gerichtlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-richt-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›gerichtlich‹ als Letztglied: ↗außergerichtlich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
durch das Gericht
Beispiele:
die gerichtliche Leichenschau
die gerichtliche Begutachtung des Geisteszustandes
vor dem Gericht
Beispiele:
eine gerichtliche Verhandlung, Untersuchung
ein gerichtliches Verfahren einleiten
umgangssprachlich das wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben
ein gerichtlicher Sachverständiger (= Sachverständiger, der durch sein wissenschaftliches Urteil zur Rechtsfindung beiträgt)
etw. gerichtlich bezeugen, beeiden
gegen jmdn. gerichtlich vorgehen
Jura jmdn. gerichtlich belangen
Jura ein Verfahren gerichtlich anhängig machen
2.
vom Gericht, von der rechtsprechenden Behörde ausgehend
Beispiele:
eine gerichtliche Anordnung, Verordnung, Verfügung, Bestimmung, Entscheidung
ein gerichtliches Urteil, gerichtlicher Beschluss
durch Gerichtsbeschluss
Beispiele:
jmdn. gerichtlich bestrafen
er ist mehrfach gerichtlich vorbestraft
jmdn. gerichtlich für tot erklären lassen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gericht1 · gerichtlich · Gerichtsbarkeit · Gerichtshof · Gerichtsvollzieher
Gericht1 n. ‘mit der Rechtsprechung beauftragte Institution und deren Sitz’, auch ‘das Ausüben der Rechtsprechung’, ahd. girihti ‘Urteil, Gericht, Satzung, Regel’ (um 1000), mhd. geriht(e), mnd. gerichte, richte ‘Gericht, Ausübung des Richteramts, Urteilsspruch, Urteilsvollstreckung, Gerichtsbarkeit, Gerichtsbezirk’ (mhd. außerdem ‘Regierung, Reichsverwaltung’), mnl. gherechte, gherichte ‘Recht, Urteil, Gerichtssitzung’, nl. gerecht, gericht ‘Gericht, Gerichtsgebäude, Gerichtssitzung, Urteil’, aengl. gerihte ‘Recht, Pflicht, Gottesdienst, gerade Richtung’, anord. -rētti ‘Recht’ (in Zusammensetzungen wie anord. harðrētti ‘Bedrängnis, schlechte Behandlung’, jafnrētti ‘gleiches Recht’); auf anderer Bildungsweise beruht dagegen got. garaíhtei f. ‘Gerechtigkeit’. Das Neutrum (germ. *ga-rihtia-) ist wohl zunächst denominative Ableitung (s. ↗recht, ↗Recht und ↗gerecht) mit kollektivem Sinn (s. ↗ge-), wird aber früh mit dem bei ↗richten (s. d.) dargestellten Verb verbunden, das schon ahd. in der Verwendung ‘das Richteramt ausüben, Recht sprechen’ gebräuchlich ist. gerichtlich Adj. ‘vor Gericht stattfindend, durch das Gericht veranlaßt’ (15. Jh.); vgl. mnd. gerichtlīk(en), richtlīk(en) Adv. ‘mit Recht, durch Gericht’. Gerichtsbarkeit f. ‘Befugnis zur Rechtsprechung’ (16. Jh.), bis ins 18. Jh. daneben Gerichtbarkeit, gebildet zum Adjektiv frühnhd. gerichtbar ‘der Gerichtsgewalt unterworfen, gerichtlich’. Gerichtshof m. ‘aus mehreren Mitgliedern bestehendes höheres Gericht’, so seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. als Verdeutschung von frz. cour (de justice), tribunal; vorher bereits frühnhd. in der Bedeutung ‘Hof, wo Gericht gehalten wird, Gerichtsstätte’ (15. Jh.). Gerichtsvollzieher m. ‘für Zustellungen und Vollstreckungen zuständiger Gerichtsangestellter’, durch die Deutsche Zivilprozeßordnung von 1877 eingeführte Bezeichnung.

Thesaurus

Jura
Synonymgruppe
(rein) juristisch · ↗formaljuristisch · ↗formalrechtlich · gerichtlich · jur. · laut Gesetz · nach den Buchstaben des Gesetzes · nach der formellen Rechtslage · nach geltendem Recht · ↗rechtlich (gesehen) · von Rechts wegen  ●  ↗de jure  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anfechtung Anhörung Anordnung Aufarbeitung Auseinandersetzung Beweissicherungsverfahren Eilverfahren Instanz Klärung Mahnverfahren Nachprüfung Nachspiel Rechtsschutz Schritt Verfahren Verfolgung Vergleichsverfahren Vorladung Voruntersuchung anfechten angeordnet außergerichtlich bestellt bestätigt einklagen notfalls verfügt vorgehen zugelassen Überprüfung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gerichtlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bis zu einer gerichtlichen Klärung solle es bei der bisherigen Regelung bleiben.
Die Welt, 27.07.2001
Noch im vergangenen Jahr hatte Opel eine gerichtliche Klärung "der mit dem Fall verbundenen kriminellen Handlungen" gefordert.
Der Tagesspiegel, 27.07.1998
Als wir davon gehört haben, haben wir ein gerichtliches Einschreiten verlangt.
o. A.: Einhunderteinundfünfzigster Tag. Montag, 10. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 23659
Sie haben alle gerichtlichen Überprüfungen verboten und hielten es für notwendig, diese gerichtlichen Überprüfungen auszuschalten, wenn Personen in sogenannte »Schutzhaft« genommen wurden?
o. A.: Vierundachtzigster Tag. Montag, 18. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 2074
Ist es in dem Akte »Verwaltungsmäßige und gerichtliche Organisation der verbrecherischen Tätigkeit«?
o. A.: Einundfünfzigster Tag. Dienstag, 5. Februar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 7008
Zitationshilfe
„gerichtlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gerichtlich>, abgerufen am 20.10.2019.

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