grundlos

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggrund-los
WortzerlegungGrund-los
Wortbildung mit ›grundlos‹ als Erstglied: ↗Grundlosigkeit
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
ohne Grund und Boden, sehr tief
Beispiele:
Und schwarz aus dem weißen Schaum / Klafft hinunter ein gähnender Spalt, / Grundlos als ging's in den Höllenraum [SchillerTaucher]
Das Wetter hat ihn böse mitgenommen, und der Weg durch das grundlose Schwedenholz (= durch das Schwedenholz, das keinen festen Untergrund hatte) fiel ihm schwer [LöscherAlles Getrennte60]
2.
ohne Ursache, unbegründet
Beispiele:
grundlos besorgt sein, lachen, weinen
Ihre Furcht ist grundlos [JahnnHolzschiff180]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Grund · gründen · Gründer · Gründerjahre · Gründerzeit · begründen · Begründer · ergründen · gründeln1 · grundieren · gründlich · Gründlichkeit · Grundbesitz · Grundbesitzer · Grundlage · grundlos · Grundriß · Grundsatz · grundsätzlich · Grundstück · Grundel · Gründel · Gründling · Grundfisch · gründeln2
Grund m. ‘unterste Fläche, Erdboden, Bodenvertiefung, Tiefe und Boden eines Gewässers, eines Gefäßes, Fundament, Grundlage, das innerste, tiefste Wesen, Ursache, Veranlassung’, ahd. grunt (8. Jh.), mhd. mnd. grunt, asächs. grund, nl. grond, aengl. grund, engl. ground, anord. grunnr m. ‘Grund, Boden’, grund f. ‘Feld, Erde’, schwed. dän. grund, got. *grundus (in grunduwaddjus ‘Grundmauer’). Unter Annahme einer (nicht belegbaren) ursprünglichen Bedeutung ‘körniger Boden, Sandboden’ kann für germ. *grundu- über ‘Zerriebenes’ ein Anschluß an ie. *ghren-, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’, hergestellt werden. Dabei ergibt sich über die dentale Erweiterung ie. *ghrendh- Verwandtschaft mit ↗Grind (s. d.). gründen Vb. ‘die Grundlage schaffen, den Grundstein legen, ins Leben rufen, auf etw. basieren, aufbauen’, ahd. grunten ‘ergründen, erforschen’ (um 1000), mhd. gründen; Gründer m. ‘Erbauer, Urheber, Begründer’ (17. Jh.); Gründerjahre Plur. und Gründerzeit f. ‘Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland nach 1871’ (19. Jh.). begründen Vb. ‘Gründe angeben, den Grund legen, neu schaffen’, mhd. begründen; Begründer m. (Anfang 19. Jh.). ergründen Vb. ‘einer Sache auf den Grund gehen, sie erforschen’, ahd. irgrunten (um 1000), mhd. ergründen. Nur vereinzelt gründeln1 Vb. ‘nach dem Grund, nach der Ursache suchen’ (16. Jh.). grundieren Vb. ‘nach dem Grund, nach der Ursache suchen’ (16. Jh.). ‘die Grundfarbe, den ersten Anstrich auftragen’ (2. Hälfte 18. Jh.), in formaler Anlehnung an ältere maltechnische Begriffe wie ↗schattieren, ↗lackieren, ↗schraffieren (s. d.). gründlich Adj. ‘allem auf den Grund gehend, sorgfältig, gewissenhaft, genau’, ahd. gruntlīhho Adv. (9. Jh.), mhd. grüntlich, gruntlich; Gründlichkeit f. ‘Genauigkeit, Gewissenhaftigkeit’, allgemein seit Anfang des 18. Jhs., vereinzelt bereits im Sinne von ‘Seelen-, Herzenstiefe’ in der deutschen Mystik (14. Jh.). Grundbesitz m. Grundbesitzer m. (beide 18. Jh.). Grundlage f. ‘Unterlage, Basis, Fundament’ (Ende 16. Jh.). grundlos Adj. ‘ohne Grund und Boden, sehr tief, ohne Ursache, unbegründet’, mhd. gruntlōs, grundelōs; vgl. ahd. gruntlōsī ‘bodenlose Tiefe, Abgrund’ (8. Jh.). Grundriß m. ‘senkrechte Projektion eines Körpers auf eine waagerechte Ebene, maßstabgerechter Übersichtsplan’ (1. Hälfte 17. Jh.), älter (vereinzelt) ‘Grundlage’ (16. Jh.). Grundsatz m. ‘feste Regel, Richtlinie des Denkens und Handelns’ (17. Jh.); grundsätzlich Adj. (16. Jh.; allgemein verbreitet erst um 1800). Grundstück n. ‘abgegrenztes, als jmds. Besitz ausgewiesenes Stück Land’ (16. Jh.). Grundel, Gründel m. f. Name einiger auf dem Grund eines Gewässers lebender Fische, ahd. gruntila, grundila (Hs. 12. Jh.), mhd. grundel, mnd. grundel(e), mnl. grondel(e), nl. grondel, aengl. gryndle. Auch Gründling m. mnd. grundelingk, frühnhd. grundeling (15. Jh.) und Grundfisch m. spätmhd. gruntvisch. gründeln2 Vb. (von Wasservögeln) mit Kopf und Hals zur Nahrungssuche unter Wasser (gleichsam auf den Grund) tauchen (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
grundlos · ohne Grund · ohne Not · ohne nachvollziehbaren Grund · ohne triftigen Grund · ohne vernünftigen Grund · ohne wirklichen Grund · ohne zwingenden Grund · ↗unbegründet · ↗ungerechtfertigt · ungerechtfertigterweise · ↗unnötigerweise · ↗überflüssigerweise  ●  einfach so  ugs.
Assoziationen
  • nicht fair · nicht gerecht · nicht in Ordnung · nicht okay · ↗unfair · ↗ungerecht
  • bedenkenlos · einfach so · kurz entschlossen · kurz und schmerzlos · ↗kurzentschlossen · ↗kurzerhand · ↗kurzweg · ohne (lange) zu fragen · ohne Umschweife · ohne Weiteres · ohne Wenn und Aber · ohne Zögern · ohne lange zu überlegen · ohne langes Überlegen · ohne viel Aufhebens · ohne zu zögern · ↗spontan · ↗umstandslos · ↗unbesehen · vom Fleck weg  ●  ohne weiteres  Hauptform · ↗ohneweiters  österr. · ↗(ganz) ungeniert  ugs. · a limine  geh., lat. · brevi manu  geh., lat. · mir nichts, dir nichts  ugs. · ohne lange zu fackeln  ugs. · ohne viel Federlesens  ugs. · ↗schlankweg  ugs.
  • abwegig · ↗fragwürdig · ↗haltlos · nicht nachvollziehbar · ↗unbegründet · ↗unsachlich  ●  an den Haaren herbeigezogen  fig.
  • (es gibt) keine Erklärung (für) · (jemandem) ein Rätsel · ↗(jemandem) unbegreiflich · ↗(jemandem) unerklärlich · aus unbegreiflichen Gründen · keine Erklärung haben (für) · nicht nachvollziehbar · ↗schleierhaft · schwer nachzuvollziehen · ↗schwer verständlich · ↗unklar · ↗unverständlich  ●  (ein) Buch mit sieben Siegeln  fig. · ↗(jemandem) unerfindlich  geh.
  • aus eigenem Antrieb · aus freiem Entschluss · aus freiem Willen · aus freien Stücken · aus sich heraus · ↗freiwillig · ohne dass man erst darum bitten muss · ↗unaufgefordert · ungebetenerweise · von (ganz) allein · von selber · von selbst  ●  einfach so  ugs.
  • aus Spaß an der Freud(e) · im Scherz · nicht ernst gemeint · nur so · ohne (dabei) nachzudenken · ohne Sinn und Verstand · ohne sich etwas dabei zu denken · scherzeshalber · ↗scherzweise · sollte ein Scherz sein · ↗spaßeshalber  ●  aus Übermut  Hauptform · just for fun  engl. · (in seinem) jugendlichen Leichtsinn  ugs., variabel, Spruch, scherzhaft · (nur so) zum Spaß  ugs. · aus Daffke  ugs., berlinerisch · aus Flachs  ugs. · aus Jux  ugs. · aus Jux und Tollerei  ugs. · aus Scheiß  ugs. · aus Spaß  ugs. · einfach so  ugs. · ↗hetzhalber  ugs., österr. · mal eben so  ugs. · nur mal eben so  ugs.
  • augenblicklich · ↗blitzartig · ↗eruptiv · im Handumdrehen · im Nu · in einem Wink · innerhalb kürzester Zeit · mir nichts, dir nichts · ↗ruckartig · ↗zusehends  ●  im Nullkommanichts  ugs. · im Nullkommanix  ugs. · in null Komma nichts  ugs. · mit einem Ruck  ugs. · ratz-fatz  ugs.
  • aus nichtigem Anlass · beim geringsten Anlass · wegen Kleinigkeiten · wegen nichts
  • (eine) beiläufige Bemerkung fallen lassen · auf Verdacht · ↗beiläufig · nur mal so (dahin gesagt) · wie nebenbei  ●  (einen) Versuchsballon starten  variabel, fig. · ins Blaue hinein  ugs. · wie von ungefähr  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschuldigung Aufregung Befristung Befürchtung Behauptung Beschuldigung Eifersucht Fröhlichkeit Heiterkeit Hysterie Lachen Mißhandlung Morast Optimismus Traurigkeit Verdächtigung Verhaftung Verweigerung Zeugnisverweigerung anpöbeln einprügeln keineswegs scheinbar sinnlos sozusagen verdächtigen verleumderisch verprügeln willkürlich zusammenschlagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›grundlos‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zum Ende der Probe fangen die Schauspieler grundlos an, zu lachen.
Der Tagesspiegel, 10.08.2000
Er ist ein grundloser See: er ist sehr verschlossen, schwer zu durchschauen, seine Handlungsweise ist sehr undurchsichtig.
Röhrich, Lutz: See. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 17907
Der Vietnamese wirft den beiden vor, ihn grundlos mißhandelt zu haben.
Süddeutsche Zeitung, 19.11.1994
Er will nicht mehr wissen, weshalb er hier ist, er will so sitzen, wie er hier immer sitzt, still, lange, grundlos, dann gehen.
Hermann, Judith: Sommerhaus, später, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 2000 [1998], S. 122
Das Licht erlosch grundlos, draußen begann es sanft zu regnen.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 133
Zitationshilfe
„grundlos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/grundlos>, abgerufen am 19.08.2019.

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