gütlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggüt-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›gütlich‹ als Erstglied: ↗Gütlichkeit
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
im Guten, in Güte, ohne Streit
Beispiele:
sie hatten sich gütlich geeinigt, gingen gütlich auseinander
gütlich mit jmdm. verhandeln
einen Streit gütlich beilegen, lösen, beenden
etw. gütlich regeln
eine gütliche Einigung, Lösung
ein gütlicher Vergleich
gütliche Verhandlungen
ob er gütlich in die Scheidung willige [Feuchtw.Söhne155]
2.
umgangssprachlich sich an etw. gütlich tunreichlich von etw. nehmen, sich an etw. gehörig erquicken, eine Güte tun
Beispiele:
er tat sich an den mitgebrachten Leckerbissen gütlich
sie wollten sich daran gütlich tun
während wir im Zelt hockten und uns an Suppe und Rum gütlich taten [NossackSpirale361]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gut · Gut · Güte · vergüten · Vergütung · begütert · gütig · begütigen · gütlich · Gutachten · Gutdünken · Guthaben · gutheißen · gutmütig · Gutschein · gutwillig
gut Adj. ahd. (8. Jh.), mhd. guot, asächs. aengl. gōd, mnd. gōt, engl. good, mnl. goet, nl. goed, afries. god, anord. gōðr, schwed. dän. god, got. gōþs (germ. *gōda-) gehört ablautend zu der unter ↗Gatte (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *ghadh- ‘vereinigen, eng verbunden sein, zusammenpassen’ (vgl. auch aind. gádhyaḥ ‘was man gerne festhält, was einem paßt’, aslaw. godьnъ ‘gefällig, geeignet’ sowie ahd. gigat ‘passend’). Als Ausgangsbedeutung von germ. *gōda- wird danach etwa ‘passend, geeignet’ anzusetzen sein. Das Wort zeigt, teils schon in sehr früher Zeit, eine reiche Bedeutungsentwicklung, die, von ‘passend’ ausgehend, zunächst zu ‘für einen Zweck geeignet, tauglich, brauchbar’, in spezifischer Anwendung auf Personen ‘tüchtig, geschickt’ führt. Aus dem Begriff des Geeignetseins für einen bestimmten Zweck entwickelt sich gut zum Wertbegriff im Sinne von ‘wertvoll, kostbar, hochwertig, qualitativ einwandfrei’ (bei Sachen), ‘vornehm, edel, angesehen, ehrlich’ (auf Personen oder deren Verhältnisse bezogen), ferner zum Ausdruck des Wohlgefallens, der Freude, die jemand an einer Sache oder einem Zustand hat, wird also zu ‘angenehm, bequem, vorteilhaft, erfreulich, fein, schön’. Aus ‘passend, geeignet’ entwickelt sich auch, gleichfalls schon in ältester Zeit, die Bedeutung ‘geneigt, wohlmeinend, freundlich, gefällig, gütig’; in allgemeiner ethischer Verwendung steht gut im Sinne von ‘rechtschaffen, tugendhaft, anständig’. gut wird auch zur Bezeichnung von Mengen- oder Maßangaben im Sinne von ‘richtig, ordentlich’ verwendet, woraus sich ‘reichlich, beträchtlich’ (eine gute Stunde, gute acht Tage) ergibt; schließlich kann gut als Mittel der Steigerung etwa im Sinne von ‘tüchtig, gehörig, völlig’ (ich habe gute Lust, in gutem Einvernehmen) gebraucht werden. Gut n. ‘Besitz, Vermögen, versandfertige Ware, Ladung, Material, Stoff für einen bestimmten Arbeitsprozeß (Saat-, Steingut), größerer landwirtschaftlicher Betrieb’, ahd. guot ‘Gutes, Vermögen, Besitz’ (8. Jh.), mhd. guot, auch ‘Landgut’, asächs. aengl. gōd, anord. gott, Substantivierungen des Adjektivs. Güte f. ‘hilfreiche, großherzige Gesinnung, Nachsicht, Freundlichkeit, gute Beschaffenheit, Qualität (einer Ware)’, ahd. guotī (9. Jh.), mhd. güete, asächs. gōdi. vergüten Vb. ‘entschädigen, zurückerstatten, die Güte, Beschaffenheit verbessern’, spätmhd. vergüeten ‘entschädigen, auf Zinsen anlegen’; dazu Vergütung f. (18. Jh.). begütert Adj. ‘mit Gütern, Reichtum ausgestattet, reich, wohlhabend’ (16. Jh.). gütig Adj. ‘voller Güte, hilfreich und verzeihend’, mhd. güetec. begütigen Vb. ‘gut zureden, besänftigen, beschwichtigen’ (15. Jh.). gütlich Adj. ‘in gutem Einvernehmen, ohne Streit, friedlich’, ahd. guotlīh ‘gut, heilbringend, segensreich’ (8. Jh.), mhd. guotlich, güetlich ‘gut, gütig, freundlich’. Gutachten n. ‘ausführlich begründete Stellungnahme eines Sachverständigen’ (Anfang 16. Jh.), substantivierte Zusammenrückung aus etw. für gut achten. Gutdünken n. ‘eigenes, persönliches Ermessen’, spätmhd. guotdunken, Substantivbildung aus Verbindungen wie eʒ dunket mich guot. Guthaben n. ‘worauf man Anspruch hat, zur Verfügung stehendes (gespartes) Geld, geldliche Forderung an jmdn.’ (um 1800), Substantivierung aus etw. gut haben (heute guthaben) ‘etw. zu fordern haben’. gutheißen Vb. ‘für gut befinden, billigen’ (16. Jh.), Zusammenrückung aus etw. gut heißen. gutmütig Adj. ‘von guter Gemütsart, nicht streitsüchtig, leicht zu beeindrucken, mitleidig’ (15. Jh.). Gutschein m. ‘Schein über ein Guthaben in Waren oder Geld’ (19. Jh.), Verdeutschung für ↗Bon (s. d.). gutwillig Adj. ‘guten Willen zeigend, gefügig’, ahd. guotwillīg (um 1000), mhd. guotwillic.

Thesaurus

Synonymgruppe
amikal · ↗friedfertig · ↗friedlich · ↗friedliebend · ↗geruhsam · ↗gewaltfrei · ↗gewaltlos · ↗gütig · gütlich · ↗herzensgut · ohne Gewalt · ↗sanft · ↗verträglich
Assoziationen
Synonymgruppe
gütlich · im Guten · ohne Streit
Assoziationen
  • einvernehmlich · im Konsens · in gegenseitigem Einvernehmen · in gegenseitigem Einverständnis · ↗konsensual · übereinstimmend

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausgang Ausgleich Beilegung Einigung Einigungsversuch Einvernehmen Ende Lösung Regelung Streitbeilegung Trennung Vereinbarung Vergleich Vermittlung Verständigung Zureden außergerichtlich beilegen daran doch einigen fair regeln trennen tun verständigen zureden Übereinkunft

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gütlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es fällt schwer, sich ein gütliches Ende dieser Situation vorzustellen.
Der Tagesspiegel, 03.03.2003
Nicht mit allen konnte ich mich gütlich einigen, und es kam auch vor, daß ich mich mit einem überhaupt nicht einigen konnte.
Die Zeit, 04.12.1987, Nr. 50
Sie hatten geruht, sich gütlich getan und brauchten nicht ans Weiterkommen zu denken.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 108
Jahrelang war auf gütlichem Wege versucht worden, zu diesem Ziele zu kommen, immer aber vergebens.
Baader, Ottilie: Ein steiniger Weg, Lebenserinnerungen einer Sozialistin. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 23092
Er antwortet, das werde sie schon sehen, er sei aber in der Hoffnung gekommen, sich gütlich mit ihr zu einigen.
Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 348
Zitationshilfe
„gütlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gütlich>, abgerufen am 18.09.2019.

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