gefasst

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungge-fasst
Grundformfassen
Ungültige Schreibunggefaßt
Rechtschreibregeln§ 2
Wortbildung mit ›gefasst‹ als Erstglied: ↗Gefasstheit
eWDG, 1967

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von fassen (Lesart 9)
1.
trotz großer (bevorstehender) Gefahr, seelischer Not beherrscht und gesammelt
Beispiele:
sie war gefasst und zuversichtlich
er fand sie gefasst, als er ihr die Nachricht überbrachte
er nahm gefasst, in gefasster Haltung das Urteil entgegen
er starb gefasst und stolz
er sprach mit gefasster Stimme
2.
auf etw. gefasst seinauf etw. vorbereitet sein, mit etw. rechnen
Beispiele:
auf das Schlimmste gefasst sein
der Flüchtige war auf Schüsse, einen Anruf gefasst
er war nicht gleich darauf gefasst
wir sind auf alles gefasst
dabei war ich ja gefaßt darauf, daß sie […] mich in Grund und Boden verflucht [FrischHomo faber194]
umgangssprachlich sich auf etw. gefasst machen (= sich auf etw. seelisch einstellen, vorbereiten)
Beispiele:
machen Sie sich auf einiges gefasst!
der kann sich auf was gefasst machen, wenn er mir noch mal über den Weg läuft!
sich auf allerhand gefasst machen
Ssidor kann sich sonst auf Sibirien gefaßt machen [BrechtMutter2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fassen · faßlich · faßbar · unfaßlich · unfaßbar · gefaßt · Fassung · fassungslos · abfassen · befassen · erfassen · einfassen · Einfassung · umfassen · umfassend
fassen Vb. ‘(mit der Hand) ergreifen, in Gewahrsam nehmen, enthalten, eine Fassung, Umrahmung geben, sich innerlich zu eigen machen, begreifen’, reflexiv ‘die Selbstbeherrschung (wieder)erlangen’, ahd. faʒʒōn ‘in ein Gefäß füllen, gießen, beladen, bepacken, mit etw. bekleiden’ (9./10. Jh.), mhd. vaʒʒen ‘ergreifen, zusammenpacken, aufladen, überziehen mit etw., rüsten, kleiden, schmücken’, mnd. mnl. vāten, vatten, nl. vatten, anord. fata ‘lose zusamenfügen’ ist wohl zu einem in ahd. faʒʒa ‘Bündel, Bürde, Gepäck, Last’ (um 800), anord. fata ‘Kanne, Bütte’ belegten Substantiv gebildet und gehört daher etymologisch zu ↗Faß (s. d.); vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 12. Ausgangsbedeutung ist ‘(in ein Gefäß) füllen, umhüllen, bekleiden’, die in den heute vielfältigen Verwendungsweisen sowie in den meisten Ableitungen und Komposita noch erkennbar ist. faßlich Adj. (17. Jh.), faßbar Adj. (19. Jh.) ‘gut verständlich, einprägsam, konkret’; unfaßlich Adj. (16. Jh.), unfaßbar Adj. (17. Jh.) ‘das geistige Fassungsvermögen übersteigend, absurd’; gefaßt Part.adj. ‘innerlich gerüstet, beherrscht, gelassen’ (16. Jh.). Fassung f. ‘Umrahmung, Vorlage, Version, Selbstbeherrschung’, ahd. faʒʒunga ‘Last, Ladung’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vaʒʒunge ‘Faß, Bekleidung, Schmuck’; fassungslos Adj. ‘bestürzt, außer sich’ (19. Jh.). abfassen Vb. ‘in Schriftform bringen, konzipieren’ (17. Jh.), ‘abfangen, festnehmen’ (19. Jh.). befassen Vb. mhd. bevaʒʒen ‘besetzen, befestigen’, später (bis zum 17. Jh.) ‘mit den Händen begreifen, umfassen, einschließen, erfassen’, heute meist reflexiv sich mit etw. befassen ‘beschäftigen’ (18. Jh.). erfassen Vb. ‘ergreifen, begreifen, registrieren’ (17. Jh.). einfassen Vb. ‘umgeben, umschließen, einfüllen’, mhd. īnvaʒʒen; Einfassung f. ‘Einrahmung’ (16. Jh.). umfassen Vb. ‘(mit den Armen) umfangen, einschließen’ (15. Jh.); umfassend Adj. ‘weitreichend, universal’ (18. Jh.). Ferner s. ↗verfassen.

Thesaurus

Synonymgruppe
gefasst · ↗gleichmütig · ↗kaltblütig · ↗kühl · ↗nervenstark · nicht aus der Ruhe zu bringen · ↗ruhig · ↗seelenruhig · ↗stoisch · ↗unaufgeregt · ↗unerschütterlich · ↗ungerührt  ●  ohne mit der Wimper zu zucken  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beschluß Definition Edelstein Eigentümerbeschluß Entschließung Entschluß Geldmengenaggregat Grundsatzbeschluß Holzskulptur Index Kabinettsbeschluß Mörder Parteitagsbeschluß Resolution Senatsbeschluß Sparbeschluß Stadtratsbeschluß Terrorverdächtige Täter Vorsatz Vorstandsbeschluß breit einmütig einstimmig eng farbig kürzlich mehrheitlich polychrom ruhig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gefasst‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie nahm einen Ring mit einem einfach gefaßten blauen Stein heraus.
Suter, Martin: Lila, Lila, Zürich: Diogenes 2004, S. 229
Man müsse sich jederzeit auf umfangreiche Verkäufe gefasst machen, sagte ein technischer Analyst.
Süddeutsche Zeitung, 25.01.2000
Am Abend sei die Mutter "gefasst", der Vater dagegen "sehr betroffen" gewesen.
Der Tagesspiegel, 02.11.1999
Ihn verlangte nur nach Ruhe für die neue Arbeit, für den eben erst gefaßten Plan.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 278
Diese einmal gefaßte Stellung verschließt ihm auch das Verständnis der Huygensschen Arbeiten.
Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630
Zitationshilfe
„gefasst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gefasst>, abgerufen am 15.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Gefäßsystem
Gefäßstütze
Gefäßscherbe
gefäßreich
Gefäßprothese
Gefasstheit
gefäßverengend
Gefäßverengerung
Gefäßverengung
Gefäßverschluss