resultierende Gebrauchsunsicherheit wird erst im 19. Jh. dahingehend geregelt, daß der intransitive Gebrauch einem starken (hängen, hing, gehangen), der transitive einem schwachen Verb (hängen, hängte, gehängt) zugewiesen wird. Vgl. Rissleben D. Gesch. d. Verbgruppe „hāhan – hangēn – hengen – henken“, Phil. Diss. Greifswald (1931). Hang m. ‘Neigung, Geneigtsein, hängende Stellung (des Turners), abschüssige Stelle’ (15. Jh.). hangeln Vb. ‘sich hängend fortbewegen’ (Anfang 19. Jh.). Hangendes n. ‘Gesteinsschichten über der Lagerstätte’, mhd. hangendeʒ (bergmannssprachlich). Gehänge n. ‘das Herabhängende, Bergabhang’, mhd. gehenge ‘Vorrichtung zum Anhängen, Türangel’. Abhang m. ‘Berghang, das Herabhängende’, mhd. (westmd.) abehang (14. Jh.); abhängig Adj. ‘schräg abfallend’ (15. Jh.), ‘nicht selbständig, angewiesen auf’ (Anfang 18. Jh.). Anhang m. ‘Angehängtes, Beigefügtes, Begleitung’, mhd. anehanc; Anhänger m. ‘wer einer Person oder Sache anhängt, was angehängt wird’ (15. Jh.); anhängig Adj. ‘zugehörig, schwebend’; rechtssprachlich insbesondere einen Prozeß anhängig machen ‘ein Gerichtsverfahren einleiten’ (15. Jh.); anhänglich Adj. ‘zugetan, verbunden’, geläufig seit dem 18. Jh., frühnhd. im Sinne von ‘anhängend, hingezogen’ (15./16. Jh.); Anhänglichkeit f. ‘Verbundenheit, Treue’ (14. Jh.); Anhängsel n. ‘anhängender (Schmuck)gegenstand, nebensächlicher Anhang, Begleiter’ (17. Jh.). Aushang m. ‘öffentliche Bekanntmachung’ (17. Jh.); vereinzelt auch für Aushängebogen ‘zur letzten Kontrolle bestimmter Abzug eines fertigen Druckbogens’ (18. Jh.). Aushängeschild n. ‘Reklameschild, Werbemittel’, ursprünglich ein Schild, das auf einen bestimmten Beruf, auf ein Gewerbe hinweist (18. Jh.). Überhang m. ‘Umhang, was überhängt’, mhd. überhanc. Umhang m. ‘umgehängtes Kleidungsstück’, ahd. umbihang (um 900), mhd. umbehanc ‘Vorhang, aufgehängter Teppich’. Vorhang m. ‘was vor etw. gehängt wird’, mhd. vor-, vürhanc (dazu s. ↗Gardine).

Thesaurus

Synonymgruppe
herunterhängen · hängen  ●  ↗baumeln  ugs.
Synonymgruppe
am Galgen sterben lassen · ↗aufhängen · ↗erhängen · hängen  ●  ↗henken  veraltet · ↗aufknüpfen  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bild Decke Faden Fahne Fenster Foto Glocke Hals Herz Luft Nagel Plakat Schild Tropf Wand ab abhängen anhängen aufhängen aushängen da davon dranhängen festhängen herabhängen herumhängen nachhängen umhängen zusammen zusammenhängen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hängen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man muss solche Erfahrungen aber auch reflektieren, sonst bleibt man hängen.
Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11
Ob die deutsche S. in der gegebenen Situation als solches Mittel dienen kann, hängt nicht allein von ihr ab.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - S. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 20935
Da hängen sie, angeekelt von Theorie, in allen Theorien herum, die sie in ihrem Ekel vor Theorie bestärken könnten.
konkret, 1980
Deswegen hängt er und ärgert sich alsbald über jede Frau.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 97
Es hängt an einem Haar, daß Blum wirklich verurteilt wird.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1948. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1948], S. 989
Zitationshilfe
„hängen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/hängen#1>, abgerufen am 23.05.2019.

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hängen

GrammatikVerb · hängte, hat gehängt
Nebenform landschaftlich hängen · Verb · hing, hat gehangen
Aussprache
Worttrennunghän-gen
Wortbildung mit ›hängen‹ als Erstglied: ↗Hängung  ·  mit ›hängen‹ als Letztglied: ↗abhängen2 · ↗anhängen2 · ↗aufhängen · ↗aushängen2 · ↗behängen · ↗dranhängen · ↗einhängen · ↗erhängen · ↗heraushängen2 · ↗herunterhängen2 · ↗hinaushängen2 · ↗hineinhängen2 · ↗hinhängen · ↗hinunterhängen2 · ↗reinhängen · ↗umhängen · ↗vorhängen · ↗weghängen · ↗zuhängen · ↗überhängen
 ·  mit ›hängen‹ als Grundform: ↗verhängen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. an einer bestimmten Stelle oben befestigen und nach unten schweben lassen
Beispiele:
ein Bild an die Wand hängen
er hat seinen Hut an den Kleiderhaken gehängt
der Junge hängte sich an den Wagen
das kleine Mädchen hat sich an Mutters Schürze gehängt
die Wäsche auf die Leine hängen
das Kleid auf den Bügel hängen
den Schinken, die frischen Würste in die Räucherkammer hängen
sie hängte sich in seinen Arm
der Soldat hängt sich [Dativ] das Gewehr über die Schulter
sie hängte sich [Dativ] das Geschmeide um den Hals
der Raubmörder wurde gehängt (= am Galgen hingerichtet)
man ließ ihn hängen
Fred hing den Schlüssel an einen großen Nagel [BöllWort190]
die Ratte ... hing sich an ihr langes Schürzenband [FalladaMurkelei172]
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlich den Kopf, die Nase hängen lassen (= bedrückt sein)
salopp jmdm. den Brotkorb höher hängen (= jmdn. knapp halten)
salopp ich will mich hängen lassen, wenn ich nicht die Wahrheit gesagt habe (= ich habe ganz bestimmt die Wahrheit gesagt)
umgangssprachlich seinen Beruf, sein Studium an den Nagel hängen (= aufgeben)
salopp man hat ihm einen Prozess an den Hals gehängt (= hat ihm einen Prozeß aufgebürdet)
salopp sie hängt sich [Dativ] alles auf den Leib (= sie gibt alles für Putz aus)
umgangssprachlich den Mantel nach dem Wind hängen (= sich aus Eigennutz immer nach der jeweils herrschenden Meinung, Lage richten)
sprichwörtlich die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen (= kleine Leute werden zur Verantwortung gezogen, hochstehende Persönlichkeiten lässt man ungeschoren)
umgangssprachlich, abwertend etw. an die große Glocke hängenetw. (Geheimes) in aller Welt verkünden
Beispiel:
sie hängen ihre Verdienste, ihre persönlichen Angelegenheiten stets an die große Glocke
2.
sich an etw., jmdn. hängensich an etw., jmdn. heften
Beispiele:
die Dornen hängten sich an die Kleider
die Schneeflocken hängen sich in seinen Bart
der Schmutz hängt sich an die Schuhsohlen (= bleibt daran kleben)
umgangssprachlich seine Augen hängten sich an ihren Mund
umgangssprachlich wir hängen uns ans Telefon (= wir rufen an)
umgangssprachlich der Rennfahrer hängt sich an das Hinterrad seines Vordermannes (= der Rennfahrer folgt dem Vordermann dichtauf)
umgangssprachlich er hängte sich wie eine Klette, auf Schritt und Tritt an das Mädchen (= er drängte sich dem Mädchen auf)
umgangssprachlich sie hängten sich (= beugten sich) über die Brüstung
umgangssprachlich Wilhelm, der sich dem Schiffsjungen Pander an die Ferse hängte (= der ihm überallhin folgte) [G. Hauptm.2,134]
3.
umgangssprachlich etw. an etw., jmdn. hängenetw. an etw., jmdn. verschwenden, vergeuden
Beispiele:
Geld, Zeit an ein Hobby hängen
seine Liebe, Leidenschaft an jmdn. hängen
er hat sein halbes Leben an eine Illusion gehängt
Nicht an die Güter hänge dein Herz, / Die das Leben vergänglich zieren [SchillerBraut v. MessinaIV 4]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hängen · Hang · hangeln · Hangendes · Gehänge · Abhang · abhängig · Anhang · Anhänger · anhängig · anhänglich · Anhänglichkeit · Anhängsel · Aushang · Aushängeschild · Überhang · Umhang · Vorhang
hängen Vb. ‘am oberen Ende schwebend befestigen’ (transitiv) bzw. ‘oben befestigt sein’ (intransitiv). Das starke, ehemals reduplizierende Verb ahd. hāhan (transitiv) ‘(auf)hängen, kreuzigen’ (um 800; vgl. zuohāhan ‘aufhängen’, 8. Jh.), mhd. hāhen (transitiv und intransitiv) ‘hängen’, (md.) hangen (14. Jh.), asächs. hāhan (transitiv), mnd. hangen (transitiv und intransitiv), mnl. hanghen, nl. hangen (transitiv und intransitiv), aengl. hōn (transitiv und intransitiv), anord. hanga (transitiv und intransitiv), got. hāhan (transitiv) setzt germ. *hanhan voraus, das in den Einzelsprachen teilweise Nasalschwund mit Ersatzdehnung aufweist; im Dt. und Nl. später auftretendes ng wird aus den Präteritalformen übernommen. Außergerm. vergleichbar sind hethit. gank- ‘hängen, wiegen’ und wohl auch aind. śáṅkatē ‘zweifelt, befürchtet, ist mißtrauisch, sorgt sich’, lat. cūnctārī ‘zögern, zaudern’, so daß von einer Wurzel ie. *k̑enk-, *k̑onk- ‘schwanken, hängen, geistig in der Schwebe sein’ ausgegangen werden kann. Neben dem starken Verb steht ein intransitives schwaches ēn-Verb ahd. hangēn ‘hängen, abhängig sein’ (8. Jh.), anord. hanga, got. hāhan (Prät. hāhaida), ein intransitives schwaches ōn-Verb asächs. hangon, aengl. hangian und ein transitives schwaches jan-Verb ahd. hengen ‘erlauben, gehorchen, denken’ (9. Jh.; vgl. gihengen ‘zustimmen, erlauben, zulassen’, 8. Jh.), mhd. (md.) hengen ‘(die Zügel) hängen lassen, nachjagen, geschehen lassen, gestatten’, auch md. obd. ‘aufhängen’ (obd. nhd. ↗henken, s. d.), mnl. henghen ‘zugestehen’, nl. gehengen ‘erlauben’, anord. hengja ‘hängen’. Im Mhd. mischen sich starke und schwache Präteritalformen, indem transitives hienc (zu hāhen) auch die intransitive Bedeutung von hangete (zu hangēn) übernimmt; vgl. mhd. (transitiv) sie hienc daʒ houbit neben (intransitiv) nū hienc ein tavele vor dem tor. Ferner wird (vom 12. Jh. an) intransitives hangen (aus ahd. hangēn) auch transitiv wie hengen verwendet. Von hāhen bleiben im Nhd. lediglich die Präteritalformen erhalten. Die aus alledem resultierende Gebrauchsunsicherheit wird erst im 19. Jh. dahingehend geregelt, daß der intransitive Gebrauch einem starken (hängen, hing, gehangen), der transitive einem schwachen Verb (hängen, hängte, gehängt) zugewiesen wird. Vgl. Rissleben D. Gesch. d. Verbgruppe „hāhan – hangēn – hengen – henken“, Phil. Diss. Greifswald (1931). Hang m. ‘Neigung, Geneigtsein, hängende Stellung (des Turners), abschüssige Stelle’ (15. Jh.). hangeln Vb. ‘sich hängend fortbewegen’ (Anfang 19. Jh.). Hangendes n. ‘Gesteinsschichten über der Lagerstätte’, mhd. hangendeʒ (bergmannssprachlich). Gehänge n. ‘das Herabhängende, Bergabhang’, mhd. gehenge ‘Vorrichtung zum Anhängen, Türangel’. Abhang m. ‘Berghang, das Herabhängende’, mhd. (westmd.) abehang (14. Jh.); abhängig Adj. ‘schräg abfallend’ (15. Jh.), ‘nicht selbständig, angewiesen auf’ (Anfang 18. Jh.). Anhang m. ‘Angehängtes, Beigefügtes, Begleitung’, mhd. anehanc; Anhänger m. ‘wer einer Person oder Sache anhängt, was angehängt wird’ (15. Jh.); anhängig Adj. ‘zugehörig, schwebend’; rechtssprachlich insbesondere einen Prozeß anhängig machen ‘ein Gerichtsverfahren einleiten’ (15. Jh.); anhänglich Adj. ‘zugetan, verbunden’, geläufig seit dem 18. Jh., frühnhd. im Sinne von ‘anhängend, hingezogen’ (15./16. Jh.); Anhänglichkeit f. ‘Verbundenheit, Treue’ (14. Jh.); Anhängsel n. ‘anhängender (Schmuck)gegenstand, nebensächlicher Anhang, Begleiter’ (17. Jh.). Aushang m. ‘öffentliche Bekanntmachung’ (17. Jh.); vereinzelt auch für Aushängebogen ‘zur letzten Kontrolle bestimmter Abzug eines fertigen Druckbogens’ (18. Jh.). Aushängeschild n. ‘Reklameschild, Werbemittel’, ursprünglich ein Schild, das auf einen bestimmten Beruf, auf ein Gewerbe hinweist (18. Jh.). Überhang m. ‘Umhang, was überhängt’, mhd. überhanc. Umhang m. ‘umgehängtes Kleidungsstück’, ahd. umbihang (um 900), mhd. umbehanc ‘Vorhang, aufgehängter Teppich’. Vorhang m. ‘was vor etw. gehängt wird’, mhd. vor-, vürhanc (dazu s. ↗Gardine).

Thesaurus

Synonymgruppe
herunterhängen · hängen  ●  ↗baumeln  ugs.
Synonymgruppe
am Galgen sterben lassen · ↗aufhängen · ↗erhängen · hängen  ●  ↗henken  veraltet · ↗aufknüpfen  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bild Decke Faden Fahne Fenster Foto Glocke Hals Herz Luft Nagel Plakat Schild Tropf Wand ab abhängen anhängen aufhängen aushängen da davon dranhängen festhängen herabhängen herumhängen nachhängen umhängen zusammen zusammenhängen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›hängen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man muss solche Erfahrungen aber auch reflektieren, sonst bleibt man hängen.
Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11
Ob die deutsche S. in der gegebenen Situation als solches Mittel dienen kann, hängt nicht allein von ihr ab.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - S. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 20935
Da hängen sie, angeekelt von Theorie, in allen Theorien herum, die sie in ihrem Ekel vor Theorie bestärken könnten.
konkret, 1980
Deswegen hängt er und ärgert sich alsbald über jede Frau.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 97
Es hängt an einem Haar, daß Blum wirklich verurteilt wird.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1948. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1948], S. 989
Zitationshilfe
„hängen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/hängen#2>, abgerufen am 23.05.2019.

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