gönnerhaft

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunggön-ner-haft (computergeneriert)
WortzerlegungGönner-haft
Wortbildung mit ›gönnerhaft‹ als Erstglied: ↗Gönnerhaftigkeit
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend in der Art eines Gönners, wie ein Gönner
Beispiele:
gönnerhaft nicken, lächeln
jmdn. gönnerhaft belehren
mit jmdm. gönnerhaft sprechen
sich gönnerhaft gegen jmdn. zeigen
er war gönnerhaft gelaunt
eine gönnerhafte Miene
ein gönnerhaftes Lächeln, Gebaren
Er legte ihr etwas gönnerhaft ... die Arme auf die Schultern [MusilMann711]
Der Kommandant spielte großartig den gönnerhaften Vorgesetzten [ApitzNackt52]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gönnen · Gönner · gönnerhaft · Gönnermiene
gönnen Vb. ‘wohlwollend, neidlos zugestehen, zukommen lassen’. Das seit dem 16. Jh., vereinzelt schon im 14. Jh. auch im Präsens schwach flektierte Verb gehört ursprünglich zu den Präteritopräsentia; ahd. giunnan (9. Jh.), asächs. aengl. giunnan, mhd. gunnen, günnen (auch ‘gewähren, gestatten’, jetzt durch vergönnen repräsentiert), mnd. günnen, mnl. nl. gunnen ‘gönnen’ sind verstärkende Präfixbildungen (ahd. gi-, s. ↗ge-) zu gleichbed. ahd. (9. Jh.), asächs. aengl. unnan, mnl. onnen, anord. unna ‘lieben, gönnen’, schwed. unna ‘gönnen’. Die Herkunft ist nicht sicher geklärt. Wenn tiefstufiges germ. *unn- als Assimilation aus germ. *unz- anzusehen ist und sich mit griech. prosēnḗs (προσηνής) ‘freundlich, gütig’, apēnḗs (ἀπηνής) ‘hart, unfreundlich’ vergleichen läßt (sofern der zweite Wortteil aus *-ανσής), wäre eine Wurzel ie. *ans- ‘wohlgeneigt, günstig sein’ zu erschließen, wozu auch ahd. anst ‘Wohlwollen, Dank, Gnade, Gunst’ (8. Jh.), mhd. anst ‘Wohlwollen’, got. ansts, auch ‘Freude’ (germ. *ansti-). Verbalabstraktum zu gönnen ist ↗Gunst (s. d.). Gönner m. ‘wer jmdn. wohlwollend unterstützt, Wohltäter, Förderer’, mhd. gunner, günner ‘Freund, Anhänger’, Nomen agentis zum Verb. gönnerhaft Adj. ‘herablassend’ (2. Hälfte 18. Jh.), stets in abschätzigem Sinne. Gönnermiene f. ‘selbstgefälliger Gesichtsausdruck’ (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
großzügig · gönnerhaft · ↗jovial · ↗leutselig
Synonymgruppe
abfällig · ↗abschätzig · ↗absprechend · abwertend · diskriminierend · ↗geringschätzig · ↗gleichgültig · ↗gnädig · gönnerhaft · ↗herablassend · missbilligend · ↗missfällig · mit Verachtung · ↗naserümpfend · ↗respektlos · ↗verachtungsvoll · ↗verächtlich · von oben herab  ●  ↗despektierlich  geh. · ↗pejorativ  fachspr., linguistisch
Assoziationen
Synonymgruppe
freigebig · ↗freigiebig · ↗generös · ↗großherzig · ↗großmütig · ↗großzügig · gönnerhaft · ↗hochherzig · in Geberlaune · ↗nobel (aus der Nehmerperspektive) · ↗spendabel · ↗spendierfreudig  ●  Man muss auch gönnen können.  ugs., sprichwörtlich
Assoziationen
  • entgegenkommend · ↗gefällig · ↗gnädig · ↗großherzig · ↗großmütig · ↗gütig · ↗kulant · ↗mild · ↗milde · ↗sanftmütig  ●  ↗wohlwollend  Hauptform · ↗huldvoll (oft ironisch)  geh., veraltend
  • (die) Runde geht auf (...) · (die) Zeche zahlen (für jemanden) · (eine) Runde ausgeben · (einen) ausgegeben bekommen · (jemandem) (ein) Getränk spendieren · ↗(jemanden) freihalten · aufs Haus gehen  ●  ↗(etwas) spendieren  Hauptform · (eine) Runde schmeißen  ugs. · das geht auf meinen Deckel  ugs. · das geht auf mich  ugs. · einen ausgeben  ugs. · frei saufen haben  derb
  • (es) nicht fehlen lassen (an) · großzügig austeilen · nicht sparen an · nicht sparen mit  ●  es hagelt (nur so)  fig. · (nur so) um sich schmeißen (mit)  ugs. · um sich werfen (mit)  ugs.
  • (viel) Geld ausgeben · in Kauflaune · in Konsumlaune sein  ●  (Geld) mit vollen Händen ausgeben  fig. · (das) Geld locker sitzen haben  ugs. · (das) Geld sitzt locker (bei jemandem)  ugs.
  • nicht alles für sich haben wollen · teilen können · verzichten können  ●  (anderen) auch etwas gönnen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Attitüde Bemerkung Geste Grinsen Herablassung Lob Lächeln Miene Nachsicht Pose Schulterklopfen Ton Wohlwollen antworten fast gewähren herablassend hinzufügen klingen klopfen loben lächeln meinen verkünden zugestehen überlassen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gönnerhaft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Längst schauen die Deutschen nicht mehr gönnerhaft dem Nachbarn zu.
Süddeutsche Zeitung, 16.03.2004
Man erlaubt also nicht nur gönnerhaft, Kunst zeigen zu dürfen.
Die Welt, 11.03.2000
Dann meinte er gönnerhaft, er wolle mit »Sonnenburgen« sprechen, es sei eine Unterassistentenstelle frei, wenn ich Lust habe, wolle er mich dort gern anbringen.
Schleich, Carl Ludwig: Besonnte Vergangenheit, Lebenserinnerungen (1859-1919). In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 31483
Nachdem der Mediatisierte und der Botschafter gegangen waren, setzte er sich, gönnerhaft wie immer, zu uns.
Heyking, Elisabeth von: Briefe, die ihn nicht erreichten. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 5967
Seine Brust schmückten bereits einige Orden, und er erkundigte sich sehr gönnerhaft nach meiner Tätigkeit beim Film, nicht ohne sich nach meinem Gesundheitszustand zu erkundigen.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 292
Zitationshilfe
„gönnerhaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/gönnerhaft>, abgerufen am 17.06.2019.

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