flechten

GrammatikVerb · flicht, flocht, hat geflochten
Aussprache
Worttrennungflech-ten
Wortbildung mit ›flechten‹ als Erstglied: ↗Flechtarbeit · ↗Flechter · ↗Flechtweide · ↗Flechtwerk
 ·  mit ›flechten‹ als Letztglied: ↗aufflechten · ↗ausflechten · ↗durchflechten · ↗einflechten · ↗entflechten · ↗hineinflechten · ↗ineinanderflechten · ↗umflechten · ↗zusammenflechten
eWDG, 1967

Bedeutung

mehrere, meist drei geschmeidige Gebilde, besonders Haarsträhnen, Weidenruten, Bänder zu etw. Festem, Einheitlichem ineinanderschlingen
Beispiele:
das Haar (zu Zöpfen, in Zöpfe) flechten
sie flicht sich ein Band ins Haar
historisch jmdn. aufs Rad flechten
Strohhalme zu einem dicken Band, Blumen zu einem Kranz flechten
bildlich
Beispiel:
Ehret die Frauen! Sie flechten und weben / Himmlische Rosen ins irdische Leben [SchillerWürde der Frauen]
etw. Festes, Einheitliches durch Ineinanderschlingen von mehreren, meist drei geschmeidigen Gebilden herstellen
Beispiele:
einen Zopf flechten
einen Korb (aus Weidenruten) flechten
Rohrstühle flechten
Sessel mit geflochtenen Sitzflächen
Untersetzer aus Bast, Stroh flechten
das Mädchen hat sich [Dativ] (aus Blumen) einen Kranz geflochten
bildlich
Beispiel:
Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze [SchillerWallenst.Prolog]
übertragen
Beispiel:
Doch mit des Geschickes Mächten / Ist kein ew'ger Bund zu flechten [SchillerGlocke]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

flechten · Flechte · Geflecht · verflechten · Verflechtung · entflechten · Entflechtung
flechten Vb. ‘winden, ineinander verschlingen’, ahd. flehtan (9. Jh.), mhd. vlehten, asächs. flehtan, mnd. mnl. nl. vlechten, anord. fletta sind wie lat. plectere, aslaw. plesti, russ. plestí (плести) ‘flechten’ (ursprünglich wohl präsentische?) t-Erweiterungen und führen mit griech. plékein (πλέκειν) ‘flechten’ auf ie. *plek- ‘flechten, zusammenwickeln’ (wozu ↗Flachs, s. d., und mit sk-Suffix germ. *flahskō bzw. *flahskōn, nhd.Flasche, s. d.). Verwandtes aind. prásnaḥ ‘Turban, Kopfbinde’ weist dagegen auf ie. *plek̑-. Beide Formen der Gutturalerweiterung sind wahrscheinlich Weiterbildungen der unter ↗falten (s. d.) behandelten Wurzel ie. *pel-. Flechte f. ‘Zopf, Hautausschlag’, mhd. vlehte ‘Hautausschlag, Flechtwerk, Zopf’; vgl. got. flahta ‘Flechtwerk’; dann auch (an Flechtwerk erinnernde) ‘niedere Pflanze’ (18. Jh., doch bereits bei Bock 1539 Flechtenskraut). Geflecht n. ‘Flechtwerk’, ahd. gifleht (9. Jh.); vgl. auch ahd. giflehtida (9. Jh.). verflechten Vb. ‘ineinanderschlingen, fest verbinden’ (17. Jh.), im 20. Jh. besonders zu wirtschaftlichen Großunternehmen; Verflechtung f. ‘Zusammenhang, Verbindung’ (um 1800), auch in bezug auf Wirtschaftsunternehmen (20. Jh.); Gegensatz entflechten Vb. ‘auflösen, trennen’ (20. Jh.), Entflechtung f.

Thesaurus

Synonymgruppe
binden · flechten · ↗winden
Assoziationen
Synonymgruppe
einflechten (in) · flechten · zusammenweben
Synonymgruppe
aus Flechtwerk herstellen · flechten · ↗zusammenflechten
Synonymgruppe
flechten · ↗knüpfen · ↗spinnen · ↗weben · ↗wirken
Assoziationen
  • Riet · Webblatt · Weberblatt · Webkamm

Typische Verbindungen
computergeneriert

Binse Dornenkrone Girlande Haar Korb Kranz Lorbeer Lorbeerkranz Matte Mimus Mähne Nachwelt Rad Rastazopf Seil Strang Strick Strähne Weide Zopf Zweig einflechten färben hineinflechten ineinanderflechten kämmen nähen töpfern weben zusammenflechten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›flechten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor jedem Kampf soll er sich seinen Bart in zwei Zöpfe geflochten haben.
Süddeutsche Zeitung, 03.09.2004
Die exotische Frau steht auf, flechtet ihr Haar zu Zöpfen.
Bild, 06.01.1999
Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten.
Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 207
Dann wird das Haar sauber gekämmt, geflochten und möglichst glatt und schlicht aufgesteckt.
Bartz-Friedenau, Marie Luise: Willst genau du wissen, was sich schickt? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 22113
Veronikas Haare waren zu zwei Zöpfen geflochten und über den Ohren zu festen Schnecken gesteckt.
Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 14
Zitationshilfe
„flechten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/flechten>, abgerufen am 18.09.2019.

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