förmlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungförm-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›förmlich‹ als Erstglied: ↗Förmlichkeit  ·  mit ›förmlich‹ als Letztglied: ↗rechtsförmlich · ↗schriftförmlich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
die äußeren Formen streng beachtend
Beispiele:
ein förmliches Benehmen, Betragen
förmlich (= steif im Umgang) sein
seine Haltung ist sehr förmlich
warum denn so förmlich?
je älter er wurde, desto förmlicher wurde er
etw. förmlich tun, sagen
jmdn. förmlich begrüßen, vorstellen, einladen
sich förmlich benehmen
nun saßen wir uns förmlich und steif gegenüber [DürrenmattVersprechen102]
sich streng nach der Vorschrift richtend
Beispiele:
eine förmliche Abmachung, Kündigung
die förmliche Übergabe eines Amtes
der förmliche Bruch eines Versprechens
einen förmlichen Antrag stellen
einen förmlichen Vertrag schließen
sie gaben eine förmliche Erklärung ab
seine förmliche Zustimmung geben
seinen förmlichen Abschied nehmen, erhalten
als der Prinz zunächst seinem »Chef« zu einem förmlichen Protest das Wort erteilte [A. ZweigEinsetzung33]
2.
ohne Steigerung
umgangssprachlich regelrecht, richtiggehend
Beispiele:
hier herrscht ein förmliches Durcheinander, Chaos
das ist ja (eine) förmliche Erpressung!
ihn durchfuhr ein förmlicher Schreck
eine förmliche Scheu vor etw. bekommen
einen förmlichen Widerwillen, eine förmliche Abscheu verspüren
es kam zu einem förmlichen Aufruhr, zu einer förmlichen Feindschaft
Er hatte eine förmliche Angst vor Berlin [Kellerm.Totentanz33]
geradezu
Beispiele:
förmlich erschrecken, verzweifeln
sich förmlich fürchten
förmlich überrascht, verärgert sein
er ist förmlich außer sich
er fällt mir förmlich auf die Nerven
man könnte förmlich aus der Haut fahren!
jmdn. förmlich (zu etw.) zwingen
sie haben es förmlich darauf abgesehen, uns zu ärgern
das macht mich förmlich nervös! [Th. MannBuddenbrooks1,130]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Form · formen · Formung · -förmig · förmlich · formlos · Umgangsformen
Form f. ‘(innere und äußere) Gestalt, Art und Weise, Gehäuse (für plastische Gestaltung)’. Mhd. form(e) ‘Gestalt, Vorbild, Muster, Art und Weise’ wird um die Mitte des 13. Jhs. aus lat. forma ‘Gestalt, Figur, Äußeres’ (wozu lat. formāre ‘formen, gestalten’) entlehnt und anfangs nur auf die menschliche Gestalt bezogen. formen Vb. ‘gestalten, in eine bestimmte Form bringen’, mhd. formen, Ableitung vom Substantiv. Formung f. ‘Gestaltung’, mhd. formunge ‘Gestalt, Gestaltung’. -förmig ‘mit einer bestimmten Gestalt versehen, ihr entsprechend’, bereits im 14. Jh. als zweites Glied von Adjektivkomposita belegt, vgl. gotformec ‘wie Gott gestaltet’, gelīchformec ‘übereinstimmend’, nhd. gleichförmig, auch (18. Jh.) ‘eintönig’; Belege für das Simplex förmig nur selten im 16. Jh., während sich das Antonym unförmig (ebenfalls 16. Jh.) durchzusetzen vermag. förmlich Adj. ‘konventionell, steif’, als Adv. ‘nahezu, fast’, mhd. form(e)lich ‘so gestaltet wie, herkömmlich, schicklich’. formlos Adj. ‘keine feste Form besitzend, auf eine bestimmte Form verzichtend, zwanglos, ungeschliffen’, mhd. formelōs ‘gestaltlos’. Umgangsformen Plur. ‘gutes, ansprechendes Benehmen, das der Sitte und dem Herkommen entspricht’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
formell · förmlich · ↗unpersönlich  ●  ↗steif  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
buchstäblich · förmlich · mehr oder weniger · ↗nachgerade · nur so · ↗praktisch · ↗richtiggehend  ●  ↗geradezu  ugs. · ↗regelrecht  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anrede Beanstandung Beihilfeverfahren Beschluß Disziplinarverfahren Entschuldigung Ermittlungsverfahren Festlegung Kartellverfahren Kriegserklärung Mißbrauchsverfahren Planungsverfahren Prüfverfahren Untersuchungsverfahren Verwaltungsverfahren Wettbewerbsverfahren aufblühen aufdringen aufdrängen aufsaugen betteln explodieren gieren hineinkriechen lechzen riechen schreien spüren überquellen überschlagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›förmlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einen förmlichen Beschluß darüber habe es im Ausschuß nicht gegeben.
Die Welt, 20.04.2006
Meist hält er seine Arbeiten für unfertig, und so muß man ihm Stück für Stück förmlich aus den Händen ringen.
Der Tagesspiegel, 18.01.1999
Sie sagte das natürlich nicht wörtlich so, aber doch ähnlich, und es sprang einem förmlich aus ihrem ganzen Verhalten entgegen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1939. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1939], S. 138
Dabei schlägt die den Stab übernehmende Hand den Stab förmlich aus der Hand.
Hoke, Ralph Johann u. Schmith, Otto: Grundlagen und Methodik der Leichtathletik, Leipzig: Barth 1937, S. 60
Er unterwirft mich wirklich einer förmlichen Prüfung, dachte ich bitter.
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 5107
Zitationshilfe
„förmlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/förmlich>, abgerufen am 20.07.2019.

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