gravitätisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggra-vi-tä-tisch (computergeneriert)
HerkunftLatein
eWDG, 1969

Bedeutung

spöttisch würdevoll steif, feierlich
Beispiele:
eine gravitätische Verbeugung
mit gravitätischen Schritten
in gravitätischem Ernst
gravitätisch spazieren, stolzieren, schreiten
mit gravitätischer Ratsherrenmiene Tagesfragen zu erörtern [RathenauKommende Dinge204]
Gravitätisch und gebläht kehrte der Cavaliere aufs Podium zurück [Th. MannMario9,753]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gravieren2 · gravierend · Gravis · gravitätisch · Gravitation
gravieren2 Vb. ‘belasten, beschweren’, Entlehnung (17. Jh.) aus lat. gravāre ‘schwer machen, beschweren, belasten’, zu lat. gravis ‘schwer, gewichtig, würdevoll’. Das zugehörige Part. Präs. verselbständigt sich zu gravierend Part.adj. ‘belastend, erschwerend’. Ebenfalls auf lat. gravis beruht Gravis m. diakritisches Zeichen über einem Vokal zur Kennzeichnung der Betonung (19. Jh.), im Griech. des gesenkten Tones, des Tieftones (lat. accentus gravis), im Frz. der offenen Aussprache des e (geschrieben è) und zur graphematischen Unterscheidung gleichlautender Wörter (frz. accent grave). gravitätisch Adj. ‘würdevoll, steif, gemessen’, im 16. Jh. zu heute unüblichem Gravität f. ‘Würde, Erhabenheit’, das aus lat. gravitās (Genitiv gravitātis) ‘Schwere, Gewicht, Bedeutung’ entlehnt ist. Gravitation f. ‘Anziehungskraft zwischen Massen’. Der unter Anlehnung an lat. gravitās von englischen Physikern (17. Jh.) geprägte Ausdruck engl. gravitation gelangt im 19. Jh. als Terminus der Physik und Astronomie über gleichbed. frz. gravitation ins Dt.

Thesaurus

Synonymgruppe
gediegen · gravitätisch · ↗hochwertig · ↗traditionell · ↗würdevoll
Assoziationen
Synonymgruppe
(weit) ausholend · ↗ausladend · gravitätisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auftreten Auftritt Ernst Gang Geste Miene Ruhe Schreiten Würde daherkommen langsam nicken schreien schreiten steif stolzieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gravitätisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mal steigen sie, mal sinken sie, mal drehen sie sich gravitätisch um sich selbst.
Die Zeit, 27.12.2010, Nr. 52
Sie sind leicht gravitätisch, fast immer zu würdevoll, manchmal gefährlich bedeutungsschwanger.
Der Tagesspiegel, 24.06.2002
Dabei stolzieren sie in einem kleinen Abstand voneinander gravitätisch langsam durch das Gras.
Scherbening, Otto von: Safari. In: Exotische Jagdabenteuer, Reutlingen: Enßlin & Laiblin 1927 [1926], S. 3
Die Männer saßen würdevoll beieinander, rauchten gravitätisch und schienen eine ernsthafte Unterhaltung zu führen.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 110
Gravitätisch stolziert der aufmerksame Hahn im Reiche seines Hofes umher.
Hahn, Christian Diederich: Bauernweisheit unterm Mikroskop, Oldenburg i.O.: Stalling 1943 [1939], S. 168
Zitationshilfe
„gravitätisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gravitätisch>, abgerufen am 23.04.2019.

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