gar

GrammatikAdjektiv (in Verbindung mit »sein«)
Aussprache
Wortbildung mit ›gar‹ als Erstglied: ↗Garkoch · ↗Garküche  ·  mit ›gar‹ als Letztglied: ↗halbgar · ↗ungar
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gut durchgekocht, durchgebraten, durchgebacken
Beispiele:
das Gemüse ist gar
das Fleisch ist noch nicht, erst halb gar (= weich)
die Kartoffeln können abgegossen werden, sie sind gar
ist der Kuchen schon gar?
2.
Landwirtschaft der Boden ist garder Boden zeigt die günstigsten physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften
Beispiel:
der Kompost ist gar und streufertig, wenn alles von oben bis unten gleichmäßig verrottet ist
3.
süddeutsch, österreichisch zu Ende
Beispiele:
das Brot, die Milch ist gar
»... Es [das Geld] war bald gar [BrechtDreigroschenroman495]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gar · Garaus · Garküche · Garkoch
gar Adj. ‘fertig gekocht, gebraten, gebacken, fertig zubereitet’, Adv. (verstärkend) ‘überhaupt, durchaus, sogar, vollends, sehr’, ahd. garo (8. Jh., flektiert garawēr), mhd. gar(e) (garewer, garwer) ‘bereit (gemacht), gerüstet, vollständig, ganz’, asächs. garu, mnd. gār(e), mnl. gaer, nl. gaar, aengl. gearo, gearu ‘bereit, fertig, gerüstet’, engl. (mundartlich) yare ‘eifrig, fertig, bereit’, anord. gǫrr und gerr, gjǫrr, gørr ‘bereit, geneigt, gerüstet’ führen auf germ. *garwa- ‘fertig, bereit’. Die weitere Herkunft ist ungewiß. Man hat das Adjektiv aus einer Präfixbildung germ. *gaarwa- erklärt und zu asächs. aru ‘bereit, reif’, aengl. earu ‘bereit, fertig, gerüstet’, anord. ǫrr ‘rasch, freigebig, milde’ gestellt, die auf eine der Varianten (hier *ereu-) der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. auch ↗rennen, ↗rinnen, ↗rieseln) zurückgehen. Nimmt man dagegen eine (allerdings nicht gesicherte) Grundbedeutung ‘zubereitet, gekocht’ an, so läßt sich aind. háraḥ ‘Flamme, Glut’, gharmáḥ ‘Glut, Hitze’, griech. thermós (θερμός) ‘warm’, lat. formus ‘wȧrm’, aslaw. gorěti, russ. gorét’ (гореть) ‘brennen’ vergleichen, zu einer Wurzel ie. *gu̯her- ‘heiß, warm’ (vgl. de Vries Nl. 179). S. dazu das abgeleitete, unter ↗gerben behandelte Verb. Garaus m. nur in der Wendung jmdm. den Garaus machen ‘jmdn. töten, vernichten’, aus gar aus ‘vollständig aus, vorbei’, wohl nach dem Ruf des Wächters, mit dem in Nürnberg und Regensburg um 1500 Polizeistunde geboten wird, danach auf das Tagesende und den das Ende des Tages anzeigenden Glockenschlag übertragen. Garküche f. ‘öffentliche Küche, Speisewirtschaft, in der warme Speisen verkauft werden’, Garkoch m. ‘Inhaber einer Garküche’ (beide um 1500).

Thesaurus

Synonymgruppe
gar · ↗schier · ↗überhaupt
Assoziationen
Synonymgruppe
aufgebraucht · ↗leer · nicht mehr da · zu Ende gegangen  ●  ↗alle  ugs. · ↗aus  ugs. · es gibt kein (...) mehr  ugs. · es hat kein (...) mehr  ugs., süddt. · gar  ugs., bair., fränk. · ist kein (...) mehr da  ugs. · nichts mehr da an  ugs. · zur Neige gegangen  geh.
Assoziationen
  • abgelaufen · beendet · es war einmal (und ist nicht mehr) · gelaufen · ↗gewesen · ↗herum · ↗passé · vergangen · ↗vorbei · vorbei (sein) mit · ↗vorüber  ●  ↗passee  alte Schreibung bis 2017 · tot und begraben (z.B. Hoffnungen)  fig. · Essig (sein) mit  ugs. · aus (sein) mit  ugs. · aus und vorbei  ugs. · ↗dahin  geh. · das war (ein)mal  ugs. · rum  ugs. · ↗verflossen  ugs.
  • (restlos) ausverkauft · abverkauft · geräumt (Lager) · nicht länger im Angebot · nicht mehr am Lager (kaufm.) · nicht mehr am Markt (kaufm.) · nicht mehr erhältlich · nicht mehr vorrätig · nicht mehr zu haben · ↗vergriffen (Buch) · ↗weg

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fleisch Kartoffel Maritime Zustand halb nicht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gar‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In solch einer Situation bleibt einem gar nichts anderes übrig, sonst spart man sich kaputt.
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2003
Sie dürfen ihn niemals zu lange garen oder zu trocken braten.
Bild, 07.04.2001
Die garen Nieren in Scheibchen schneiden und in der Soße nochmals kurz aufwallen lassen.
o. A.: Wir kochen gut, Leipzig: Verl. für d. Frau 1968 [1963], S. 86
Mit dem Besteck am Platz wird das gare Fleisch in die bereitstehende Soße gestippt und genüßlich verzehrt.
Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 90
Sie pfiff, ohne ein Lied zu meinen, und scharrte mit dem Haselstock die erste gare Kartoffel aus der Asche.
Grass, Günter: Die Blechtrommel, Darmstadt: Luchterhand 1959, S. 11
Zitationshilfe
„gar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gar#1>, abgerufen am 17.06.2019.

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gar

GrammatikAdverb
Aussprache
Wortbildung mit ›gar‹ als Erstglied: ↗Garaus · ↗Garnichts  ·  mit ›gar‹ als Letztglied: ↗sogar
eWDG, 1967

Bedeutungen

I.
1.
verstärkt eine Verneinung   überhaupt
Beispiele:
er war gar nicht böse, war gar nicht verwirrt, konnte gar nicht anders handeln
das ist gar nicht wahr, gar nicht auszudenken
genierst du dich gar nicht?
Verpflichtungen sollte man entweder ganz oder gar nicht erfüllen
er hat gar nichts gesagt
du weißt am Ende noch gar nichts?
sie machte gar keine Einwände
auf gar keinen Fall
davon kann gar keine Rede sein
gar niemand kam
sie hatten sich gar nie gesehen
ganz und garin verstärkter Bedeutung
Beispiele:
das gefällt mir ganz und gar nicht
das klingt alles sehr plausibel und ist doch ganz und gar nicht wahr
du hast ganz und gar keinen Grund, missmutig zu sein
2.
im positiven Satz
ganz und garvöllig, gänzlich
Beispiele:
er hat ganz und gar versagt
etwas ist ganz und gar aus der Luft gegriffen
die Wohnung verkommt ganz und gar
das Ziel lag vor ihr in einem ganz und gar unbestimmten Zeitraum
salopp du bist wohl ganz und gar übergeschnappt
3.
umgangssprachlich sogar, darüber hinaus
Beispiele:
der eine ist nicht sehr klug, der andere gar dumm
eine örtliche Zeitung setzte sich gar für den Übeltäter ein
ich glaube, du bedauerst sie noch gar
daß es gegen alle Gepflogenheiten Roms ging, die Götter ... in ihren Kulten einzuschränken, abzuschaffen oder gar hinzurichten [Lernet-HoleniaGraf53]
Heiße Magister, heiße Doktor gar [GoetheFaustI 360]
4.
süddeutsch, österreichisch, schweizerisch so (sehr)
Beispiele:
ich bin gar glücklich
das schmeckt gar gut
das Haus lag nicht gar weit vom Wasser entfernt
er war mir ein gar willkommener Gast
sie erhielt einen gar zärtlichen Brief
das klingt so gar unglaublich
so gar steil geht es bergan
Gar vergnügt eilte die Bäuerin her [G. KellerKleider machen Leute6,329]
»gar« kann von seinem Bezugswort getrennt werden
Beispiele:
dieser Mensch ist gar so gut
die Frau hat gar einen feinen Geruch
II.
partikelhaft
ohne eigentliche Bedeutung; intensivierend; satzbelebend
1.
verstärkt eine Vermutung
Beispiele:
er wird doch nicht gar verunglückt sein?
sie wird doch nicht gar fortgelaufen sein?
da bist du wohl gar die neue Schülerin?
hab ich wieder laut gedacht und dich möglicherweise gar laut geduzt [BöllBillard33]
2.
verstärkt das steigernde »zu«
Beispiele:
er wäre gar zu gern dabeigewesen, hätte es gar zu gern gewusst
die Welt ist gar zu weit
ich bin gar zu froh (= sehr froh) darüber
sie stellten gar zu große Ansprüche
gar zu viele Leute waren da
3.
steht für steigerndes »erst« oder verstärkt es
Beispiele:
die Mäuse sind schlimm genug, und gar die Ratten
der Mann ist schon unangenehm genug, und gar (erst) die Frau
die [Bildung von Kurzwörtern] war seit dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, und nur gar (= erst recht) seit dem ersten Weltkrieg, bereits überall im Schwang [KlempererLTI99]
4.
verstärkt eine Behauptung   wirklich, tatsächlich, ja
Beispiele:
du stellst dich gar, als ob du mich nicht mehr kenntest
dieser Mensch ist gar zu allem fähig
5.
umgangssprachlich warum nicht garabweisend; drückt ungläubiges Erstaunen aus
Beispiele:
»du weinst? Ich glaube gar(= »du weinst? Aber nicht doch!«)
Ein paar Zeitungen hatten es zum Kichern gefunden, daß wir hier zusammenträfen, denn wir könnten einander nicht riechen. Warum nicht gar? (= warum denn nicht?) [Th. Mann12,22]
»so mußt du mich als deinen Gesellen anmelden.« »Warum nicht gar (= das geht doch nicht) [Hesse3,13]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gar · Garaus · Garküche · Garkoch
gar Adj. ‘fertig gekocht, gebraten, gebacken, fertig zubereitet’, Adv. (verstärkend) ‘überhaupt, durchaus, sogar, vollends, sehr’, ahd. garo (8. Jh., flektiert garawēr), mhd. gar(e) (garewer, garwer) ‘bereit (gemacht), gerüstet, vollständig, ganz’, asächs. garu, mnd. gār(e), mnl. gaer, nl. gaar, aengl. gearo, gearu ‘bereit, fertig, gerüstet’, engl. (mundartlich) yare ‘eifrig, fertig, bereit’, anord. gǫrr und gerr, gjǫrr, gørr ‘bereit, geneigt, gerüstet’ führen auf germ. *garwa- ‘fertig, bereit’. Die weitere Herkunft ist ungewiß. Man hat das Adjektiv aus einer Präfixbildung germ. *gaarwa- erklärt und zu asächs. aru ‘bereit, reif’, aengl. earu ‘bereit, fertig, gerüstet’, anord. ǫrr ‘rasch, freigebig, milde’ gestellt, die auf eine der Varianten (hier *ereu-) der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. auch ↗rennen, ↗rinnen, ↗rieseln) zurückgehen. Nimmt man dagegen eine (allerdings nicht gesicherte) Grundbedeutung ‘zubereitet, gekocht’ an, so läßt sich aind. háraḥ ‘Flamme, Glut’, gharmáḥ ‘Glut, Hitze’, griech. thermós (θερμός) ‘warm’, lat. formus ‘wȧrm’, aslaw. gorěti, russ. gorét’ (гореть) ‘brennen’ vergleichen, zu einer Wurzel ie. *gu̯her- ‘heiß, warm’ (vgl. de Vries Nl. 179). S. dazu das abgeleitete, unter ↗gerben behandelte Verb. Garaus m. nur in der Wendung jmdm. den Garaus machen ‘jmdn. töten, vernichten’, aus gar aus ‘vollständig aus, vorbei’, wohl nach dem Ruf des Wächters, mit dem in Nürnberg und Regensburg um 1500 Polizeistunde geboten wird, danach auf das Tagesende und den das Ende des Tages anzeigenden Glockenschlag übertragen. Garküche f. ‘öffentliche Küche, Speisewirtschaft, in der warme Speisen verkauft werden’, Garkoch m. ‘Inhaber einer Garküche’ (beide um 1500).

Thesaurus

Synonymgruppe
gar · ↗schier · ↗überhaupt
Assoziationen
Synonymgruppe
aufgebraucht · ↗leer · nicht mehr da · zu Ende gegangen  ●  ↗alle  ugs. · ↗aus  ugs. · es gibt kein (...) mehr  ugs. · es hat kein (...) mehr  ugs., süddt. · gar  ugs., bair., fränk. · ist kein (...) mehr da  ugs. · nichts mehr da an  ugs. · zur Neige gegangen  geh.
Assoziationen
  • abgelaufen · beendet · es war einmal (und ist nicht mehr) · gelaufen · ↗gewesen · ↗herum · ↗passé · vergangen · ↗vorbei · vorbei (sein) mit · ↗vorüber  ●  ↗passee  alte Schreibung bis 2017 · tot und begraben (z.B. Hoffnungen)  fig. · Essig (sein) mit  ugs. · aus (sein) mit  ugs. · aus und vorbei  ugs. · ↗dahin  geh. · das war (ein)mal  ugs. · rum  ugs. · ↗verflossen  ugs.
  • (restlos) ausverkauft · abverkauft · geräumt (Lager) · nicht länger im Angebot · nicht mehr am Lager (kaufm.) · nicht mehr am Markt (kaufm.) · nicht mehr erhältlich · nicht mehr vorrätig · nicht mehr zu haben · ↗vergriffen (Buch) · ↗weg

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fleisch Kartoffel Maritime Zustand halb nicht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gar‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In solch einer Situation bleibt einem gar nichts anderes übrig, sonst spart man sich kaputt.
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2003
Sie dürfen ihn niemals zu lange garen oder zu trocken braten.
Bild, 07.04.2001
Die garen Nieren in Scheibchen schneiden und in der Soße nochmals kurz aufwallen lassen.
o. A.: Wir kochen gut, Leipzig: Verl. für d. Frau 1968 [1963], S. 86
Mit dem Besteck am Platz wird das gare Fleisch in die bereitstehende Soße gestippt und genüßlich verzehrt.
Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 90
Sie pfiff, ohne ein Lied zu meinen, und scharrte mit dem Haselstock die erste gare Kartoffel aus der Asche.
Grass, Günter: Die Blechtrommel, Darmstadt: Luchterhand 1959, S. 11
Zitationshilfe
„gar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gar#2>, abgerufen am 17.06.2019.

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