gottselig

GrammatikAdjektiv
Worttrennunggott-se-lig (computergeneriert)
WortzerlegungGott-selig
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend heuchlerisch, fromm
Beispiele:
Fromm hingen die Augen aller Familienmitglieder an dem gottseligen Mann [einem Pater] [O. M. GrafUnruhe245]
wenn man beim Pfarrer ein paar gottselige Redensarten mit unterlaufen läßt [H. KurzSonnenwirt118]
veraltet fromm, gottesfürchtig
Beispiel:
daß die Verstorbene, die doch ein solch gottseliges, frommes Leben geführt, keine Ruhe im Grabe habe [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,176]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

selig · Seligkeit · beseligen · gottselig
selig Adj. ‘überaus glücklich’, (in der christlichen Religion) ‘nach dem Tod der himmlischen Freuden teilhaftig’, daher auch ‘verstorben’, ahd. sālīg (8. Jh.), mhd. sælec, sælic ‘glücklich, zum Glück bestimmt, gesegnet, glückbringend, heilsam, fromm’, asächs. sālig, mnd. sālich, sēlich, mnl. sālich, nl. zalig, afries. sēlich, aengl. (ge)sǣlig, engl. (älter) seely ‘glücklich’, daraus silly ‘einfältig, töricht, dumm’, anord. sælligr (auch ‘reich’) ist abgeleitet von einem in aengl. unsǣle ‘böse, boshaft’, sēl ‘gut, klug, würdig, glücklich’, anord. sæll ‘glücklich’, schwed. säll ‘(glück)selig’, got. sēls ‘tauglich, gütig’ (germ. *sēlī-) erhaltenen Adjektiv; vgl. dazu die substantivische Ableitung ahd. sālida (8. Jh.), mhd. sælde ‘Güte, Wohlgeartetheit, Segen, Heil, Glück (von Gott), himmlische Seligkeit’, asächs. sālða, aengl. sǣlþ, anord. sæld. Vergleicht man außergerm. lat. (ablautend) sōlārī ‘trösten, ermutigen, entschädigen, hindern’, air. slān ‘heil, gesund’ und griech. hīláskesthai (ἱλάσκεσθαι) ‘(einen Gott) gnädig, günstig stimmen, versöhnen’, läßt sich eine Wurzel ie. *sel(ə)- ‘günstig, guter Stimmung, begütigen’ erschließen. Aber auch Verwandtschaft mit griech. hólos (ὅλος) ‘ganz, vollständig’ und lat. salvus ‘gesund, heil, wohlbehalten, gerettet’ wird erwogen, so daß von ie. *solo-, *sol(e)u̯o- ‘wohlbehalten, ganz’ ausgegangen werden kann. Seligkeit f. ‘Zustand wunschlosen Glücks, großer Freude’, kirchensprachlich ‘Einheit mit Gott nach dem Tod’, ahd. sālīgheit (um 1000), mhd. sælecheit, sælekeit, sælikeit ‘Wohlgeartetheit, Vollkommenheit, Anmut, Beglücktheit, Heil’. beseligen Vb. ‘selig, glücklich machen’ (15. Jh.). gottselig Adj. ‘fromm (um der Ehre Gottes willen)’ (16. Jh., von Luther geprägt), formelhaft gottseliges Gedächtnis (16. Jh.), gottseligen An(ge)denkens (18. Jh.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gottselig wie immer war das Lächeln um ihren weiß behaarten Mund.
Süddeutsche Zeitung, 19.09.2002
Aus dem gottseligen "Exil" wurde das neue "Cena", ein Restaurant mit vorwiegend italienischer Küche.
Die Welt, 16.08.2003
Die Union aller echten Christen war ihm daher eine natürliche Aufgabe; sie beruhte auf der vorgegebenen Einheit in der Wiedergeburt, im »gottseligen Leben«.
Stallmann, M.: Pietismus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 22934
Als sich niemand mehr findet, den man umbringen kann, werden aus gnadenlosen Mördern urplötzlich gottselige Wallfahrer.
Die Zeit, 15.07.1999, Nr. 29
Vor dem Denkmal der gottseligen Kaiserin Augusta, das marmorn und gradlinig in Berlin aufgerichtet ist, stand einmal ein alter Arbeiter.
Tucholsky, Kurt: Berliner Mutterlaut. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1922], S. 22135
Zitationshilfe
„gottselig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gottselig>, abgerufen am 24.03.2019.

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