gell

GrammatikAdjektiv
Aussprache
eWDG, 1967

Bedeutung

gellend
Beispiele:
ein geller Schrei, Pfiff
eine gelle Stimme
gell aufschreien, aufheulen, lachen
die Trommel- und Pfeifenmusik wird geller [R. Dehmel10,135]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gelten · Gült · Gülte · gültig · Gültigkeit · entgelten · Entgelt · unentgeltlich · vergelten · Vergeltung · gelt1 · gell(e)
gelten Vb. ‘wert sein, einen bestimmten Wert haben, gültig sein, Gültigkeit haben, angesehen, gehalten werden (für), bestimmt sein (für)’, ahd. geltan ‘(zurück)zahlen, entschädigen, opfern, wert sein’ (8. Jh.), mhd. gelten (auch ‘Einkünfte bringen’), asächs. geldan, mnd. gelden, mnl. ghelden ‘zahlen, lohnen, vergelten’, nl. gelden, afries. gelda, aengl. gieldan ‘(be)zahlen, verehren, opfern, strafen’, engl. to yield ‘als Ertrag geben, hervorbringen, ergeben, einbringen’, anord. gjalda ‘bezahlen, vergelten’, got. fragildan, usgildan ‘vergelten, erstatten’ führen auf germ. *geldan ‘erstatten, entrichten’ (zuerst auf Opferhandlungen bezogen). Diesem entsprechen aslaw. žlědǫ, žladǫ ‘zahle ab, vergelte’, aruss. želedu ‘zahle, büße’. Falls die slaw. Formen nicht aus dem Germ. entlehnt sind (was Vasmer 1, 415 für unwahrscheinlich hält), läßt sich ein nicht weiter verfolgbarer Ansatz ie. *gheldh- rechtfertigen. Mit gelten sind verwandt ↗Geld, ↗Gilde (s. d.) sowie (ablautend) Gült, Gülte f. südd. ‘Abgabe, Zins, Grundstücksertrag, Grundschuld’, schweiz. ‘Grundschuldverschreibung’, mhd. gülte ‘Schuld, Zahlung, Einkommen, Rente, Zins, Wert, Preis’, und davon abgeleitet (semantisch zunehmend von gelten beeinflußt) gültig Adj. ‘geltend, in Gebrauch befindlich, amtlich anerkannt, wirksam’, mhd. gültic ‘im Preis stehend, teuer, zu zahlen verpflichtet’, Gültigkeit f. (15. Jh.). entgelten Vb. ‘bezahlen, vergüten, entschädigen, büßen’, ahd. in(t)geltan (9. Jh.), mhd. en(t)gelten ‘für etw. zahlen, büßen’, dazu Entgelt n. ‘Lohn, Bezahlung, Vergütung für eine Arbeit oder für aufgewandte Mühe’ (15. Jh.) und unentgeltlich Adj. ‘ohne Entgelt, kostenlos, umsonst’ (um 1500). vergelten Vb. ‘vergüten, entgelten, lohnen, heimzahlen’, ahd. firgeltan (um 800), mhd. vergelten ‘zurückzahlen, zurückerstatten, heimzahlen’; Vergeltung f. ‘das Vergelten, Rache, Strafe’, ahd. firgeltunga ‘Geldzahlung für erwiesene Dienste’ (Hs. 12. Jh.), mnd. vergeldinge (1507; mhd. nicht nachgewiesen). gelt1, auch gell(e), Interjektion eine besonders im Südd., Südwestd. und Md. übliche formelhafte Äußerung, mit der man sich der Zustimmung eines anderen vergewissern will, im Sinne von ‘nicht wahr?, ja?’, spätmhd. gelte ‘es möge gelten’, eigentlich 3. Pers. Sing. Konj. Präs. von gelten, möglicherweise zuerst als Bekräftigung bei Wett- und Vertragsabschlüssen.

Thesaurus

Synonymgruppe
etwa nicht? · ja? · nicht wahr? · oder (etwa) nicht? · stimmt's?  ●  gell?  ugs., süddt. · ↗gelle  ugs., veraltend, süddt. · gelt?  ugs. · he? (regional vereinzelt)  ugs. · nicht?  ugs. · nä?  ugs., norddeutsch · näch?  ugs., ruhrdt. · oder? (norddt., süddt. verstreut)  ugs. · wa?  ugs., berlinerisch, regional, norddeutsch · was?  ugs. · woll? (Sauerland, bergisch)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
durchdringend · gellend · ↗grell · kreischend · ↗markerschütternd · ↗ohrenbetäubend · ↗schrill · sehr laut · ↗spitz (Schrei)  ●  ohrenzerreißend  fig. · gell  geh., literarisch, selten
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Schrei

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das kann man aber jetzt schon bestellen, billiger ist es dann, gell?
konkret, 1985
Ja, es stimmt, und Du gibst es auch gleich selber zu; aber es sagt sich halt so schön, gell?
o. A.: HALLO AUGSTEIN! In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1984]
Jetzt kannst du wieder angeben wie zehn nackte Neger, gell.
Walser, Martin: Ein springender Brunnen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 256
Wir konnten so noch zehn Minuten länger in der Heia bleiben, es war doch zu schön, gell, mein Schatz?
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 19.01.1945, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Aber Werth schrie gell, hemmungslos, gräßlich wie ein verwundetes Tier.
Zeitler, Andreas: Eines Mannes beste Zeit. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 68
Zitationshilfe
„gell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gell#1>, abgerufen am 17.10.2019.

Weitere Informationen …

gell

GrammatikAusruf
DWDS-Verweisartikel, 2016

Bedeutung

mitteldeutsch, süddeutsch
Synonym zu gelt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gelten · Gült · Gülte · gültig · Gültigkeit · entgelten · Entgelt · unentgeltlich · vergelten · Vergeltung · gelt1 · gell(e)
gelten Vb. ‘wert sein, einen bestimmten Wert haben, gültig sein, Gültigkeit haben, angesehen, gehalten werden (für), bestimmt sein (für)’, ahd. geltan ‘(zurück)zahlen, entschädigen, opfern, wert sein’ (8. Jh.), mhd. gelten (auch ‘Einkünfte bringen’), asächs. geldan, mnd. gelden, mnl. ghelden ‘zahlen, lohnen, vergelten’, nl. gelden, afries. gelda, aengl. gieldan ‘(be)zahlen, verehren, opfern, strafen’, engl. to yield ‘als Ertrag geben, hervorbringen, ergeben, einbringen’, anord. gjalda ‘bezahlen, vergelten’, got. fragildan, usgildan ‘vergelten, erstatten’ führen auf germ. *geldan ‘erstatten, entrichten’ (zuerst auf Opferhandlungen bezogen). Diesem entsprechen aslaw. žlědǫ, žladǫ ‘zahle ab, vergelte’, aruss. želedu ‘zahle, büße’. Falls die slaw. Formen nicht aus dem Germ. entlehnt sind (was Vasmer 1, 415 für unwahrscheinlich hält), läßt sich ein nicht weiter verfolgbarer Ansatz ie. *gheldh- rechtfertigen. Mit gelten sind verwandt ↗Geld, ↗Gilde (s. d.) sowie (ablautend) Gült, Gülte f. südd. ‘Abgabe, Zins, Grundstücksertrag, Grundschuld’, schweiz. ‘Grundschuldverschreibung’, mhd. gülte ‘Schuld, Zahlung, Einkommen, Rente, Zins, Wert, Preis’, und davon abgeleitet (semantisch zunehmend von gelten beeinflußt) gültig Adj. ‘geltend, in Gebrauch befindlich, amtlich anerkannt, wirksam’, mhd. gültic ‘im Preis stehend, teuer, zu zahlen verpflichtet’, Gültigkeit f. (15. Jh.). entgelten Vb. ‘bezahlen, vergüten, entschädigen, büßen’, ahd. in(t)geltan (9. Jh.), mhd. en(t)gelten ‘für etw. zahlen, büßen’, dazu Entgelt n. ‘Lohn, Bezahlung, Vergütung für eine Arbeit oder für aufgewandte Mühe’ (15. Jh.) und unentgeltlich Adj. ‘ohne Entgelt, kostenlos, umsonst’ (um 1500). vergelten Vb. ‘vergüten, entgelten, lohnen, heimzahlen’, ahd. firgeltan (um 800), mhd. vergelten ‘zurückzahlen, zurückerstatten, heimzahlen’; Vergeltung f. ‘das Vergelten, Rache, Strafe’, ahd. firgeltunga ‘Geldzahlung für erwiesene Dienste’ (Hs. 12. Jh.), mnd. vergeldinge (1507; mhd. nicht nachgewiesen). gelt1, auch gell(e), Interjektion eine besonders im Südd., Südwestd. und Md. übliche formelhafte Äußerung, mit der man sich der Zustimmung eines anderen vergewissern will, im Sinne von ‘nicht wahr?, ja?’, spätmhd. gelte ‘es möge gelten’, eigentlich 3. Pers. Sing. Konj. Präs. von gelten, möglicherweise zuerst als Bekräftigung bei Wett- und Vertragsabschlüssen.

Thesaurus

Synonymgruppe
etwa nicht? · ja? · nicht wahr? · oder (etwa) nicht? · stimmt's?  ●  gell?  ugs., süddt. · ↗gelle  ugs., veraltend, süddt. · gelt?  ugs. · he? (regional vereinzelt)  ugs. · nicht?  ugs. · nä?  ugs., norddeutsch · näch?  ugs., ruhrdt. · oder? (norddt., süddt. verstreut)  ugs. · wa?  ugs., berlinerisch, regional, norddeutsch · was?  ugs. · woll? (Sauerland, bergisch)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
durchdringend · gellend · ↗grell · kreischend · ↗markerschütternd · ↗ohrenbetäubend · ↗schrill · sehr laut · ↗spitz (Schrei)  ●  ohrenzerreißend  fig. · gell  geh., literarisch, selten
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Schrei

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das kann man aber jetzt schon bestellen, billiger ist es dann, gell?
konkret, 1985
Ja, es stimmt, und Du gibst es auch gleich selber zu; aber es sagt sich halt so schön, gell?
o. A.: HALLO AUGSTEIN! In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1984]
Jetzt kannst du wieder angeben wie zehn nackte Neger, gell.
Walser, Martin: Ein springender Brunnen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 256
Wir konnten so noch zehn Minuten länger in der Heia bleiben, es war doch zu schön, gell, mein Schatz?
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 19.01.1945, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Aber Werth schrie gell, hemmungslos, gräßlich wie ein verwundetes Tier.
Zeitler, Andreas: Eines Mannes beste Zeit. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 68
Zitationshilfe
„gell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gell#2>, abgerufen am 17.10.2019.

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