gehandikapt

Alternative Schreibunggehandicapt
Grammatikpartizipiales Adjektiv · Komparativ: gehandikapter · Superlativ: am gehandikaptesten, Superlativ ungebräuchlich, Komparativ ungebräuchlich
Worttrennungge-han-di-kapt ● ge-han-di-capt
Grundformhandikapen
Rechtschreibregeln§ 32 (2)
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutungen

1.
dauerhaft körperlich oder geistig beeinträchtigt und hinsichtlich der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe benachteiligt
Beispiele:
Die Nationale Vereinigung der Elternverbände von geistig behinderten Personen und ihren Freunden (UNAPEI) hat M[…] aus den 200.000 gehandicapten Personen ausgesucht, die von dieser Organisation täglich begleitet werden. [Die Welt, 15.03.2017]
Neben finanziellen Vorteilen – bei der Einstellung von schwer behinderten Menschen erhalten Betriebe eine mehrjährige finanzielle Förderung […] – sind es die gehandicapten, aber hoch motivierten Mitarbeiter, die mit ihren Leistungen überzeugen. [Welt am Sonntag, 28.08.2011, Nr. 35]
2002 hatten die Ermittler einen geistig gehandicapten Mann als Tatverdächtigen präsentiert. [Der Standard, 04.07.2016]
Aus seinen Erfahrungen mit körperlich gehandikapten Skiläufern empfiehlt er das Fahren mit den Carvern […] »als Schontechnik für Senioren«. [Die Zeit, 07.02.1997, Nr. 7]
Über 450 Millionen Menschen, das heißt etwa 10 Prozent der Weltbevölkerung, sind körperlich oder geistig behindert: Kriegsopfer, von Geburt an körperlich oder geistig Geschädigte sowie anderweitig schwer gehandikapte Männer und Frauen. [Neues Deutschland, 10.02.1981]
Die Sportler werden nach ihren noch möglichen Körperfunktionen beurteilt. Je gehandicapter ich bin, desto leichter ist meine Klasse, das wissen natürlich auch die Athleten. [die tageszeitung, 10.09.1992] ungewöhnl.
2.
vorübergehend oder aufgrund besonderer Umstände beeinträchtigt
Beispiele:
[Der Sprinter Usain] Bolt, gehandicapt durch eine Oberschenkelverletzung, hatte vor den Sommerspielen mit Motivationsproblemen zu kämpfen. [Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2016]
Um die misstönenden Rachen bronchial gehandicapter Konzertbesucher zu verschließen, lässt Intendant Franz-Xaver Ohnesorg Hustenbonbons in der Philharmonie verteilen. [Die Welt, 14.12.2001]
Er [der Vorstandssprecher der Dresdner Bank] muss verhindern, dass das grüne Geldhaus, gehandicapt von der schweren Schlappe der gescheiterten Runde mit der Deutschen Bank, […] möglicherweise ganz vom Milliarden-Spiel an den Finanzmärkten ausgeschlossen wird. [Frankfurter Rundschau, 08.04.2000]
Beide [Football-]Teams gingen gehandicapt ins Finale, da sie ohne ihre […] Quarterbacks antreten mußten. [Süddeutsche Zeitung, 15.06.1998]
Das »10-Meilen-Mannschaftsrennen« mit fünf Doppelwertungen sah die westdeutsche Mannschaft Schürmann-Bintner am Start, die gehandicapt in dieses Rennen gehen mußten, weil dem Amateur Schürmann die Rennmaschine aus dem Büro der Sporthalle gestohlen worden war. [Neues Deutschland, 25.01.1950]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Handikap · handikapen · gehandikapt
Handikap n. ‘Benachteiligung, Nachteil’, Entlehnung (Ende 19. Jh.) von gleichbed. engl. handicap, eigentlich ein Pferderennen (handicap race), bei dem die stärksten Pferde belastet werden, dann mit Zeit- oder Streckenvorgabe für die schwächeren Pferde, was jeweils auf eine Benachteiligung der stärkeren hinausläuft. Danach allgemein ‘(Be)hinderung, Benachteiligung’. Weithin wird angenommen, engl. handicap gehe auf die Verbindung hand i’ cap (hand in cap) zurück, eine Aufforderung, in einer Art ‘Lotterie’ (so das früheste engl. Zeugnis, 17. Jh.) gesetztes Geld (oder Wertsachen) in eine Mütze zu geben, aus der anschließend eine Verteilung durch den Schiedsrichter erfolgt. Dagegen erklärt Knobloch in: Sprachwiss. 16 (1991) 95 ff. engl. handicap im Sinne von ‘körperliche Behinderung’ als Wiedergabe von mlat. manucaptus ‘mit der Hand ergriffen’, und zwar im Sinne einer Gefangennahme oder als Rechtsausdruck der Eigentumserwerbung durch Handauflegen. Vgl. lat. manceps ‘Aufkäufer, Pächter, Besitzer’, eigentlich ‘Erwerber von Eigentum (Beute) durch Griff mit der Hand (im Krieg)’, lat. mancipium ‘Eigentumserwerbung, durch Auflegen der Hand (im Kriege als Beute) erworbener Sklave’. Engl. handicap wäre nach dieser Deutung zunächst die Verfügungsgewalt des Schiedsrichters über Wetteinsätze, dann über die Rennpferde und ihre vorzunehmende Belastung, schließlich die ‘(körperliche) Behinderung’. handikapen Vb. ‘jmdm. ein Handikap, eine Benachteiligung auferlegen’, engl. to handicap; meist jedoch als Part.adj. gehandikapt ‘behindert, benachteiligt’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
behindert · eingeschränkt  ●  gehandicapt  ugs. · gehandikapt  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Mensch mit Behinderung · Person mit Behinderung · behinderte Person  ●  ↗Behinderte  weibl. · Behinderter  männl. · behinderter Mensch  Hauptform · ↗Krüppel  derb, abwertend
Zitationshilfe
„gehandikapt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gehandikapt>, abgerufen am 18.10.2019.

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