gesellschaftlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-sell-schaft-lich
WortzerlegungGesellschaft-lich
Wortbildung mit ›gesellschaftlich‹ als Letztglied: ↗gesamtgesellschaftlich · ↗innergesellschaftlich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
die sozialen und ökonomischen Verhältnisse betreffend
Beispiele:
die gesellschaftliche Neuordnung, Entwicklung, Umwälzung, Umgestaltung
ein gesellschaftlicher Fortschritt
die Erkenntnis der gesellschaftlichen Zusammenhänge
Marxismus das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln
Wirtschaft das gesellschaftliche Gesamtprodukt (= Gesamtmasse aller in einem bestimmten Zeitabschnitt in der Gesellschaft produzierten materiellen Güter)
DDR die gesellschaftliche Arbeit, Tätigkeit (= unbezahlte, ehrenamtliche Arbeit, Tätigkeit zum Nutzen der Gesellschaft)
DDR gesellschaftliche Bauten (= kulturelle Einrichtungen, Verwaltungs-, Volksbildungs- und Versorgungseinrichtungen)
DDR sich gesellschaftlich betätigen
DDR gesellschaftlich aktiv sein
2.
veraltet in der sogenannten guten Gesellschaft, der Oberschicht
Beispiele:
er machte sich, er ist gesellschaftlich unmöglich
dank der gesellschaftlichen Stellung seiner Eltern
mit jmdm. gesellschaftlich verkehren
daß sein Besitz [des Vermögens] allein Dir eine gesellschaftliche Position sichern könnte [MusilMann79]
von der sogenannten guten Gesellschaft, der Oberschicht gefordert, erwartet
Beispiele:
er hat viele gesellschaftliche Verpflichtungen
seine gesellschaftliche Gewandtheit, gesellschaftlichen Formen
ohne jeden gesellschaftlichen Zwang
Dann erinnerte sie sich ihrer gesellschaftlichen Schulung und schüttelte dem Gutbekannten die Hand [A. ZweigGrischa135]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geselle · gesellen · gesellig · Geselligkeit · Gesellschaft · gesellschaftlich · Gesellschafter · Gesellschaftsordnung
Geselle m. ‘Facharbeiter, Handwerksbursche, Kamerad’, ahd. gisello ‘Wohn-, Hausgenosse, Freund’ (9. Jh.), mhd. geselle, auch ‘Geliebte(r), Standesgenosse, Handwerksgeselle, junger Mann’, mnd. geselle, mnl. gheselle, nl. gezel ist eine Präfixableitung (westgerm. *ga-salja-) zu dem unter ↗Saal (s. d.) behandelten Substantiv. Es bezeichnet eigentlich den, ‘der den Saal (die Unterkunft) mit (einem) anderen teilt’ (zur Bildung s. ↗Bauer und ↗Gefährte). Geselle wird als Bezeichnung für den gelernten, abhängigen Handwerker (seit dem Mhd.) heute durch Facharbeiter (s. ↗Fach) ersetzt; vgl. E. Adelberg in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 165. gesellen Vb. reflexiv ‘sich zusammenfinden’, mhd. gesellen ‘zum Gesellen machen, geben’, (reflexiv) ‘sich freundschaftlich verbinden’. gesellig Adj. ‘Gesellschaft, zwanglose Gemeinschaft liebend’, mhd. gesellec ‘zugesellt, verbunden’; Geselligkeit f. ‘freundschaftliches Zusammensein, unterhaltsame Veranstaltung’, mhd. gesellecheit ‘freundschaftliches Verhältnis, Beisammensein’. Gesellschaft f. ‘Gruppe von Menschen, zweckgebundene Vereinigung von mehreren Personen, geselliger Kreis’, ahd. gisellascaft, giselliscaft (9. Jh.), mhd. geselleschaft ‘fürstliches Gefolge, Vereinigung mehrerer, Genossenschaft, freundschaftliches Beisammen- oder Verbundensein, Liebe’. Seit dem 15. Jh. auch die in Gruppen gegliederte menschliche Gemeinschaft, z. B. bürgerliche Gesellschaft ‘Gemeinschaft der Bürger’ (15. Jh.); die (gute) Gesellschaft ‘durch Stand, (adlige) Geburt oder Bildung verbundene Bevölkerungsschichten’ (18. Jh.); zeitweilig nahezu synonym mit Staat, im 18. Jh. von frz. société beeinflußt (Rousseau). Für die deutsche bürgerliche politische Ökonomie des 19. Jhs. ist Gesellschaft bereits die in Klassen gespaltene, in (naturgegebenen) Produktionsverhältnissen lebende Gesamtheit der Menschen. gesellschaftlich Adj. ‘gemeinschaftlich, die Gesellschaft betreffend’ (18. Jh.). Gesellschafter m. ‘Mitglied einer Gesellschaft, Vereinigung’, auch ‘Begleiter, Unterhalter’ (16. Jh.). Gesellschaftsordnung f. ‘Struktur und Gliederung der in gleichartigen ökonomischen, sozialen und politischen Verhältnissen lebenden Menschen auf einer bestimmten historischen Entwicklungsstufe’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
gesellschaftlich · ↗sozial · ↗zwischenmenschlich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akzeptanz Anerkennung Diskurs Engagement Entwicklung Ereignis Gruppe Klima Konsens Konvention Leben Norm Ordnung Organisation Realität Relevanz Schicht Stellung Struktur Umbruch Verantwortung Verhältnis Veränderung Wandel Wirklichkeit kulturell politisch relevant wirtschaftlich ökonomisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gesellschaftlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber dennoch gab es Missbrauch, und der war ein gesellschaftliches Tabu.
Die Zeit, 16.05.2013, Nr. 21
Und das gilt auch für alle anderen Fragen einer zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung.
Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 128
Die sozialistische Revolution ist die starke bewegende Kraft zur Entwicklung der gesellschaftlich produktiven Kräfte.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1975]
Sie läßt keine andere Bestimmung gelten als die Klassifikationen des gesellschaftlichen Betriebs.
Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 96
Auch "politische Macht" ist nichts als eine bestimmte Form von gesellschaftlicher Stärke.
Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation - Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen Bd. 2, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1992 [1939], S. 76
Zitationshilfe
„gesellschaftlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gesellschaftlich>, abgerufen am 15.10.2019.

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