formell

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungfor-mell (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
WortzerlegungForm-ell
eWDG, 1967

Bedeutung

die äußeren Formen streng beachtend, förmlich
Beispiele:
eine formelle Begrüßung
er ist, wird immer sehr formell (= steif im Umgang)
sie empfingen uns ganz formell
[der Leutnant] machte eine ganz leichte und doch sehr formelle Verbeugung [RennAdel33]
sich streng nach der Vorschrift richtend
Beispiele:
eine formelle Einigung, Erklärung
die formelle Verantwortung für etw. tragen
etw. formell beschließen
ein Verfahren formell abbrechen
seine Ansprüche wurden formell anerkannt
rein äußerlich, unverbindlich, zu nichts verpflichtend
Beispiele:
eine formelle Bekanntschaft
formelle Redensarten wechseln
in den letzten Jahren waren die Beziehungen zu Frau von Hanska immer formeller, immer kälter und unwahrhaftiger geworden [St. ZweigBalzac411]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

formal · formell · Formalie · formalisieren · Formalismus · formalistisch · Formalität
formal Adj. ‘die Form betreffend’, im 16. Jh. aus lat. formālis ‘äußerlich, zur Form gehörig, an eine bestimmte Form gebunden’ (zu lat. forma, s. ↗Form) entlehnt. formell Adj. ‘die äußere Form genau beachtend, konventionell, steif’ (s. auch ↗förmlich), Übernahme (18. Jh.) von (gleichfalls auf lat. formālis beruhendem) frz. formel, zunächst in dessen Bedeutung ‘in aller Form ausgesprochen, ausdrücklich, unmißverständlich’, in heutiger Verwendung seit dem 19. Jh. Formalie f. ‘Äußerliches, Vorschrift der Form’ (16. Jh.), meist im Plural gebraucht, aus lat. formālia, dem substantivierten neutralen Plural des Adjektivs formālis. formalisieren Vb. ‘in eine strenge, eine bestimmte Form bringen’. Dieser moderne Gebrauch (19. Jh.) entwickelt sich aus dem Adjektiv formal (s. oben). Älteres (bis ins 19. Jh. geltendes) sich formalisieren ‘Anstoß nehmen, sich über etw. aufhalten’ ist Entlehnung (17. Jh.) aus frz. se formaliser ‘sich ärgerlich über etw. aussprechen’, eigentlich ‘schockiert sein über das Fehlen jeder Form’, vgl. mfrz. formaliser ‘formgerecht abfassen, formulieren’. Formalismus m. Kunstrichtung, die die Form des Kunstwerks überbewertet und den Inhalt vernachlässigt, allgemein ‘nur auf Äußeres gerichtete Betrachtungsweise’, gelehrte nlat. Bildung des 19. Jhs. zu lat. formālis; dazu formalistisch Adj. (19. Jh.). Formalität f. ‘Äußerlichkeit, Vorschrift der Form’ (16. Jh.), mlat. formalitas (Genitiv formalitatis).

Thesaurus

Synonymgruppe
formell · ↗förmlich · ↗unpersönlich  ●  ↗hölzern  ugs. · ↗knochig  ugs. · ↗steif  ugs.
Synonymgruppe
formell · ↗geschäftlich · ↗geschäftsmäßig · ↗konventionell · ↗offiziell · ↗unpersönlich
Assoziationen
Synonymgruppe
(lediglich) formell · der Form nach · formal korrekt · ↗höflich · äußerlich korrekt
Assoziationen
Synonymgruppe
formell · ↗formgerecht · ↗gebührend · in aller Form  ●  ↗ausdrücklich  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstimmung Anerkennung Anklage Anklageerhebung Aufnahmeantrag Auslieferungsantrag Auslieferungsersuchen Beihilfeverfahren Beschluß Bestätigung Entschuldigung Ermittlungsverfahren Friedensvertrag Gesuch Koalitionsverhandlung Kriegserklärung Mitgliedschaft Prüfungsrecht Prüfverfahren Rüge Unabhängigkeitserklärung Waffenstillstand Zusicherung informell inhaltlich materiell rein unterstehen Übergabe Übernahmeangebot

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›formell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das brauchte fast drei Jahre, um zu dem Schluss zu gelangen, den Antrag wegen formeller Mängel abzuweisen.
Der Tagesspiegel, 16.12.2003
Auch vor vier Jahren hat es kein formelles Veto gegeben.
Die Zeit, 19.05.1967, Nr. 20
Ich erklärte ihm, rein formell werden wir wahrscheinlich Proteste bekommen, die dann zu beantworten seien.
o. A.: Einhundertzweiundsechzigster Tag. Montag, 24. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11460
Sie haben es schon zugelassen, dies ist nur der formelle Antrag.
o. A.: Einhundertzehnter Tag. Mittwoch, 17. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 14797
Jedenfalls also zeigt die Entwicklung der formellen Qualitäten des Rechts eigentümlich gegensätzliche Züge.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 631
Zitationshilfe
„formell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/formell>, abgerufen am 23.05.2019.

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