gesellig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-sel-lig
Wortbildung mit ›gesellig‹ als Erstglied: ↗Geselligkeit  ·  mit ›gesellig‹ als Letztglied: ↗ungesellig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
die Gesellschaft anderer suchend
Beispiele:
er ist ein geselliger Mensch, eine gesellige Natur
der Mensch ist ein geselliges Wesen
gesellig lebende Tiere, Insekten
bis daß ich kam / Zu Wohnungen gesellig lebender Menschen [SchillerTellII 2]
zarte Birken und andere gesellige Gruppen von Bäumen [Stifter3,23]
2.
unterhaltsam in der Gesellschaft anderer, mit anderen Menschen
Beispiele:
ein geselliger Abend
eine gesellige Unterhaltung
ein geselliges Beisammensein veranstalten, besuchen
den geselligen Verkehr, Umgang, die geselligen Beziehungen pflegen
im geselligen Kreis zusammensein
die geselligen Freuden
das gesellige Leben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geselle · gesellen · gesellig · Geselligkeit · Gesellschaft · gesellschaftlich · Gesellschafter · Gesellschaftsordnung
Geselle m. ‘Facharbeiter, Handwerksbursche, Kamerad’, ahd. gisello ‘Wohn-, Hausgenosse, Freund’ (9. Jh.), mhd. geselle, auch ‘Geliebte(r), Standesgenosse, Handwerksgeselle, junger Mann’, mnd. geselle, mnl. gheselle, nl. gezel ist eine Präfixableitung (westgerm. *ga-salja-) zu dem unter ↗Saal (s. d.) behandelten Substantiv. Es bezeichnet eigentlich den, ‘der den Saal (die Unterkunft) mit (einem) anderen teilt’ (zur Bildung s. ↗Bauer und ↗Gefährte). Geselle wird als Bezeichnung für den gelernten, abhängigen Handwerker (seit dem Mhd.) heute durch Facharbeiter (s. ↗Fach) ersetzt; vgl. E. Adelberg in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 165. gesellen Vb. reflexiv ‘sich zusammenfinden’, mhd. gesellen ‘zum Gesellen machen, geben’, (reflexiv) ‘sich freundschaftlich verbinden’. gesellig Adj. ‘Gesellschaft, zwanglose Gemeinschaft liebend’, mhd. gesellec ‘zugesellt, verbunden’; Geselligkeit f. ‘freundschaftliches Zusammensein, unterhaltsame Veranstaltung’, mhd. gesellecheit ‘freundschaftliches Verhältnis, Beisammensein’. Gesellschaft f. ‘Gruppe von Menschen, zweckgebundene Vereinigung von mehreren Personen, geselliger Kreis’, ahd. gisellascaft, giselliscaft (9. Jh.), mhd. geselleschaft ‘fürstliches Gefolge, Vereinigung mehrerer, Genossenschaft, freundschaftliches Beisammen- oder Verbundensein, Liebe’. Seit dem 15. Jh. auch die in Gruppen gegliederte menschliche Gemeinschaft, z. B. bürgerliche Gesellschaft ‘Gemeinschaft der Bürger’ (15. Jh.); die (gute) Gesellschaft ‘durch Stand, (adlige) Geburt oder Bildung verbundene Bevölkerungsschichten’ (18. Jh.); zeitweilig nahezu synonym mit Staat, im 18. Jh. von frz. société beeinflußt (Rousseau). Für die deutsche bürgerliche politische Ökonomie des 19. Jhs. ist Gesellschaft bereits die in Klassen gespaltene, in (naturgegebenen) Produktionsverhältnissen lebende Gesamtheit der Menschen. gesellschaftlich Adj. ‘gemeinschaftlich, die Gesellschaft betreffend’ (18. Jh.). Gesellschafter m. ‘Mitglied einer Gesellschaft, Vereinigung’, auch ‘Begleiter, Unterhalter’ (16. Jh.). Gesellschaftsordnung f. ‘Struktur und Gliederung der in gleichartigen ökonomischen, sozialen und politischen Verhältnissen lebenden Menschen auf einer bestimmten historischen Entwicklungsstufe’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
gesellig · ↗kontaktfreudig
Assoziationen
Synonymgruppe
entgegenkommend · ↗freundlich · gesellig · ↗soziabel · ↗umgänglich · ↗verträglich · ↗wohlwollend  ●  ↗leutselig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
bindungsfähig · ↗gemeinschaftsfähig · gemeinschaftstauglich · gesellig · ↗soziabel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abend Ausklang Beisammensein Betragen Einzelgänger Konversation Miteinander Musizieren Runde Räsonnement Singen Tanzen Tanzkreis Treffpunkt Treiben Tümmler Umtrunk Unterhaltung Veranstaltung Vereinsleben Vergnügen Vergnügung Verkehr Wesen Zeitvertreib Zusammenkunft Zusammensein lebensfroh liebenswürdig umgänglich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gesellig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ziele der AWO sind aber nicht nur gesellige Treffen in den Clubs.
Süddeutsche Zeitung, 31.10.1996
Abends versammelt man sich zu geselligem Beisammensein, dann werden diese Lieder vorgetragen, oder alle vereinen sich zu gemeinsamem Gesang.
Husmann, Heinrich: Afghanistan. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 6213
Mir erschien das ungeheuerlich, und ich lehnte es ab, dem anschließenden geselligen Beisammensein beizuwohnen.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 1121
Man sucht heute den geselligen Verkehr, um ihn überhaupt aufrecht zu erhalten, möglichst zu erleichtern.
Gleichen-Russwurm, Alexander von: Der gute Ton. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1932], S. 21573
Das Programm spannt seinen Bogen von Diskussionen über Beratungen bis hin zum geselligen Abend.
Die Welt, 10.02.2000
Zitationshilfe
„gesellig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gesellig>, abgerufen am 23.05.2019.

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