gekünstelt

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungge-küns-telt (computergeneriert)
Wortbildung mit ›gekünstelt‹ als Grundform: ↗künsteln
eWDG, 1967

Bedeutung

unnatürlich
Beispiele:
ein gekünsteltes Benehmen
seine Art zu reden wirkt gekünstelt
[dadurch] erhält die gesamte Darstellung einen irrealen Zug, wirkt gekünstelt [Weiskopf8,174]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kunst · künsteln · gekünstelt · erkünstelt · Künstler · künstlerisch · künstlich · Kunststück
Kunst f. ‘schöpferische und gestalterische Fähigkeit der Gesellschaft, vornehmlich ihrer mit besonderen Begabungen ausgestatteten Vertreter, Überlieferung und Produkte dieser Fähigkeit’ (nach Gattung und Epoche näher bestimmbar, vgl. Bau-, Dichtkunst, bildende Kunst, Kunst der Antike), dann auch ‘Gemachtes’ im Gegensatz zu Natur (bereits 16. Jh.), ‘industrielles Erzeugnis’ im Gegensatz zum Naturprodukt (vgl. Kunstdünger, 19. Jh., Kunsthonig, Kunstseide, Kunststoff, 20. Jh.). Als Verbalabstraktum mit sti-Suffix (s. auch ↗Gunst) zu dem unter ↗können (s. d.) dargestellten Verb ist ahd. kunst (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. kunst, mnl. const von umfassender Bedeutung und bezeichnet zunächst ‘Wissen, Kenntnis’ (vgl. mhd. nāch mīner kunst ‘soviel ich weiß’), ‘menschliche Befähigung, Fertigkeit, Kompetenz’ unabhängig von ästhetischem Anspruch (vgl. schwarze Kunst, mhd. swarze kunst, Kochkunst, 16. Jh., Staatskunst, 17. Jh., Heilkunst, 18. Jh., sowie das ist keine Kunst ‘das ist ganz einfach’). Kunst steht auch im Sinne von ‘Wissenschaft’ (vgl. die theologei sei mer ein erfarung und empfindnus dann ein kunst, 16. Jh.). Vorbereitet durch Komposita wie Malkunst (17. Jh.), das Aufkommen von Wissenschaft (s. ↗wissen) als Bezeichnung einer gelehrten Disziplin und durch den Begriff der schönen Künste, auch schöne Wissenschaften und Künste, bildet sich, gefördert durch Batteux’ Schrift „Les beaux-arts“ (1746) und das Wirken der deutschen Klassiker, die heutige Auffassung heraus. künsteln Vb. ‘Künste, Fertigkeiten ausüben, experimentieren’ (16. Jh.), ‘künstlich herstellen’ (18. Jh.). Über das 19. Jh. hinaus gültig bleibt nur das Part.adj. gekünstelt ‘unnatürlich, unecht’; vgl. auch gleichbed. erkünstelt (18. Jh.). Künstler m. ‘Schöpfer, Interpret von Kunstwerken’ (18. Jh.), zuvor ‘Gelehrter, auf einem bestimmten Gebiet Bewanderter, Kenner’ (16. Jh.), vgl. gleichbed. mhd. kunster, künster, später auch künstener; dazu künstlerisch Adj. (18. Jh.). künstlich Adj. ‘nachgemacht, nicht natürlich’, mhd. künstlich ‘Verständnis, Weisheit bekundend, klug, geschickt’; vgl. mhd. künstic, künstec, kunstic ‘mit Kunst begabt, verständig, klug’, ahd. kunstīg (9. Jh.), unkunstīg (8. Jh.). Kunststück n. ‘Meisterstück, gekonnt ausgeführte Leistung’, auch ‘Gaukelei, Zauberei’ sowie ‘Kunstwerk’ (16. Jh.).

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
aufgesetzt · gedrechselt · gekünstelt · ↗geschwollen · ↗gespreizt · gestelzt · gewunden · ↗geziert · ↗künstlich · ↗manieriert · ↗schwülstig · ↗theatralisch · ↗unecht · ↗unnatürlich · ↗überkandidelt  ●  ↗verquast  abwertend · ↗(übertrieben) bildungssprachlich  fachspr. · ↗affektiert  geh. · ↗artifiziell  geh. · ↗geschraubt  ugs. · ↗preziös  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
gefühlig · gefühlsbesoffen · gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · ↗kitschig · ↗larmoyant · ↗melodramatisch · mit reichlich Herz und Schmerz · rührstückhaft · ↗schmalzig · ↗seelenvoll · ↗sentimental · ↗theatralisch · ↗tränenselig  ●  ↗gefühlsbetont  Hauptform · ↗gefühlsduselig  ugs. · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
Assoziationen
Synonymgruppe
affig · gekünstelt · ↗geziert  ●  mit abgespreiztem kleinen Finger  fig. · ↗affektiert  geh. · ↗pretiös  geh. · ↗preziös  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Schein... · fingiert · gekünstelt · geschauspielert · gestellt · in Szene gesetzt · inszeniert · nicht echt · simuliert · vorgegaukelt · vorgespielt · vorgetäuscht · zur Schau getragen  ●  aufgesetzt  ugs. · markiert  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Empörung Geste Konstruktion Lächeln Pose Stil Ton höchst nie steif wirken wirkend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gekünstelt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ist situationsbedingt, über gekünsteltes Zeug kann ich jedenfalls nicht lachen.
Die Welt, 13.12.2004
Immer klingt es gekünstelt, wenn W. behauptet, der Tod "des Mädels" bereite ihm "schlaflose Nächte".
Süddeutsche Zeitung, 29.11.1999
Nur die gekünstelte Pracht des später angepflanzten Gartens verlangte nach Vernichtung.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 87
Für gekünstelte und ungeklärte Situationen besaß er kein Maß und nur ordinäre Worte.
Gütersloh, Albert Paris: Sonne und Mond, München: Piper 1984 [1962], S. 297
Note dieser Bezeichnung wird zur Abwertung beim Begriff »artifiziell«, der meist im Sinne von »gekünstelt« verwendet wird.
o. A.: Lexikon der Kunst - A. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 22537
Zitationshilfe
„gekünstelt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gekünstelt>, abgerufen am 21.05.2019.

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