gefügig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungge-fü-gig
Wortbildung mit ›gefügig‹ als Erstglied: ↗Gefügigkeit  ·  mit ›gefügig‹ als Letztglied: ↗ungefügig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
bereit, auf Wünsche, Forderungen anderer einzugehen
Beispiele:
er ist ein gefügiger Mensch, ist in allem gefügig
jmdn. seinen Wünschen, sich [Dativ] gefügig machen
jmdn. durch Drohungen, Versprechungen gefügig machen
verhüllend er hat sie sich [Dativ] gegen ihren Willen gefügig gemacht (= er hat sie vergewaltigt)
er wurde bald gefügig, als man ihm drohte
er war ein gefügiges Werkzeug in den Händen des Herrschers
2.
veraltet willkommen
Beispiel:
Der Gast, den ein so gefügiges Mißgeschick hier festgehalten [Th. MannTod in Venedig9,499]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fügen · fugen · verfügen · Verfügung · Fuge2 · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge
fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit ↗Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). Fuge2 f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

Thesaurus

Synonymgruppe
biegsam · gefügig · ↗weich
Synonymgruppe
bereitwillig · ↗demutsvoll · ↗demütig · ↗ergeben · ↗fügsam · gefügig · guten Willens · ↗gutwillig · ↗kooperativ · voller Demut · ↗willig  ●  ↗willfährig  abwertend
Assoziationen
Synonymgruppe
anständig · ↗artig · ↗brav · ↗folgsam · ↗fügsam · gefügig · ↗gehorsam · konditioniert  ●  ↗fromm (Pferd)  veraltend · ↗lieb  Kindersprache
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Diener Handlanger Instrument Material Nachfolger Werkzeug abhängig brav gemacht machen unterordnen weich weniger willenlos willig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gefügig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber sie wird schon ein paar Wege wissen, ihn gefügig zu halten.
Der Tagesspiegel, 10.11.2001
Auch "privat" macht sie sich die Männer mit Sex gefügig.
Bild, 21.10.1997
Die Wahlen zur zweiten Duma erbrachten eine noch weniger gefügige Mehrheit.
Meyer, Henry Cord: Das Zeitalter des Imperialismus. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 4641
Du stimmtest mich mit deiner Musik auf die Welt da draußen ein, machtest mich gefügig.
Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 28
Sie können aggressiv kämpfen oder sich ihre Gegner durch Drohungen gefügig machen.
Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 59
Zitationshilfe
„gefügig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gefügig>, abgerufen am 19.04.2019.

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