ethnisch

GrammatikAdjektiv · Komparativ: ethnischer · Superlativ: am ethnischsten, Steigerung selten
Aussprache
Worttrennungeth-nisch
Herkunftaus ethnikósgriech (ἐθνικόςgriech) ‘zum (fremden) Volk gehörig, volkstümlich, ausländisch’
Wortbildung mit ›ethnisch‹ als Letztglied: ↗interethnisch · ↗multiethnisch
eWDG, 1967 und ZDL, 2019

Bedeutungen

1.
ohne Steigerung
in Bezug, mit Hinblick auf, auf Grund von Abstammung, Sprache oder Volkszugehörigkeit
Beispiele:
Zwischen Cottbus und Bautzen lebt die ethnische Minderheit der Sorben. [die tageszeitung, 06.07.1991]
Gegen eine Schule in Dänemark sind am Mittwoch Rassismusvorwürfe laut geworden, weil sie ihre Klassen nach der ethnischen Herkunft der Schüler zusammensetzt. [Neue Zürcher Zeitung, 07.09.2016]
Bei ethnischen Auseinandersetzungen [Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Volksgruppen] an der Grenze zwischen Äthiopien und Kenia sind mindestens 18 Menschen getötet worden. [Der Standard, 28.07.2012]
Die Bilder und Berichte von den ethnischen Säuberungen auf dem Balkan trugen dazu bei, daß erstmals nach Jahrzehnten wieder ein breites, von Empathie getragenes Interesse am Schicksal der deutschen Opfer von Krieg und Vertreibung erwachte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2005]
Eine marginale geographische Lage, kulturelle Einzigartigkeit, aber auch die Einwanderungspolitik der Behörden sorgen bereits seit Jahrhunderten für die aussergewöhnliche ethnische Einheitlichkeit von Japans Bevölkerung. [Neue Zürcher Zeitung, 27.11.1999]
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ethnische Minderheit, Gruppe, Zugehörigkeit, Herkunft, Identität, Homogenität, Vielfalt, Zusammensetzung; ethnische Säuberung, Vertreibung, Diskriminierung; ethnische Konflikte, Spannungen, Unruhen
als Adverbialbestimmung: ethnisch homogen, gemischt, gespalten, geteilt, zersplittert, verwandt, gesäubert, motiviert
in Koordination: ethnisch und religiös, rassisch, sprachlich, national, kulturell, konfessionell, regional, sozial, geografisch
2.
ohne Steigerung
für ein bestimmtes Volk charakteristisch, einem bestimmten Volk eigen, zugehörig
Beispiele:
Die 7 bis 8 Millionen Uiguren in Xinjiang […] sind ein Turkvolk mit eigener Sprache und Schrift sowie ethnischen Traditionen. [Berliner Zeitung, 02.11.2004]
In ganz Westeuropa ist die Frage, wieweit die Tolerierung religiöser und ethnischer Besonderheiten der Minderheits- und Immigrationskulturen mit […] der […] religiösen Neutralität des Staates vereinbar sei, zu einem vorrangigen gesellschaftlichen Thema geworden. [Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2006]
Ein Vertreter des orthodoxen Ulama-Rates brachte das Bestreben der Fundamentalisten, die vermeintlich reine Religion von den »unislamischen« kulturellen Elementen zu reinigen, auf den Punkt mit der Forderung, die ethnischen Trachten der indonesischen Völker gehörten ins Museum verbannt, sollten sie gegen die sittlichen Vorgaben des Islams verstoßen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2006]
So selbstbewusst Maori ihre ethnische Besonderheit eintätowiert zur Schau tragen, so unnachgiebig fordern manche Ureinwohner Neuseelands, dass ihre verbrieften Landrechte respektiert werden. [Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2003]
3.
Steigerung selten
nichtwestlich, exotisch
Beispiele:
Die ethnische Küche der arabischen […] oder asiatischen Carrier […] verlange nach »ethnischen Köchen«[…] – so wie es für die aufwändigen Patisserien […] österreichische Köche braucht. [Der Standard, 30.01.2008]
Sein riesiges Instrumentarium umfaßt als Grundstock eine Reihe mehr oder weniger konventioneller Saxophone, Klarinetten und Flöten. Diese werden von ethnischen Instrumenten ergänzt, wie einem afrikanischen Daumenklavier oder einer Nasenflöte. [die tageszeitung, 06.01.1992]
[…]Gespielt wird jede im Klang passende ethnische Musik, von arabischer über griechische, türkische bis zu asiatischer, besonders aber indischer[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2013]
Andere ethnische Küchen wie Mexikanisch oder Türkisch haben ganz unten angefangen, in der Imbissbude, und sich dann hochgearbeitet. Sushi hingegen war von Anfang an teuer und edel. [Die Zeit, 04.08.2011, Nr. 32]
Neben ethnischen Einflüssen wie bei Armani brachten die Mailänder Schauen auch Inspirationen aus dem Sport und aus den 70er Jahren. [Die Zeit, 28.09.2010 (online)]
Am Ende [des Musikwettbewerbs] siegen die mit den buntesten Kostümen, den wildesten Tänzern und den ethnischsten Trommeln – also die Vertreter einer in Europa allzu bekannten afrikanischen Musiktradition. [Süddeutsche Zeitung, 06.03.2004] ungewöhnl.

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ethnisch · Ethnographie · ethnographisch · Ethnologie · ethnologisch
ethnisch Adj. ‘zu einer durch historisch-kulturelle Gemeinsamkeiten verbundenen größeren Menschengruppe gehörend, für eine bestimmte Völkerschaft charakteristisch’. Das im 19. Jh. von der Geschichtswissenschaft, besonders von der sich entwickelnden Völkerkunde her in den allgemeinen Sprachgebrauch gelangende Adjektiv folgt griech. ethnikós (ἐθνικός) ‘zum (fremden) Volk gehörig, volkstümlich, ausländisch’, Ableitung von griech. éthnos (ἔθνος) ‘zusammenlebende Menge, Schar, Stamm, Volk’. Wesentlich früher (bei Paracelsus, 30er Jahre des 16. Jhs.) ist ethnisch in der für kirchenlat. ethnicus, bei christlichen Schriftstellern auch für griech. ethnikós geltenden Bedeutung ‘heidnisch’ belegt (vgl. in diesem Sinne engl. ethnic seit dem 15. Jh., frz. ethnique seit dem 16. Jh.). Ethnographie f. ‘beschreibende Völkerkunde’, auch (als Synonym von Völkerkunde) Bezeichnung für den gesamten Wissenschaftszweig; im 18. Jh. aufkommende Bildung zu griech. éthnos ‘Menge, Volk’ (s. oben) mit dem häufig auftretenden Kompositionselement ↗-graphie (s. d.), die in der 1. Hälfte des 19. Jhs. international bekannt wird, vgl. frz. ethnographie, engl. ethnography, russ. ėtnográfija (этнография); dazu ethnographisch Adj. (18. Jh.). Ethnologie f. ‘vergleichende Völkerkunde’, auch überhaupt ‘Völkerkunde’ (Mitte 19. Jh.), nach frz. ethnologie, engl. ethnology, zusammengesetzt aus griech. éthnos ‘Menge, Volk’ (s. oben) und dem für ‘Lehre, Wissenschaft’ üblichen Grundwort ↗-logie (s. d.); dazu ethnologisch Adj. (19. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Albaner Diskriminierung Gruppe Gruppierung Herkunft Homogenität Identität Konflikt Minderheit Minorität Spannung Säuberer Säuberung Teilung Unruhen Vertreibung Vielfalt Zugehörigkeit Zusammensetzung gemischt geographisch gesäubert homogen konfessionell kulturell motiviert rassisch religiös sprachlich säubern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ethnisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch seit langem sind viele ethnische Gruppen hier stärker präsent als die Iren.
Süddeutsche Zeitung, 09.08.2004
Vielleicht ist es nicht ganz so, doch die ethnische Trennung wird Jahr für Jahr deutlicher.
Der Tagesspiegel, 13.04.2001
Während einer Übergangsperiode, so konnte man hören, seien ethnische Werte wichtiger als individuelle Rechte.
Die Zeit, 19.10.1990, Nr. 43
Infolgedessen spiegelte sich in ihrer Kultur ein ziemlich buntes Gemisch heterogener ethnischer Elemente wider.
Wilson, John A.: Ägypten. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 6151
Das ethnische Gebiet der Slowenen ist nicht groß, aber sehr mannigfaltig.
Rihtman, Cvjetko u. a.: Jugoslawien. In: Blume, Friedrich (Hg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1958], S. 45585
Zitationshilfe
„ethnisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ethnisch>, abgerufen am 22.04.2019.

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