fachsimpeln

GrammatikVerb · fachsimpelte, hat gefachsimpelt
Aussprache
Worttrennungfach-sim-peln (computergeneriert)
formal verwandt mitsimpel
Wortbildung mit ›fachsimpeln‹ als Erstglied: ↗Fachsimpelei
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich zwanglos, ausgiebig über nichts anderes als fachliche Angelegenheiten sprechen
Beispiele:
ein bisschen, wenig, gründlich fachsimpeln
mit jmdm. über etw. fachsimpeln
fröhlich fachsimpelten sie in Bussen und Straßenbahnen [BöllWort65]
auf dem Lande, wo abends die Herren Juristen um den runden Stammtisch herum fachsimpeln [TucholskyGanz anders181]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fach · Fachwerk · fächern1 · fachlich · fachsimpeln · -fach
Fach n. ‘Teil, Abteilung (eines Raumes, Behältnisses), Spezialgebiet’, ahd. fah ‘Mauer, Fischwehr’, ‘Wald (?)’ (8. Jh.), mhd. vach ‘Vorrichtung zum Aufstauen des Wassers, Fischwehr, Fangnetz, Stück, Teil, Abteilung einer Räumlichkeit, Mauer, Falte des Schleiers, Hemdes’, asächs. fak ‘Wand, Abteilung der Mauer’, mnd. vak ‘Abteilung’, mnl. vac, nl. vak ‘Fach, Abgeteiltes, Beet’, aengl. fæc ‘Zwischenraum, Einteilung, Zeit(raum)’ (vgl. auch mhd. gevach Adj. ‘wiederholt, häufig’, mnd. vāke, vāken ‘oft, häufig’) stellt sich als nur westgerm. Wort (*faka-) mit lat. pangere ‘befestigen, einschlagen’ und weiteren unter ↗Pakt (s. d.) genannten Formen sowie griech. pēgnýnai (πηγνύναι) ‘festmachen’, aruss. pazъ, russ. paz (паз) ‘Fuge, Nute, Vertiefung in Zaunpfählen zum Einfügen von Brettern’ zur Wurzel ie. *pā̌k̑-, *pā̌g̑- ‘festmachen’ (wozu auch ↗fangen, s. d.). Fach ‘das Abgeteilte, Festgefügte’ (verwandt mit ↗fügen, s. d.) gehört ursprünglich in die Sprache des Handwerks (Fischer ‘Fischwehr’, Tischler ‘Schrankfach’, Bauleute ‘Fachwerk’); die übertragene Bedeutung ‘Spezialgebiet’ entwickelt sich erst im 18. Jh. Die zeitliche Verwendung, die im Aengl. und Mhd. (s. oben gevach) noch belegt ist, kennt das Nhd. nicht mehr. Dach und Fach ‘das ganze Haus’ (17. Jh.). Fachwerk n. ‘Bauweise, bei der die Fächer (Zwischenräume) zwischen dem Balkengerüst mit Lehm oder Ziegeln ausgefüllt sind’ (17. Jh.). In neuerer Zeit werden Komposita mit Fach- ‘Spezialgebiet, Teildisziplin’ geläufig, vgl. im 19. Jh. Fachmann, im 20. Jh. Facharbeiter ‘Arbeiter mit abgeschlossener Ausbildung in einem Spezialgebiet’, Facharzt, Fachsprache ‘Sonderwortschatz eines Spezialgebiets’ (z. B. eines Handwerks), Fachwort. fächern1 Vb. ‘in Abschnitte unterteilen’ (19. Jh.), modern häufiger auffächern (20. Jh.), wobei das Bild des entfalteten Fächers (s. ↗Fächer) eingewirkt haben wird. fachlich Adj. ‘das Spezialgebiet betreffend’ (19. Jh.). fachsimpeln Vb. ‘unter Kollegen Fragen des eigenen Spezialgebiets erörtern’ (19. Jh.), zuerst wohl ‘einfältig über etw. reden’ (aus der Studentensprache); vgl. simpeln, geläufiger versimpeln ‘zum Dummkopf, beschränkt werden’ (zu ↗simpel, s. d.). -fach Suffix zur Ableitung von Adjektiven, die eine bestimmte Vermehrung in bezug zur Ausgangsgröße oder -menge angeben, ursprünglich zweites Glied von Possessivkomposita und als solches semantisch entweder zu Fach ‘Abgeteiltes’ oder ‘Falte’ (vgl. mhd. vach ‘Falte des Schleiers’) gehörig. Bildungen auf -fach sind seit dem Mhd. gebräuchlich, doch entstehen eine Reihe von Prägungen erst im Nhd., s. ↗einfach, zweifach, ↗mehrfach, ↗vielfach. Älter ist der den Weiterbildungen -faltig, -fältig zugrundeliegende Bildungstyp got. falþs, ahd. -falt, mhd. -valt, frühnhd. -falt, s. ↗falten und ↗Einfalt.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Besucher Bier Dame Experte Fan Fußball Gast Kollege Pause Sport Tisch darüber diskutieren miteinander plaudern stundenlang tauschen trinken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fachsimpeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch für sie ist ein vorsichtiges Lob angebracht, denn wer fachsimpelt schon gerne über zweifelsfrei richtige Entscheidungen?
Die Zeit, 13.01.2005, Nr. 03
Der Bewerber droht sich um Kopf und Kragen zu fachsimpeln.
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2004
Verkauft wird nicht, wäre ja verboten, nur getauscht und gefachsimpelt.
Die Welt, 21.08.2004
Während ich ausnahmsweise einen Gemüseauflauf vorbereite, scheinen die beiden im Garten leise und intensiv zu fachsimpeln.
Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 129
Es fachsimpelt aber auch in den Kleinsatztexten und in den speziellen Zeichnungen mit dem Techniker, dem Bastler.
Rosenzweig, Gerhard: Unsere Modelleisenbahn, Gütersloh: Bertelsmann Verlag 1966, S. 7
Zitationshilfe
„fachsimpeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/fachsimpeln>, abgerufen am 27.06.2019.

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