frei

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›frei‹ als Erstglied: ↗Freibad · ↗Freiballon · ↗Freibank · ↗Freibauer · ↗Freibauweise · ↗Freibetrag · ↗Freibeuter · ↗Freibier · ↗Freibillet · ↗Freibillett · ↗Freibord · ↗Freibrief · ↗Freicorps · ↗Freidemokrat · ↗Freidenker · ↗Freiexemplar · ↗Freifahrschein · ↗Freifahrt · ↗Freifläche · ↗Freifrau · ↗Freifräulein · ↗Freigehege · ↗Freigeist · ↗Freigelände · ↗Freigepäck · ↗Freigericht · ↗Freigewehr · ↗Freigraf · ↗Freigrafschaft · ↗Freigrenze · ↗Freigut · ↗Freigänger · ↗Freihafen · ↗Freihandausleihe · ↗Freihandbibliothek · ↗Freihandel · ↗Freihandzeichnen · ↗Freiherr · ↗Freikarte · ↗Freikirche · ↗Freikorps · ↗Freikörperkultur · ↗Freiladebahnhof · ↗Freiland · ↗Freileitung · ↗Freilichtaufführung · ↗Freilichtbühne · ↗Freilichtkino · ↗Freilichtmalerei · ↗Freilichtmuseum · ↗Freilichttheater · ↗Freilichtveranstaltung · ↗Freilos · ↗Freiluftbehandlung · ↗Freiluftcafé · ↗Freiluftkino · ↗Freiluftmensch · ↗Freiluftmuseum · ↗Freiluftschule · ↗Freimarke · ↗Freimaurer · ↗Freimaurerei · ↗Freimut · ↗Freiplastik · ↗Freiplatz · ↗Freischar · ↗Freischlag · ↗Freischwimmer · ↗Freischärler · ↗Freischütz · ↗Freischütze · ↗Freisetzung · ↗Freisinn · ↗Freistaat · ↗Freistatt · ↗Freistelle · ↗Freistempel · ↗Freistil · ↗Freistoß · ↗Freistuhl · ↗Freistunde · ↗Freitag · ↗Freitisch · ↗Freitod · ↗Freitreppe · ↗Freiverkehr · ↗Freiwache · ↗Freiwerber · ↗Freiwild · ↗Freiwurf · ↗Freizeichen · ↗Freizeit · ↗Freiübung · ↗freiarbeiten · ↗freibekommen · ↗freiberuflich · ↗freibitten · ↗freibleiben · ↗freiblocken · ↗freiboxen · ↗freidemokratisch · ↗freierfunden · ↗freifinanziert · ↗freigeben · ↗freigiebig · ↗freihaben · ↗freihalten · ↗freiheraus · ↗freihändig · ↗freikaufen · ↗freikirchlich · ↗freikommen · ↗freikreuzen · ↗freikämpfen · ↗freilassen · ↗freilaufen · ↗freilebend · ↗freilegen · ↗freiliegen · ↗freimachen · ↗freipressen · ↗freipräparieren · ↗freireligiös · ↗freiräumen · ↗freischaffend · ↗freischalten · ↗freischaufeln · ↗freischießen · ↗freischippen · ↗freischleppen · ↗freischwebend · ↗freischwimmen · ↗freisetzen · ↗freisingen · ↗freispielen · ↗freisprechen · ↗freistehen · ↗freistellen · ↗freistempeln · ↗freitragen · ↗freiweg · ↗freiwerden · ↗freiwillig · ↗freizeichnen
 ·  mit ›frei‹ als Letztglied: ↗gemeinfrei · ↗halbfrei · ↗hitzefrei · ↗kältefrei · ↗unfrei · ↗vogelfrei · ↗wahlfrei
 ·  mit ›frei‹ als Binnenglied: ↗Ring-frei-Sendung · ↗Ring-frei-Veranstaltung  ·  mit ›frei‹ als Grundform: ↗-frei · ↗Freie · ↗befreien
eWDG, 1967

Bedeutung

siehe auch Freie
1.
unabhängig
a)
politisch, im Hinblick auf Staat und Gesellschaft   unabhängig von äußerer, innerer Unterdrückung
Beispiele:
ein freies Land (= staatlich unabhängiges Land) (= Land, dessen Bewohner demokratische Rechte und Freiheiten genießen)
ein freies Volk
dieses Kolonialvolk wurde, ist jetzt frei
nach dem Abzug der Besatzungstruppen war das Land endlich wieder frei
historisch freie Bauern (= nicht leibeigene Bauern)
historisch eine Freie Reichsstadt
die freie Presse
Solch ein Gewimmel möcht ich sehn, / Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn! [GoetheFaustII 11580]
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren [SchillerTellII 2]
in Namen
Beispiele:
DDR Freie Deutsche Jugend
DDR Freier Deutscher Gewerkschaftsbund
Freie Demokratische Partei
Freie und Hansestadt Hamburg (= amtliche Bezeichnung für Hamburg als Bundesland)
persönlich, im Hinblick auf das Individuum
Beispiele:
war er nicht frei wie der Vogel in der Luft [HesseNarziß5,103]
Ein Sprung von dieser Brücke macht mich frei [SchillerTellI 2]
Er hatte dem Militär mit seinem Zwang entgehen und sich frei fühlen wollen [RemarqueZeit zu leben246]
Nur wer aus eigener Kraft oder durch ergebene Freunde in materieller Hinsicht ein Freier ist [SchweitzerAus meinem Leben91]
Ein freies (= ungebundenes) Leben führen wir, / Ein Leben voller Wonne [SchillerRäuberIV 5]
b)
nicht angestellt
Beispiele:
er ist freier Mitarbeiter beim Rundfunk
ein freier Schriftsteller, Journalist
ein frei praktizierender Arzt
die freien (= nicht im Angestelltenverhältnis ausgeübten) Berufe
daß er Schriftsteller, Dichter und jedenfalls ein frei schaffender Mensch statt Notar oder Advokat werden wolle [St. ZweigBalzac32]
c)
nicht an eine Regel, Vorschrift, ein Gesetz gebunden
α)
geistig
Beispiele:
die Reformation möchte ich einer Brücke vergleichen, die nicht nur aus scholastischen Zeiten herüber in unsere Welt freien Denkens ... führt [Th. MannFaustus6,14]
so ist in ihr [der Kirche] Platz für alle christliche Frömmigkeit, auch für die frei gerichtete (= nicht dogmatische) [SchweitzerAus meinem Leben60]
β)
von der üblichen Moralauffassung abweichend
Beispiele:
freie Ansichten, ein sehr freies Benehmen, Auftreten haben
dieses Buch ist recht frei
hier herrscht ein sehr freier (= ungenierter) Ton
die freie Liebe (= Zusammenleben von Mann und Frau ohne Eheschließung)
die Zwicker sei reizend, etwas frei, wahrscheinlich sogar mit einer Vergangenheit [FontaneBriestI 4,375]
γ)
sich nicht streng an die Vorlage haltend
Beispiele:
eine freie (= nicht wörtliche) Übersetzung
dieses Drehbuch wurde frei nach dem bekannten Roman von D verfasst
die freie Verwendung von Märchenmotiven macht diese Erzählung besonders interessant
die freie Auslegung eines Textes
etw. frei (= ohne Anhaltspunkte dafür zu haben) erfinden
alle Personen in diesem Stück sind frei erfunden
diese Geschichte ist frei erfunden (= an dieser Geschichte ist nichts Wahres)
umgangssprachlich diese Geschichte ist von A bis Z frei erfunden (= an dieser Geschichte ist nichts Wahres)
salopp, derb frei nach Schnauzenach Gutdünken, nach eigenem Ermessen
Beispiel:
das mache ich frei nach Schnauze
δ)
Beispiele:
Literaturwissenschaft freie Rhythmen (= reimlose, metrisch ungebundene, doch stark rhythmische Verszeilen)
[die alten Texte] sind nicht nur frei in der Orthographie ... sie kennen auch keine geregelte Interpunktion [Wirk. Wort1964]
ε)
Beispiel:
das Honorar wird nach freier Vereinbarung (= persönlicher Absprache) festgelegt
d)
sich von etw., jmdm. frei machensich von etw., jmdm. befreien
Beispiele:
das Land konnte sich von der Fremdherrschaft frei machen
du musst dich von ihm frei machen
sich von Vorurteilen, veralteten Vorstellungen frei machen (= lösen)
von Unterdrückung, Fremdherrschaft frei (= befreit) sein
2.
ungehindert
a)
steht der Bedeutung 1 nahe   unbeeinflusst
Beispiele:
freie Meinungsäußerung
freier Meinungsaustausch, Meinungsstreit
freie Wahlen
freie Religionsausübung
freie Arztwahl, Berufswahl
ein Aufsatz mit freier Themenwahl
darüber kannst du frei entscheiden
das liegt in deinem freien Ermessen
es war sein freier Entschluss, Wunsch
das hat er aus freiem Antrieb getan
es war ihr freier Wille gewesen
jmdn. frei schalten und walten lassen
über etw. frei verfügen können
das steht zur freien Verfügung
seine Persönlichkeit frei entfalten können
daß sie frei wähle zwischen dem Glänzenderen und ihm [Th. MannLotte7,400]
Die Gedanken sind frei [Volkslied]
Philosophie Vom objektiv wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet ist der menschliche Wille determiniert, dagegen vom subjektiven Standpunkt des Selbstbewußtseins aus betrachtet ist der menschliche Wille frei (= indeterminiert) [PlanckDeterminismus11]
Mein Vater ließ uns frei aufwachsen wie Piratenkinder [SchleichVergangenheit100]
b)
Beispiele:
der Zug hat freie Fahrt
das Signal auf ›Fahrt frei!‹ stellen
übertragen
Beispiele:
die Phantasie frei spielen lassen
seinen Gefühlen, Empfindungen, seinem Zorn, seiner Phantasie freien Lauf lassen
den Dingen freien Lauf lassen
Physik der freie Fall (= Fall im Vakuum)
Physik die Gesetze des freien Falls
von dem Berg aus konnte ich die Landschaft frei überblicken
DDR Sport frei! (= Gruß der im Deutschen Turn- und Sportbund organisierten Sportler)
wie sehr es ihr Vergnügen macht, endlich freie Fahrt zu haben und jegliche Freiheit, derer sie bedarf [RinserMitte347]
Das freie Spiel der Kräfte erleidet Beschränkungen [H. MannZeitalter532]
c)
nicht beschränkt
Beispiele:
freier Kartenverkauf (= Verkauf von nicht reservierten Karten)
daß die meisten der giftigen Medikamente frei (= ohne Rezept) verkäuflich waren [H. MannZeitalter185]
Wirtschaft, DDR der freie Aufkaufdurch eine staatliche Stelle erfolgender Aufkauf von Schlachtvieh und tierischen Erzeugnissen, die über das Ablieferungssoll hinaus vorhanden sind
Beispiel:
dem freien Aufkauf Schlachtvieh zur Verfügung stellen
Beispiele:
die freie Marktwirtschaft (= nicht vom Staat gelenkte Marktwirtschaft)
der freie Wettbewerb
die freie Konkurrenz
Bankwesen freie Konvertierbarkeit der Währung
Bald vielleicht wird sie [die Menschheit] nicht mehr den freien Wettbewerb – die Freiheit unter dem Besitz – vorziehen, sondern sich dem Sozialismus zuneigen [H. MannZeitalter161]
3.
nicht festgenommen, nicht in Haft, nicht gefangen, nicht in bedrängter Lage
Beispiele:
der Dieb ist noch frei, läuft noch frei herum
endlich war der widerrechtlich Verhaftete frei (= nicht mehr in Haft)
es gelang ihr, sich aus der Umklammerung frei zu machen
Her als Freier, hin als Gefangener [C. Hauptm.Einhart1,78]
4.
unbesetzt, nicht in Anspruch genommen
a)
Beispiele:
ist der Stuhl noch frei?
für jmdn. einen Platz frei lassen, halten, machen
ist dieser Tisch frei geworden?
das Bad ist frei
die ersten zwei Reihen müssen frei bleiben
er suchte sich [Dativ] ein freies Plätzchen
in der Klinik, auf der Station war kein Bett frei
das Taxi ist noch frei
ich mache dir in meinem Schrank ein Fach frei (= leer)
ich habe keine Hand frei
ich lasse dir unter dem Brief noch genügend Platz frei
eine Seite frei lassen
die Kreuzung frei machen
die Polizisten mussten für den Verletzten den Weg frei machen
Ausfahrt frei halten!
Bahn frei!
Skisport Spur frei!
Boxen Ring frei zur ersten Runde!
die Strecke ist frei
Mein Schwager hat gesagt, daß ihr Zimmer frei habt [NossackSpirale17]
die zahlreichen Zwischentöne ... lassen der individuellen Beurteilung freien Raum [KronasserSemasiologie148]
übertragen
Beispiele:
für diese Mannschaft ist der Weg zur Bezirksliga frei
er ließ seinem Spott freie Bahn
freie Bahn dem Tüchtigen!
jmdm. die Bahn frei machen
wurde auch diese letzte Schwierigkeit hinweggeräumt. Endlich war die Bahn frei [SchweitzerAus meinem Leben114]
b)
verfügbar
Beispiele:
in diesem Betrieb wird bald eine Stelle frei
die Stelle ist nicht mehr frei
durch die Kürzung des Etats werden Mittel für andere Zwecke frei
Arbeitskräfte werden frei
Habt ihr eine Axt frei? [RemarqueZeit zu leben85]
c)
ohne (berufliche, schulische) Pflichten
Beispiele:
sie liest in jeder freien Minute
sie verbringt jede freie Stunde in der Bücherei
seine freie Zeit für etw. opfern
ich habe diese Woche keinen freien Abend, Tag mehr
ich werde mir den Nachmittag frei halten
sich für einen Tag frei machen
umgangssprachlich ich nehme mir heute frei (= Urlaub)
umgangssprachlich morgen ist frei (= kein Unterricht, Dienst)
umgangssprachlich ich bin heute nachmittag noch frei
umgangssprachlich diese Friseuse ist gerade frei
umgangssprachlich abends bist du dein freier Mann und gehst in die Kneipe [RemarqueIm Westen83]
d)
umgangssprachlich
Beispiel:
sie ist noch frei (= sie hat sich noch nicht gebunden, sie ist noch zu haben)
e)
Verlagswesen
Beispiel:
die Werke dieses Schriftstellers sind voriges Jahr frei geworden (= sind seit vorigem Jahr nicht mehr urheberrechtlich geschützt)
5.
ungehemmt, gelöst, unbefangen
Beispiele:
es dauerte lange, bis er diesen Zwiespalt überwunden hatte und wieder innerlich frei war
sie ist wieder ganz frei (= unbeschwert) und heiter
frei aufatmen
in diesem Kreis kann ich mich nicht frei bewegen
Auch mit ihr tanzte ich nun leichter, freier und fröhlicher, wenn auch nicht so unbeschwert ... wie mit jener andern [HesseSteppenw.4,315]
ich kann ihm seitdem nicht mehr gerade und frei ins Auge sehn [G. Hauptm.RattenII]
ohne Scheu, geradeheraus, unumwunden
Beispiel:
frei und offen über etw. reden
umgangssprachlich frank und freiin verstärkter Bedeutung
Beispiele:
sie erklärte frank und frei, ihr gefiele es hier nicht
jmdm. etw. frank und frei sagen, bekennen
salopp frei von der Leber wegohne lange zu überlegen, ganz offen
Beispiele:
jmdm. etw. frei von der Leber weg sagen
frei von der Leber weg sprechen, reden
gespreizt ich bin so frei (= Höflichkeitsformel) (= Antwort auf eine Aufforderung, sich das Angebotene zu nehmen)
6.
ohne Hilfsmittel
Beispiele:
der Redner sprach frei (= ohne Manuskript, ohne abzulesen)
er trug die Rede völlig frei vor
eine Rede frei halten
einen Kreis aus freier Hand (= ohne Zirkel) an die Tafel zeichnen
die Kranke konnte kaum frei (= ohne Stütze) stehen
Er begann in freier Rede [A. ZweigRegenbogen138]
7.
kostenlos
Beispiele:
freie Kost, Verpflegung, Unterkunft, freies Essen haben
er hatte freie Station
freie Lernmittel, freier Eintritt
(der) Eintritt (ist) frei
freie Fahrt auf allen Verkehrsmitteln haben
bei einer Flugreise hat man 20 Kilogramm Gepäck frei
veraltet Post frei durch Ablösung
im Hafen schenkte man freien Wein aus [Feuchtw.Jüd. Krieg91]
Sechs Monate wurde ich dort [in der Bastille] frei verpflegt [Feuchtw.Füchse653]
unflektiertes »frei« + artikelloses Subst.
Kaufmannssprache frei HausTransport bis zum Haus, der für den Empfänger kostenlos ist
Beispiele:
die Kohlen, Kartoffeln werden frei Haus geliefert
frei Schiff, Hafen, Versandstation, (deutsche) Grenze
die Preise verstehen sich frei Lager der Abnehmer
8.
nicht eingeschlossen, offen, unbegrenzt
Beispiele:
er rannte über das freie Feld
ein freies Gelände, ein freier Platz
der Zug hält auf freier Strecke
eine Versammlung unter freiem Himmel abhalten
unter freiem Himmel übernachten
ein Tier in freier Wildbahn beobachten, fotografieren
in der freien Natur spazierengehen
das Haus, der Baum steht (ganz) frei (= allein, ungeschützt)
der Glockenturm steht frei (= in einem Abstand von der Kirche)
das Abflussrohr endet frei (= ist nicht angeschlossen)
Ballspiel der Linksaußen stand frei (= ungedeckt)
Ballspiel der Mittelstürmer konnte sich frei stellen (= der gegnerischen Deckung entziehen)
Die untere ... Spitze [des Mondes] nämlich schien frei für sich, als wäre sie abgebrochen, im Raum zu schweben [CarossaGion188]
9.
unbedeckt
Beispiele:
machen Sie sich, den Oberkörper frei
das Kleid lässt den Hals frei
die hatte das erste schulterfreie Kleid an, oben herum ganz frei [GaiserSchlußball31]
10.
Beispiele:
der Film ist frei (= zugelassen) für Jugendliche ab sechzehn Jahren
der Zug ist bis N frei für Reisende ohne Platzkarten
11.
frei von Schuldabgeblasst   ohne Schuld
Beispiele:
frei von Hass, Fehlern, Verdacht, Sorgen, Schmerzen, Fieber, Krankheit, Beschwerden sein
frei von Abgaben, Schulden, Lasten, Verpflichtungen
sich frei von Vorurteilen wissen
deine Darstellung ist nicht frei von Überheblichkeit [JahnnHolzschiff117]
Die Weisheit hatte ihn [Salomo] so weit gebracht – / Beneidenswert, wer frei davon [BrechtDreigroschenoperIII 1]
[der Arbeiter] frei von sozialen Fesseln und frei von eignem Besitz [EngelsAnti-Dühring255]
mit vorangestelltem Gen.
veraltet
Beispiel:
Dann mag die Totenglocke schallen, / Dann bist du deines Dienstes frei [GoetheFaustI 1704]
12.
Chemie, Physik nicht gebunden
Beispiele:
freier Sauerstoff, freies Ammoniak
Sauerstoff kommt in freiem Zustand als Bestandteil der Luft vor
freie Neutronen
frei werden
sich aus einer Bindung, Verbindung abtrennen
Beispiele:
bei der Elektrolyse von Wasser wird Sauerstoff frei
bei der Kristallisation wird Wärme frei
Oxydationsprozesse, bei denen Energie frei wird
bei der Spaltung eines Uranatoms werden Neutronen frei
13.
jmd. geht frei ausjmd. erhält keine Strafe
Beispiel:
der Schüler, der seine Schuld zugab, ging frei aus
jmdn. auf freien Fuß setzenjmdn. freilassen
Beispiele:
der Festgenommene musste nach dem Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt werden
er war wieder auf freiem Fuß, befand sich gegen eine Kaution auf freiem Fuß
Jura freies GeleitGewährung von Bewegungsfreiheit und Unverletzlichkeit der Person, sicheres Geleit
Beispiele:
der Parlamentär, Diplomat erhielt freies Geleit
das Gericht gewährte dem Beschuldigten freies Geleit
umgangssprachlich aus freien Stückenvon sich aus, freiwillig
Beispiele:
etw. aus freien Stücken tun
ich bin aus freien Stücken hierher gekommen
freie Hand habennach eigenem Ermessen handeln können
Beispiele:
in dieser Angelegenheit haben Sie völlig freie Hand
ich übernehme diese Aufgabe, wenn man mir freie Hand lässt, gibt
dieser Beschluss gab ihm völlig freie Hand
die freie Kunst (= die nicht zweckgebundene Kunst)
historisch die (sieben) Freien Künste
Bezeichnung für die in der Antike und im Mittelalter gepflegten Grundwissenschaften
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

frei · Freiheit · befreien · Befreiung · freilich · Freibank · Freibeuter · Freibrief · Freidenker · Freigeist · Freihafen · Freihandel · Freiherr · Freifrau · Freimaurer · freimütig · Freimütigkeit · Freimut · Freistaat · Freistatt · Freistätte · Freitod · freiwillig · Freiwilligkeit · Freizeit
frei Adj. ‘unabhängig, unbeschränkt’, ahd. frī (um 800), mhd. mnd. mnl. vrī, nl. vrij, asächs. frī- in frīlīk ‘frei’, aengl. frēo, engl. free, got. freis gehören mit kymr. rhydd ‘frei’ zur Wurzel ie. *prāi-, *prī- ‘gern haben, schonen, friedlich-frohe Gesinnung’ wie auch aind. priyáḥ ‘eigen, lieb’, prīṇā́ti ‘erfreut, ergötzt, ermuntert, findet Gefallen an etw., genießt’, (vielleicht) griech. prāÿ́s (πραΰς, aus *πραι̯υ-?) ‘sanft, gelinde, zahm’, aslaw. prịjati ‘hold sein, beistehen’, mruss. prijat’ (npuяmь) ‘begünstigen, wohlgesinnt sein’, aslaw. prịjatelь, russ. prijátel’ (приятель) ‘Freund’ sowie ↗freien, ↗Freitag, ↗Freund, ↗Friede, ↗Friedhof (s. d.). Vgl. dazu ahd. frīhelsī, aengl. frēols, got. freihals ‘Freiheit’, anord. frjāls ‘frei’, die wohl von der ‘Unantastbarkeit des Halses’ (eines freien Mannes im Gegensatz zum Unfreien) ausgehen. Die sich nur im Germ. und Kelt. vollziehende Entwicklung von ‘lieb’ zu ‘frei, unabhängig’ erklärt sich aus einer Vorstellung ‘zu denen gehörig, die man gern hat und schont’, also den Freunden, den Stammesgenossen (im Gegensatz zu den stammesfremden Unfreien und Kriegsgefangenen). Freiheit f. ‘Unabhängigkeit’, ahd. frīheit (um 1000, Notker), mhd. vrīheit, auch ‘Privileg, privilegierter Bezirk’, vgl. nhd. Schloß-, Baufreiheit. befreien Vb. ‘unabhängig machen, erlösen’, mhd. bevrīen; vgl. mhd. vrīen, nhd. (älter) freien ‘frei machen’ (s. ↗Gefreiter). Befreiung f. ‘Entledigung (von Verbindlichkeiten), Erlösung’ (15. Jh.). freilich Adv. ‘gewiß, bestimmt, allerdings’, mhd. vrīlīche(n) ‘unbehindert, freimütig, offenbar, unbekümmert, frischweg, ohne Zaudern’; vgl. ahd. frīlīh Adj. (9. Jh.), mhd. vrīlich ‘frei, schrankenlos, unbefangen’. Freibank f. ‘Verkaufsstand für wertgemindertes Fleisch’ (19. Jh.), älter ‘für alle Fleischer zur freien Benutzung stehender Verkaufsstand’ (16. Jh.). Freibeuter m. ‘Pirat, Seeräuber’ (16. Jh.), mnd. vrībǖter ‘mit Vollmacht zum Kapern feindlicher Schiffe ausgerüsteter Schiffsführer oder Seemann, Seeräuber’, nl. vrijbuiter. Freibrief m. ‘verbrieftes Privileg, Anrechtsurkunde’ (15. Jh.), heute meist übertragen ‘Erlaubnis’ (für sonst Unstatthaftes), älter ‘Freilassungsurkunde’ (für einen Unfreien). Freidenker m. ‘von Religion Unabhängiger, nur der Vernunft, den eigenen Anschauungen Verpflichteter’ (18. Jh.), Übersetzung von engl. freethinker, nach einer gleichnamigen englischen Wochenschrift; dazu Freidenkerei, freidenkerisch (18. Jh.). Freigeist m. ‘geistig unabhängiger Mensch’, zunächst ‘Ketzer, Religionsverächter’ (17. Jh.); früher bezeugt ist freier Geist ‘Ketzer, Sektierer’ (seit 14. Jh.); dazu Freigeisterei (18. Jh.). Freihafen m. ‘Hafen außerhalb des Zollgebietes’ (18. Jh.). Freihandel m. ‘von Zollschranken und anderen einzelstaatlichen Beschränkungen unbehinderter Handel’ (19. Jh.), Übersetzung von engl. free trade. Freiherr m. Freifrau f. dem Baron entsprechender Adelstitel, spätmhd. vrīherre ‘freier Edelmann’, vrīvrouwe. Freimaurer m. Angehöriger einer übernationalen Gemeinschaft mit humanitärer Zielstellung (18. Jh.). Der in England gegründete Geheimbund bedient sich der Symbole und Bräuche mittelalterlicher Bauhütten, aus denen sich der Name herleitet, engl. freemason, frz. franc-mac̦on (s. ↗Steinmetz); Freimaurerei f. (18. Jh.). freimütig Adj. ‘offen, unerschrocken’, mhd. vrīmüetic; Freimütigkeit f. ‘Unerschrockenheit’ (16. Jh.), auch Freimut m. (17. Jh.), vereinzelt bereits mhd. vrīmuot. Freistaat m. ‘Republik’ (1768 von der Schweizer Eidgenossenschaft; nach Abschaffung der Monarchie 1918 nennen sich die meisten deutschen Länder Freistaat, heute noch die ehemaligen Königreiche Sachsen und Bayern). Freistatt, Freistätte f. ‘Zufluchtsort, Asyl’, im 14. Jh. bereits als Flurname, allgemein gebräuchlich seit dem 17. Jh. Freitod m. euphemistisch für ‘Selbstmord’ (Ende 19. Jh.), nach Vom freien Tod (Nietzsche, Zarathustra, 1883). freiwillig Adj. ‘aus eigenem Antrieb’ (16. Jh.), älter Freiwilligkeit f. ‘eigener innerer Antrieb’ (15. Jh.). Freizeit f. ‘arbeitsfreie Zeit, Zeit der Erholung’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
frei · ↗leer · ↗leer stehend · ohne Inhalt · unausgefüllt
Synonymgruppe
direkt · frei · frei heraus · ↗freimütig · ↗geradeheraus · ↗offen · ↗offenherzig · ↗rundheraus · ↗unverblümt  ●  ↗gradheraus  ugs.
Oberbegriffe
  • beschreibend (positiv)
Assoziationen
  • (etwas) klar aussprechen · (ganz) offen sein · (jemandem) nichts vormachen · (mit etwas) nicht hinterm Berg halten · (mit jemandem) Fraktur reden · (sich) unmissverständlich ausdrücken · auf den Punkt bringen · auf den Punkt kommen · deutlich werden · deutliche Worte finden · deutlicher werden · klare Worte finden · offen reden · offen und ehrlich seine Meinung sagen · unbeschönigt seine Meinung äußern · unverblümt benennen  ●  die Karten offen auf den Tisch legen  fig. · kein Blatt vor den Mund nehmen  fig. · offen aussprechen  Hauptform · (eine) klare Ansage (machen)  ugs. · (etwas) auf gut Deutsch sagen  ugs. · ↗Klartext (reden)  ugs. · Klartext reden  ugs. · Tacheles reden  ugs. · aus seinem Herzen keine Mördergrube machen  ugs. · das Kind beim Namen nennen  ugs. · nicht (lange) um den heißen Brei herumreden  ugs. · nicht drumherum reden  ugs. · reinen Wein einschenken  ugs., fig. · zur Sache kommen  ugs.
  • (frei) von der Leber weg · (so) wie (jemandem) der Schnabel gewachsen ist · frank und frei · frei heraus · ↗geradeheraus · ↗offen · ohne Hemmung · ↗rundheraus · ↗unverblümt · ↗unverhohlen  ●  auf gut Deutsch (gesagt)  ugs. · einfach drauflos  ugs. · frei zum Munde heraus (ironisch altertümelnd)  geh.
  • (jemandem etwas) ins Gesicht (sagen) · ↗direkt · in aller Offenheit · ↗offen · ↗schonungslos · unbeschönigt · ↗unumwunden · ↗unverblümt · ↗unverhohlen  ●  ↗schlankweg  ugs.
  • direkt · ↗durchaus · ↗einfach · ↗gerade · ↗geradewegs · ↗geradezu · ↗glatt · ↗glattweg · glattwegs · ↗platterdings · reinewegs · ↗reinweg · reinwegs · ↗rundweg · ↗schier · schlankwegs · ↗schlechtweg · schlechtwegs · ↗schlicht · schlicht und einfach · ↗schlichtweg · schlichtwegs · ↗unvermittelt  ●  ↗direktemang  ugs. · ↗freilich  ugs., süddt. · geradezus  ugs., regional · gradweg  ugs. · ↗nachgerade  geh. · ↗rein  ugs. · ↗schlankweg  ugs. · ↗schlechterdings  geh., veraltend · ↗schlechthin  geh.
  • (sich) nicht stören an · keine Bedenken haben (zu) · nicht zögern (zu) · nichts dabei finden (zu) · nichts dagegen haben (zu)  ●  nicht anstehen (zu)  geh.
Synonymgruppe
frei · ↗ungebunden · ↗ungehindert · ↗ungezwungen · ↗zwanglos
Synonymgruppe
ausgeschrieben (Stelle) · frei · in der Ausschreibung · nicht besetzt · ↗offen · ↗unbesetzt (Arbeitsplatz) · ↗vakant · zu besetzen
Synonymgruppe
frei · ↗leer stehend · ↗leerstehend · ↗ungenutzt · verwaist  ●  ↗unbewohnt  Hauptform
Assoziationen
  • abgeschieden · einsam und verlassen · entvölkert · ↗gottverlassen · kein Mensch weit und breit · ↗menschenleer · ↗unbewohnt · ↗verlassen · wie ausgestorben · ↗öd · ↗öde  ●  am Arsch der Welt  derb · hinterm Wald  ugs. · in der Walachei  ugs. · jwd  ugs., berlinerisch, Abkürzung · leer gefegt  ugs. · leergefegt  ugs.
  • gehört niemandem · ↗herrenlos · liegen gelassen · stehen gelassen · ↗verlassen · zurückgelassen
  • aufgelassen · dem Verfall preisgegeben · in einem desolaten Zustand · nicht unterhalten (worden) · verwahrlost (Haus, Anwesen) · verwildert · zu (...) verkommen
  • Geisterdorf · verlassene Stadt  ●  ↗Geisterstadt  Hauptform · versunkene Stadt  historisch, fig. · ↗Wüstung  fachspr.
  • vereinsamt · ↗verlassen · verwaist · zurückgelassen
Synonymgruppe
frei · ohne Beschränkung · ohne Limit · ↗uneingeschränkt · ↗ungehindert  ●  freie Bahn  fig.
Synonymgruppe
bar · ↗blank · ↗bloß · frei · ↗nackt · ↗ohne
Synonymgruppe
(noch) frei · (noch) zu haben · ↗Single · ↗allein · allein lebend · ↗alleinstehend · ↗ehelos · hat keinen abgekriegt · ↗ledig · nicht liiert · ohne Frau · ohne Mann · ohne Partner · ohne Partner (lebend) · ohne Partnerin · ohne feste Bindung · ↗partnerlos · sitzen geblieben · ↗solo · ↗unbemannt · ↗ungebunden · ↗unverheiratet · ↗unvermählt  ●  nicht verpartnert  Amtsdeutsch · ↗unbeweibt  veraltet, scherzhaft · keine(n) abbekommen (haben)  ugs., abwertend · ↗unverehelicht  fachspr., Papierdeutsch
Assoziationen
  • auseinander · geschieden · ↗getrennt · nicht mehr verheiratet · wieder frei · wieder zu haben
  • (älterer) Junggeselle · Junggeselle aus Überzeugung · eingefleischter Junggeselle  ●  ↗Hagestolz  veraltet
  • (alte) Juffer  ugs., rheinisch · alte Jungfer  ugs. · spätes Mädchen  ugs.
Synonymgruppe
frei (reden) · nicht am Manuskript hängen · nicht am Manuskript kleben · ohne Manuskript (reden)
Assoziationen
  • improvisierend · noch nie vorher geübt · ungeprobt · vom Blatt (spielen)  ●  prima vista  fachspr.
  • auf Zuruf · aus dem Stegreif · improvisiert · ohne Probe · ohne Vorbereitung · ohne es vorher geübt zu haben · ungeprobt · ↗unvorbereitet  ●  aus dem Stand  Hauptform · ↗ad hoc  geh., lat. · aus dem Handgelenk  ugs. · aus dem hohlen Bauch heraus  ugs. · aus der Lamäng  ugs. · ↗ex tempore  geh.
Antonyme
Synonymgruppe
frei (Steckplatz, Anschluss) · nicht belegt · nicht in Gebrauch · ↗zusätzlich · ↗überschüssig

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktionär Beruf Demokrat Eintritt Fahrt Fuß Handel Himmel Lauf Markt Marktwirtschaft Meinungsäußerung Natur Platz Presse Training Träger Universität Volksbühne Wahl Wettbewerb Wildbahn Wille Wirtschaft Wähler Zugang bewegen fair gewählt werdend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›frei‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es gelingt mir aber nicht, eine freie Leitung zu bekommen.
Die Zeit, 06.01.2014, Nr. 01
Heute, nach dem Ende einer alten Ordnung, ist die neue Welt freier, aber weniger stabil.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1993]
Seine freien Stunden scheint er großenteils der Musik gewidmet zu haben.
Scholes, Percy A.: Hawkins (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1956], S. 8547
Es kostet große Überwindung, die freien Hände nicht gegeneinander zu verwenden.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 314
Und selbst in diesem Verfahren wollte man sich nicht frei fühlen.
Benjamin, Walter: Ursprung des deutschen Trauerspiels. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1928], S. 235
Zitationshilfe
„frei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/frei>, abgerufen am 25.06.2019.

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