grob

GrammatikAdjektiv · Komparativ: gröber · Superlativ: am gröbsten
Aussprache
Wortbildung mit ›grob‹ als Erstglied: ↗Grobanalyse · ↗Grobansprache · ↗Grobblech · ↗Grobheit · ↗Grobkeramik · ↗Grobkorn · ↗Grobmechanik · ↗Grobsack · ↗Grobschmied · ↗Grobwalzwerk · ↗Grobwäsche · ↗Grobzeug · ↗grobfaserig · ↗grobfasrig · ↗grobgefügt · ↗grobgliedrig · ↗grobjährig · ↗grobknochig · ↗grobkörnig · ↗grobporig · ↗grobschlächtig · ↗grobschrötig · ↗grobsträhnig
 ·  mit ›grob‹ als Letztglied: ↗saugrob  ·  mit ›grob‹ als Grundform: ↗vergröbern
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Gegenwort zu fein
a)
rau, derb
Beispiele:
ein grobes Gewebe, Leinen, Tuch, Papier
grobe Fäden, Säcke
ein grob gewirkter Mantel
ein grobes Sieb (= Sieb mit großen Löchern)
sie hat von der Arbeit grobe Hände bekommen
eine grobe Arbeit verrichten
sie hat eine grobe Stimme
ein Mensch mit groben, grob geschnittenen Gesichtszügen
übertragen
Beispiele:
grobe (= stark bewegte) See
es herrschte grober Seegang
Vielleicht kriegen wir Sturm und grobe See [Hausm.Abel13]
b)
ohne Feinheiten, unscharf
Beispiele:
eine grobe stoffliche Abgrenzung
etw. in groben Umrissen schildern, wiedergeben
einen groben Überblick geben
eine Sache in groben Zügen darlegen, entwickeln
etw. grob unterscheiden
grob geschätzt, dürften es an die 20 Teilnehmer sein
c)
wenig zerkleinert
Beispiele:
grobes Mehl, Brot
grober Kies, Sand
grobe Graupen, Späne
sie hatte den Kaffee grob gemahlen
die Mandeln grob hacken
Gewürze grob zerkleinern
2.
in Verbindung mit negativen Begriffen
schlimm, groß
Beispiele:
ein grober Unfug, Verstoß, Irrtum, Betrug
eine grobe Verletzung der Verkehrsordnung
eine grobe Lüge, Fahrlässigkeit, Fälschung
eine grobe Belästigung der Urlauber
einen groben Fehler begehen
etw. als grobe Beleidigung, Taktlosigkeit ansehen
umgangssprachlich wir sind aus dem Gröbsten heraus (= haben die größten Schwierigkeiten überwunden)
adverbiell
sehr
Beispiele:
etw. grob missachten, verletzen
er lügt gar zu grob
3.
unhöflich, derb
Beispiele:
ein grober Mensch
salopp ein grober Klotz
ein grobes Betragen
grobe Worte, Reden gebrauchen
grobe Späße machen
grob sein, werden gegen jmdn.
jmdn. grob behandeln, anfahren, zurückstoßen
etw. grob sagen, erwidern
übertragen
Beispiele:
jmdn. grob anfassen (= derb, unnachsichtig behandeln)
salopp gegen jmdn. mit grobem Geschütz auffahren (= jmdm. mit scharfen, eindeutigen Worten entgegentreten)
sprichwörtlich auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil (= Grobheiten erwidert man mit Grobheiten)
es wurde das Gröbste vom Groben geboten [Feuchtw.Füchse78]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grob · gröblich · Grobheit · Grobian · vergröbern · grobschlächtig · Grobschmied
grob Adj. ‘rauh, nicht fein, derb, unhöflich, barsch’, ahd. g(e)rob ‘grob, dick, tief tönend’ (um 1000), mhd. grop, grob (vereinzelt gerop), mnd. grof ‘massig, stark, reichlich, ungebildet, unangemessen’ (mnd. auch ‘tief tönend, einfach, verständlich’), mnl. grof, groef, grouf ‘dick, schwer, schwanger, groß, reichlich, nicht fein’, nl. grof ‘grob, roh, plump’. Die Herleitung des nur dem dt.-nl. Bereich angehörenden Adjektivs (anord. grōfr ‘groß, grob’ entstammt dem Nd., engl. gruff ‘mürrisch, grob’ dem Nl.) ist nicht gesichert. In der Regel wird ahd. g(e)rob als Präfixbildung mit germ. *ga- (s. ↗ge-) aufgefaßt, deren Stamm sich zu ahd. (h)riob ‘aussätzig’ (9. Jh.), (h)ruf (8. Jh.), frühnhd. ruf(e) ‘Schorf, Aussatz’ (15. Jh.), aengl. hrēof ‘rauh, schorfig, aussätzig’, anord. hrjūfr ‘uneben, rauh, schorfig’ stellen und mit lit. kraupùs ‘rauh, uneben, struppig’, aslaw. krupica ‘Brosame, Krümchen’, russ. krupá (крупа) ‘Grütze, Graupen’, krúpnyj (крупный) ‘grobkörnig, groß’ auf ie. *kreup- ‘Schorf, sich verkrusten’ zurückführen ließe. Andere Erklärungsversuche betrachten gr- als Stammanlaut (mit jungem Sproßvokal) und verweisen auf ie. *ghrēu-, *ghrəu- ‘scharf darüber reiben, zerreiben’, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’; nächste Verwandte wären dann ↗Griebe, ↗Griebs und ↗groß (s. d.). In beiden Fällen ergibt sich für grob eine Ausgangsbedeutung ‘körnig, rauh’, aus der der in den älteren Sprachstufen vorherrschende Sinn ‘massig, dick’ hervorgeht. Die heute mit dem Adjektiv verbundene negative Wertung tritt erst im Nhd. stärker zutage. gröblich Adj. ‘beträchtlich, stark, schlimm’, adverbiell ‘heftig, sehr’, mhd. grobelich Adj., grobelīche(n) Adv., mnd. gröflīk, groflīk Adj., gröflīk(en), groflīk(en) Adv. ‘groß, stark, heftig, in hohem Maße, sehr, viel’; zunächst Adverbialbildung zum Adjektiv mhd. grop, mnd. grof (s. oben), der adjektivische Gebrauch ist bis in die Gegenwart nur schwach bezeugt (vgl. gröblicher Irrtum). Grobheit f. ‘Derbheit, Unfreundlichkeit’, auch ‘barsche, unhöfliche Äußerung’, mhd. (besonders spätmhd.) gropheit, grobheit ‘Dicke, Unebenheit, Rauheit, Körperlichkeit’, mnd. grofhēt ‘Rauheit, Unebenheit, Roheit, Unhöfischkeit’. Grobian m. ‘derber, ungesitteter Mensch’ (15. Jh.), bis ins 18. Jh. auch Grobianus, latinisierende humanistische Scherzbildung in Anlehnung an Heiligennamen auf lat. -ānus, vgl. Cyprian(us), Damian(us). vergröbern Vb. ‘gröber machen’ (Anfang 18. Jh., zuvor vergröben, 17. Jh.), Präfixbildung zu einem nur vereinzelt belegten Faktitiv frühnhd. gröbe(r)n. grobschlächtig Adj. ‘von grobem Schlage, derb, plump’ (19. Jh.). Die Zusammensetzung lehnt sich wohl an andere, besonders im Obd. verbreitete Adjektive mit -schlächtig an. Zum zweiten Kompositionsglied, das auf mhd. -slaht ‘geartet’ beruht, s. ↗ungeschlacht und ↗Geschlecht. Grobschmied m. vom 17. bis ins 19. Jh. gebräuchliches Synonym für ↗Schmied (s. d.), das den Unterschied zum (Schlosserarbeiten ausführenden) Kleinschmied hervorhebt (vgl. frühnhd. grop werk ‘grobe Schmiedearbeit’, 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abweisend · ↗barsch · ↗brüsk · ↗derb · ↗flegelhaft · ↗forsch · grob · ↗grobklotzig · ↗grobschlächtig · ↗gröblich · kurz angebunden · ↗rau · ↗raubeinig · ↗rauborstig · ↗ruppig · ↗rüde · ↗rüpelhaft · ↗schroff · uncharmant · ↗unflätig · ↗unfreundlich · ↗ungalant · ↗ungehobelt · ↗ungeschliffen · ↗unhöflich · ↗unsanft · ↗unwirsch · ↗unzivilisiert · wenig galant · ↗wirsch  ●  ↗bärbeißig  fig. · nicht (gerade) die feine englische Art  fig. · ↗hantig  ugs., bair. · ↗harsch  geh. · hau-drauf-mäßig  ugs. · in Wildwest-Manier  ugs. · ↗nassforsch  geh. · ↗pampig  ugs. · raubauzig  ugs. · ↗rotzig  ugs. · ↗rustikal  ugs., scherzhaft-ironisch · wie die Axt im Walde  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abgestumpft · ↗bräsig · ↗dickhäutig · ↗gefühllos · ↗gefühlskalt · ↗gleichgültig · grob · ↗insensibel · ↗mitleidlos · ↗taktlos · ↗teilnahmslos · ↗unempfindlich · ↗unsensibel  ●  ↗abgebrüht  ugs. · ↗dickfellig  ugs. · ↗schmerzfrei  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
allgemein gesehen · ↗en gros · ganz allgemein gesagt · grob · grob gesagt · im Allgemeinen · im Großen und Ganzen · im großen Ganzen · ohne (jetzt) in die Einzelheiten zu gehen  ●  ↗grosso modo  geh.
Synonymgruppe
brachial · ↗gewalttätig · grob · ↗grobschlächtig · ↗handgreiflich · ↗rabiat · ↗roh · ↗ruppig
Assoziationen
Synonymgruppe
(Betrag) plus/minus (Abweichungsbetrag/Toleranz) · Stücker (+ Zahl) · ↗annähernd · ↗annäherungsweise · ↗etwa · ↗gegen · geschätzt · grob (geschätzt) · grob gesagt · in etwa · ↗rund · ↗schätzungsweise · ↗um · ↗vielleicht · ↗zirka · ↗überschlägig (kaufm.)  ●  ↗ca.  Abkürzung · ↗circa  Abkürzung · ↗ungefähr  Hauptform · (so) in dem Dreh  ugs. · Pi mal Daumen  ugs. · ↗approximativ  fachspr., mathematisch · gefühlt (relativ neu)  ugs. · mehr oder weniger  ugs. · ↗näherungsweise  geh. · plus/minus (Betrag)  ugs. · so (in) etwa  ugs. · so circa  ugs. · so gegen  ugs. · so um die  ugs. · um den Dreh (rum)  ugs. · um die  ugs. · ↗wohl  geh. · über den Daumen (gepeilt)  ugs.
Assoziationen
  • Schätzung
  • im Großen und Ganzen · in etwa · könnte man sagen · mehr oder weniger · ↗sozusagen  ●  ↗irgendwie  ugs. · keine Ahnung  ugs. · oder so  ugs. · ↗praktisch  ugs. · ↗quasi  ugs. · so ungefähr  ugs., Hauptform · so(was) in der Art  ugs. · sone Art  ugs. · sowas wie  ugs.
  • (etwas) nicht (so) genau nehmen  ●  nicht alles auf die Goldwaage legen  fig. · (alle) fünf gerade sein lassen  ugs. · ↗(sich) nicht (so kleinlich) anstellen  ugs. · den lieben Gott 'en guten Mann sein lassen  ugs. · nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen  ugs. · nicht päpstlicher als der Papst sein (wollen)  ugs. · wir wollen mal nicht so sein  ugs., regional, Spruch, variabel
  • annähernd · ↗bald · ↗beinahe · etwas weniger (als) · ↗knapp · nicht ganz  ●  ↗fast  Hauptform · (wohl) an die (vor Zahlwörtern)  ugs. · ein bisschen weniger (als)  ugs. · ↗nahezu  geh. · so ziemlich  ugs.
  • schwammig · ↗ungenau · ↗unklar · ↗unpräzise · ↗unsauber · ↗unscharf · ↗vage  ●  ↗unspezifisch  fachspr. · ↗wischi-waschi  ugs.
  • Anhaltspunkt · ↗Bereich · ↗Größenordnung · grobe Schätzung · ungefähre Größe  ●  ↗Hausnummer  ugs., Hauptform, fig.
Synonymgruppe
grob · ↗grobschlächtig · ↗klobig · ↗klotzig · ↗vierschrötig  ●  ↗ungeschlacht  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Behandlungsfehler Einmischung Fahrlässigkeit Fehleinschätzung Fehler Foul Foulspiel Geschütz Keil Klotz Meersalz Mißachtung Patzer Pflichtverletzung Raster Schnitzer Schätzung Stoß Umriß Undank Unfug Ungerechtigkeit Unsportlichkeit Vereinfachung Verletzung Verstoß Zug behauen fahrlässig vorsätzlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›grob‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Letzteres ist zu diesem Zeitpunkt außer grob auch noch ungeschickt.
Süddeutsche Zeitung, 03.01.2003
Der Ball war zwar in der Nähe, aber es war ein grobes Foul.
Der Tagesspiegel, 12.11.2002
Die Qualität war niedrig, in jedem Spiel gab es grobe Fehler.
Der Spiegel, 21.09.1992
Er ist das gröbste Mittel der größten Lüge aller Zeiten.
Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 87
Obwohl selbst sehr empfindlich, war er gegen andere sehr grob.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 5158
Zitationshilfe
„grob“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/grob>, abgerufen am 17.10.2019.

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