gabeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungga-beln (computergeneriert)
Wortbildung mit ›gabeln‹ als Erstglied: ↗Gabelung  ·  mit ›gabeln‹ als Letztglied: ↗abgabeln · ↗aufgabeln · ↗ausgabeln · ↗weggabeln · ↗zusammengabeln
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. gabelt sichetw. teilt sich in Arme, verzweigt sich
Beispiele:
der Weg gabelt sich
etwas weiter gabelt sich die Autobahn wieder in ihre zwei Hälften
ein gegabelter Ast
die Männer hatten lange gegabelte Stöcke bei sich
übertragen
Beispiel:
der Unterricht gabelt sich in den höheren Klassen in einen sprachlichen und einen mathematischen Zweig
2.
landschaftlich etw. mit der Gabel verrichten
a)
mit der Gabel essen
Beispiele:
sie begannen behaglich zu löffeln und zu gabeln
lobte er ihre Kochkunst und gabelte munter weiter [O. M. GrafBolwieser111]
etw. auf die Gabel nehmen, spießen
Beispiele:
das Fleisch aus der Suppe gabeln
[er] gabelte sie [die Bratwürste] auf seinen Stecken [BuschSumma summarum115]
b)
etw. mit der Gabel aufladen oder abladen
Beispiele:
Heu, Stroh gabeln
auf der Tenne gabelte er die Garben vom Wagen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gabel · gabeln · Gabelung · aufgabeln · Gabelfrühstück · Gabelstapler · Gabler
Gabel f. ‘zwei- oder mehrzinkiges Gerät zum Essen und zum Heben und Wenden in der Landwirtschaft’, übertragen auf verschiedene Dinge, die einer Gabel ähnlich sind. Das westgerm. Wort ahd. gabala ‘zwei- oder mehrzinkige Gabel’ (9. Jh.), mhd. gabel(e), asächs. gaƀala, gaflia ‘Gabel’, mnd. gaffel(e) ‘große hölzerne oder eiserne Gabel, Kornforke’, mnl. gaffel(e), gavel(e), nl. gaffel ‘Heu-, Mistgabel’ (s. ↗Gaffel), aengl. gafol, geafol ‘Gabel, Forke’ (germ. *gablō) führt mit den kelt. Verwandten air. gabul ‘gegabelter Ast, Gabel, Gabelungspunkt der Schenkel’, kymr. gafl, bret. gavl, gaol (aus dieser kelt. Gruppe ist lat. gabalus ‘gabelförmiger Galgen’ entlehnt) auf ie. *ghabh(o)lo-, -lā ‘Astgabel, Gabelung, Gabel’. In der Frühzeit ist die Gabel ein starker, gegabelter Ast, der zu verschiedenen Arbeiten in der Landwirtschaft Verwendung findet und der später im Gefolge des Handels mit den Römern durch die eiserne Gabel (s. ↗Forke) ersetzt wird; vgl. ahd. gart-, īsarn-, mistgabala. Die Gabel als Tischgerät begegnet zufrühst in Konstantinopel, findet bald darauf an italienischen Höfen Verwendung und verbreitet sich von dort in Europa. Sie dient zunächst zum Vorlegen der Speisen, gegen Ende des Mittelalters wird sie in beschränktem Umfange auch zum Essen verwendet; allgemein vertraut mit ihr wird man erst im 17. Jh. gabeln Vb. ‘(Heu) mit der Gabel auf- oder abladen’ (15. Jh.), ‘mit der Gabel essen’ (17. Jh.); reflexive Verwendung ‘sich verzweigen’ zuerst im Bergbau (von Gängen) und in der Geographie (von Flüssen); dazu Gabelung f. ‘Abzweigung, Teilung in zwei oder mehrere Arme’ (1. Hälfte 19. Jh.). aufgabeln Vb. ‘auf eine Gabel spießen, entdecken, finden’ (17. Jh.). Gabelfrühstück n. ‘reichhaltiges, Fleisch enthaltendes zweites Frühstück’ (1. Hälfte 19. Jh.), nach gleichbed. frz. déjeuner à la fourchette. Gabelstapler m. ‘kleines Fahrzeug mit einer gabelartigen Vorrichtung zum Fassen, Heben und Befördern von Lasten’ (Mitte 20. Jh.). Gabler m. ‘Hirsch, Elch, Rehbock mit zwei Enden an jeder Stange’ (Anfang 18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ast Straße Weg auf aufgabeln links

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gabeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Etwa 200 bis 300 Meter weiter gabelt sich der Weg noch einmal.
Die Zeit, 20.03.1981, Nr. 13
Die Routen gabeln sich und am Ende warten zwölf so genannte Geschenkwarte an ihren geheimen Plätzen auf die Teilnehmer.
Süddeutsche Zeitung, 10.11.2003
Die Wege gabeln sich an der Hauptverzweigung des proletarischen Realismus.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 139
So führte eine Handelsstraße die Elbe stromaufwärts und gabelte sich an der Mündung der Saale.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 179
Die Schwingen sind hart, schmal und zu Stromlinien gekrümmt, die Schwänze, tief gegabelt, stecken Antennen auf.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 456
Zitationshilfe
„gabeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gabeln>, abgerufen am 23.08.2019.

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