geradlinig

GrammatikAdjektiv
Nebenform umgangssprachlich gradlinig · Adjektiv
Worttrennungge-rad-li-nig ● grad-li-nig (computergeneriert)
formal verwandt mitLinie
Wortbildung mit ›geradlinig‹ als Erstglied: ↗Geradlinigkeit · ↗Gradlinigkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

in gerader Linie (verlaufend)
Beispiele:
eine geradlinige/gradlinige Straße, Küste
eine geradlinig/gradlinig verlaufende Allee
die Grenze verläuft geradlinig/gradlinig
weiß und geradlinig liegt es [das Sanatorium] mit seinem langgestreckten Hauptgebäude und seinem Seitenflügel inmitten des weiten Gartens [Th. MannTristan9,128]
bildlich
Beispiele:
ein geradliniger/gradliniger (= direkter) Nachkomme
Er war überzeugt, geradlinig und unvermischten Blutes vom französischen Feudal- und fränkischen Uradel abzustammen [KlempererLTI148]
übertragen
Beispiele:
ein geradlinig/gradlinig denkender Mensch
eine geradlinige/gradlinige Haltung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Linie · lini(i)eren · -linig · geradlinig · krummlinig · linear
Linie f. ‘längerer (gerader, gekrümmter) Strich, (gedachte) strichartige Bahn’, ahd. linna (um 1000), mhd. linie, entlehnt aus lat. līnea ‘Leine, leinener Faden, Schnur, Strich’, dem substantivierten Femininum des Adjektivs līneus ‘aus Lein, aus Flachs, leinen, batisten’, zu lat. līnum ‘Lein, Flachs, Faden, Schnur, Leinwand, Segel, Netz’ (s. ↗Lein). Anfangs bezeichnet lat. līnea (verkürzt aus līnearestis ‘Schnur aus Leinen’) den gespannten leinenen Faden, mit dessen Hilfe gerade Striche gezogen werden, dann diesen Strich selbst. Linie wird vielfach übertragen gebraucht und steht im Sinne von ‘Reihenfolge der Generationen, Verwandten, Ahnenreihe’ (16. Jh.) nach den genealogischen Linien auf den zeichnerischen Darstellungen von Stammbäumen (entsprechend mlat. linea), seemännisch für ‘Äquator’ (17. Jh.), militärisch für ‘Schlachtreihe des Heeres oder der Flotte, Front, Kampfgebiet mit den Stellungen der kämpfenden Truppen’ (18. Jh.). lini(i)eren Vb. ‘mit Linien versehen’ (15. Jh.), lat. līneāre ‘nach der Richtschnur richten’, mlat. ‘mit einer Linie unterstreichen’. -linig ‘in Linien bestehend, mit Linien gemacht’, nur in Zusammensetzungen wie geradlinig Adj. und krummlinig Adj. (beide 18. Jh.), älter geradelinicht, geradlinisch, krummlinisch (17. Jh.); vgl. das Simplex linig ‘Linien habend’ (um 1500). linear Adj. ‘geradlinig, linienförmig’, auch ‘zeichnerisch’ (im Unterschied zu malerisch), in der Mathematik ‘eindimensional, nur der Länge nach ausgedehnt’, fachsprachlich ‘gleichmäßig verlaufend’ (Anfang 19. Jh.); lat. līneāris ‘aus Linien bestehend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Ritter) ohne Furcht und Tadel · ↗charakterfest · ↗charakterstark · geradlinig · gradlinig · ↗unbeirrbar · ↗unerschütterlich
Assoziationen
Synonymgruppe
Reihen... · geradlinig · in einer Linie · ↗linear
Assoziationen
  • einer hinter dem anderen · ↗hintereinander · im Gänsemarsch · in Linie hintereinander · in Reihe · in einer Reihe (hintereinander)
  • fluchten · gerade ausgerichtet (sein) · in (gerader) Fluchtlinie (angeordnet ...) · in Flucht (stehen/liegen) · in einer (geraden) Linie (angeordnet sein / stehen ...) · in gerader Flucht (angeordnet / ausgerichtet / stehen ...)
Synonymgruppe
direkt · ↗frontal · ↗geradeaus · geradlinig · ohne Umweg · ohne Umwege

Typische Verbindungen
computergeneriert

Einfachheit Fortsetzung Handlung Karriere Weg aufrichtig direkt durchaus eben ebenso ehrlich einfach keineswegs klar konsequent kraftvoll schlicht verlaufen verläßlich vollziehen weniger zielstrebig ziemlich zusteuern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gradlinig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Leiden läßt sich außerdem nicht geradlinig aus den Ereignissen erklären, die es verursacht haben.
Die Welt, 03.03.2006
Natürlich sei das Land mit seiner Politik nicht sehr geradlinig.
Süddeutsche Zeitung, 19.12.1997
Ich sah mit Freuden eine geradlinige Entwicklung der Bewegung vor mir.
Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8317
Von diesem politischen Programm des State Department zu Beginn des Jahrhunderts führt eine logische, geradlinige Entwicklung zu den Vereinten Nationen.
Aron, Raymond: Weltdiplomatie: Fronten und Pakte. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 19969
Nicht alle davon sind unangefochten geblieben, nicht alle haben sich geradlinig fortgeerbt.
Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 66
Zitationshilfe
„geradlinig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/geradlinig>, abgerufen am 17.10.2019.

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