folgern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfol-gern
Wortbildung mit ›folgern‹ als Erstglied: ↗Folgerung
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. aus etw. schließen, ableiten, eine Schlussfolgerung aus etw. ziehen
Beispiele:
richtig, verkehrt folgern
aus dem lückenhaften Beweismaterial lässt sich noch nichts mit Sicherheit folgern
aus seinem Verhalten folgerten wir, dass er unserem Vorschlag zustimmen würde
daraus kann man folgern, dass ...
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

folgen · Folge · folglich · folgsam · folgenschwer · folgerecht · folgerichtig · folgern · Folgerung · Gefolge · Gefolgschaft · erfolgen · Erfolg · verfolgen · Verfolger · Verfolgung · verabfolgen
folgen Vb. ‘hinterhergehen, der nächste sein, sich nach etw. richten, sich aus etw. ergeben, gehorchen’, ahd. folgēn ‘folgen, treu dienen, nachjagen’ (8. Jh.), seltener folgōn ‘Folge leisten’ (9. Jh.), mhd. volgen, auch ‘Heerfolge leisten, beipflichten’, asächs. folgon, mnd. volgen, mnl. volghen, nl. volgen, aengl. folgian, engl. to follow, anord. fylgja, schwed. följa ist trotz zahlreicher Deutungsversuche in seiner Etymologie ungeklärt. Außergerm. Verwandte sind fraglich; erwogen wird Verwandtschaft mit kymr. ol ‘Spur’, ar ol ‘nach, hinter’, korn. ol ‘Fußspur’, so daß sich eine Form ie. *pelgh-, *polgh- ergäbe (Kluge ²¹211 f.); andere vermuten einen Zusammenhang mit der Wortfamilie ↗befehlen (s. d.) mit einer Bedeutungsentwicklung ‘bedecken ‒ beschützen ‒ in jmds. Gefolgschaft treten’ (Falk/Torp 1, 291 und 227). Die naheliegende Annahme, das Verb (mit den Endungen ahd. -ōn bzw. -ēn) als Ableitung von einem Nomen aufzufassen, bleibt ebenfalls zweifelhaft, da Folge f. ‘Ergebnis, Wirkung, Reihe’ erst spät im Kompositum ahd. selbfolga ‘Sekte’ (11. Jh.) bezeugt ist, danach mhd. volge ‘Gefolge, Begleitung, Verfolgung, Nachfolge, Beistimmung’. Hier liegt eher eine postverbale Bildung vor. folglich Konj. ‘daher, infolgedessen’ (1. Hälfte 17. Jh.), ohne Tradition zu ahd. folglīhho Adv. ‘in der Folge, hintenan’ (9. Jh.); in älterer Sprache nicht nur kausal (s. oben), sondern auch temporal im Sinne von ‘danach, ferner, weiter’ (bis ins 19. Jh.) verwendet. folgsam Adj. ‘brav, gehorsam’ (17. Jh.); vgl. ahd. gifolgīg ‘gehorsam, gefügig’ (um 1000), mhd. gevolgec, -volgic, nhd. gefolgig (bis ins 18. Jh.). Daneben wird folgsam (wie folglich, s. oben) als kausale (17. Jh.) und temporale (18. Jh.) Konj. benutzt. folgenschwer Adj. ‘von schwerwiegender Wirkung’ (18. Jh.), wohl nach frz. gros de conséquences, entsprechend noch im 19. Jh. auch folgeschwer. folgerecht Adj. (18. Jh.), heute häufiger folgerichtig (19. Jh.) ‘sich aus den Tatsachen logisch ergebend’, für frz. conséquent (s. ↗konsequent). folgern Vb. ‘eine Folge ableiten, einen Schluß ziehen’ (16. Jh.), bei Luther geringschätzig im Sinne von ‘Sophisterei treiben’, seit dem 18. Jh. im Wortschatz der Philosophie üblich ‘einen logischen Schluß ableiten’; dazu Folgerung f. ‘logische Ableitung, Schluß’ (18. Jh.), älteres ↗Konsequenz (s. d.) teilweise ersetzend. Gefolge n. ‘Begleitung’, seit dem 17. Jh. belegt, geläufig seit dem 18. Jh. für ‘Begleitung einer fürstlichen Person, Hofstaat’; im Gefolge ‘zeitlich oder kausal folgend’ (18. Jh.). Gefolgschaft f. ‘Gesamtheit der Gefolgsleute’ (eines germanischen Fürsten), Fachwort der Geschichtswissenschaft; dann auch ‘Anhängerschaft’ (19. Jh.). erfolgen Vb. ‘als Folge eintreten, geschehen’, ahd. irfolgēn ‘verfolgen’ (9. Jh.), mhd. ervolgen ‘zuteil werden, erreichen, erlangen’, reflexiv ‘sich erfüllen, zutragen’; dazu Erfolg m. ‘Wirkung, Erreichen eines Zieles’, Rückbildung zu erfolgen (17. Jh.); erfolglos, erfolgreich Adj. (19. Jh.). verfolgen Vb. ‘(in feindlicher Absicht) hinterhergehen, zu erreichen suchen’, verstärktes ↗folgen (s. d.), mhd. vervolgen ‘Folge leisten, beistimmen, nachfolgen, befolgen’, asächs. farfolgon; dazu Verfolger m. ‘wer jmdn. feindlich verfolgt’ (15. Jh.) und Verfolgung f. ‘feindliches Nachsetzen, Versuch, ein Ziel zu erreichen’ (14. Jh.). verabfolgen Vb. ‘zuteilen, übergeben’ (17. Jh.), neben gleichbed., heute seltenem abfolgen.

Thesaurus

Synonymgruppe
ableiten · ↗deduzieren · folgern · ↗herleiten · ↗kombinieren · ↗konkludieren · ↗schließen (aus) · ↗schlussfolgern
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autor Autorin Befund Beobachtung Biologe Fachblatt Fehl Forscher Kommentator Marktforscher Psychiater Psychologe Psychologin Statistiker Studienleiter Tatsache Umkehrschluß Unmöglichkeit Verfasser Wissenschaftler daraus hieraus insofern kühn logisch messerscharf sogleich voreilig zutreffend Ökonomen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›folgern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie folgern aus der Freiheit der Presse also eine Pflicht?
Der Tagesspiegel, 30.03.2002
Interessierte polnische Historiker wollten daraus folgern, dass die Juden erschossen worden sind.
Der Spiegel, 28.05.2001
Völlig falsch wäre es indes, folgerte man daraus, Planung sei unnötig.
Die Zeit, 10.11.1967, Nr. 45
Früher sei der Wald frei zugänglich gewesen, und man folgert auch daraus etwas zuungunsten des Regiments.
o. A.: Einhundertachtundsechzigster Tag. Montag, 1. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 12116
Das ließe sich höchstens aus dem Arbeiten der Organisation, wie ich es beschrieben habe, folgern.
o. A.: Sechsundsiebzigster Tag. Donnerstag, 7. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 1106
Zitationshilfe
„folgern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/folgern>, abgerufen am 26.06.2019.

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