faustdick

GrammatikAdjektiv
Worttrennungfaust-dick (computergeneriert)
WortzerlegungFaustdick
eWDG, 1967

Bedeutung

Beispiel:
ein faustdicker Stein, Knüppel
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
eine faustdicke Lüge, Beleidigung, Grobheit, Schmeichelei, Tendenz
er trug faustdick auf (= übertrieb sehr)
jmd. hat es faustdick hinter den Ohren (= ist gerissen, durchtrieben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Faust · Fäustling · Faustrecht · Faustpfand · faustdick
Faust f. ‘durch starke Beugung der Finger fest geschlossene Hand, geballte Hand’. Die Etymologie ist ganz unsicher. Die westgerm. Formen ahd. fūst ‘Faust, Höhlung der Hand, Handvoll’ (8. Jh.), mhd. vūst, voust, asächs. mnd. fūst, aengl. fȳst, engl. fist, mnl. vuust, nl. vuist ergeben (bei angenommener Ersatzdehnung nach Nasalausfall) germ. *funsti-. Vergleicht man russ. pjast’ (пясть) ‘flache Hand, Mittelhand’ (aruss. pjastь ‘Faust’), poln. pięść ‘Faust’, so läßt sich ie. *pṇsti- bzw. älteres ie. *pṇksti- ‘Faust’ erschließen. In diesem Fall wären die germ. und slaw. Bezeichnungen (im Hinblick auf die fünf Finger einer Hand) mit ie. *penku̯e ‘fünf’ zu verbinden. Über ie. *pṇksti- käme man (im Hinblick auf die geballte Hand) für das Germ. auch auf die Wortgruppe von ↗fangen (s. d.), die allerdings im Slaw. kaum Entsprechungen hat. Setzt man für das Germ. dagegen ie. *punksti- als Ausgangsform an, so kann man die germ. Formen zu ie. *peuk̑- oder *peug̑- bzw. *peug- ‘stechen, boxen’ stellen. Dann bestünde Verwandtschaft mit lat. pūgnus ‘Faust’, griech. pýx (πύξ) Adv. ‘mit der Faust’, pygmḗ (πυγμή) ‘Faust, Faustkampf’, nicht aber mit den slaw. Formen; vgl. de Vries Nl. 807. Fäustling m. ‘Fausthandschuh’, ahd. fūstiling (11. Jh.). Faustrecht n. ‘Recht des Stärkeren, Rechtsfindung ohne Rechtsgrundlage’ (16. Jh.), auch ‘Zweikampf’ (15. Jh.). Faustpfand n. ‘vom Schuldner seinem Gläubiger gleichsam als Besitz in die geballte Hand zur Sicherung (für seine Forderung) überlassener Sachwert’ (18. Jh.). faustdick Adj. zunächst Maßangabe (18. Jh.), später oft bildlich, besonders in der Wendung es faustdick hinter den Ohren haben ‘(wider Erwarten) schlau, gerissen sein’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Lüge Sensation Überraschung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›faustdick‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch diese faustdicke Lüge habe der Kongress bislang nicht aufklären wollen.
Die Zeit, 28.01.2013, Nr. 04
Und schon da hatte er es faustdick hinter den Ohren.
Süddeutsche Zeitung, 12.12.2002
Ein mündiger Bürger von heute findet irgendwie alles verständlich; und deswegen muß man ihm mit faustdicken Verurteilungen kommen, wenn er irgendetwas davon nicht billigen sollte.
o. A.: EINE GROSSE STUNDE DER HEUCHELEI - VERPATZT! In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1988]
Ich bin entschlossen, diesen aufregenden Tag mit einer faustdicken Gemütlichkeit zu beschließen.
Flake, Otto: Scherzo. In: ders., Lichtenthaler Allee, Gütersloh: Mohn 1965 [1935], S. 388
Der hat freilich zum Dank dafür ein paar faustdicke Grobheiten einstecken müssen!
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 5064
Zitationshilfe
„faustdick“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/faustdick>, abgerufen am 23.05.2019.

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