erwachen

GrammatikVerb · erwacht, erwachte, ist erwacht
Aussprache
Worttrennunger-wa-chen
Wortzerlegunger-wachen
Wortbildung mit ›erwachen‹ als Letztglied: ↗wiedererwachen  ·  mit ›erwachen‹ als Grundform: ↗Erwachen
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
jmd. erwacht (aus etw.)aus einem schlafenden, träumenden oder betäubten Zustand in einen wachen, aufmerksamen, aktiven Zustand übergehen
Beispiele:
Drei Wochen nach seinem brutalen Kampf und anschließender Gehirn-OP ist der russische Profiboxer Magomed A[…] aus dem künstlichen Koma erwacht. [Die Zeit, 23.11.2013 (online)]
So beobachteten sie [Wissenschaftler] […], daß Schlangen aus dem Winterschlaf erwachten und ihren Unterschlupf verließen – wenige Tage später wurde die Region von einem starken Erdbeben erschüttert. [Die Welt, 31.12.2004]
Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. [Kafka, Franz: Die Verwandlung. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 106556. Zitiert nach: Die weißen Blätter, Bd. 2, Nr. 10, 1912.]
übertragen Europa verfiel in einen geistigen Tiefschlaf, aus dem es fast 1000 Jahre lang nicht erwachte. [Der Spiegel, 27.12.1999, Nr. 52]
übertragen Das einstige habsburgische Lemberg war langsam aus dem Schlaf erwacht. [Die Welt, 04.12.2013]
Kollokation:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: aus dem Schlaf, Koma, der Narkose, einem Traum, Albtraum erwachen
2.
jmd., etw. erwacht (zu etw.)Lebendigkeit, Vitalität (wieder)gewinnen, Aktivität entfalten
Beispiele:
Bis das westfälische Land aus seiner Naturidylle gerissen wurde und zu seinem Jahrhundertaufschwung erwachte, sollten noch 60 Jahre vergehen. [Die Welt, 30.05.2018]
Eine im Dornröschenschlaf versunkene Welt aber auch, die heute zu neuem Leben erwacht: zum Beispiel im Fahrngruber Hammer, einer von insgesamt sechs Schauschmieden[…]. [Der Standard, 23.12.2005]
Tirol sei wie Schneewittchen zu neuer Schönheit erwacht. [Die Zeit, 09.12.1999, Nr. 50]
Beim Thema Geld erwachen die Gespräche zu ungeahnter Lebendigkeit. [die tageszeitung, 24.12.1994]
Die inzwischen auf vier Millionen Einwohner angewachsene Stadt, die sich über 2000 Quadratkilometer erstreckt, erwacht zu neuer Geschäftigkeit. [Berliner Zeitung, 31.12.1990]
Das Lager erwachte zu ungewöhnlicher Aktivität; es wurde geputzt und geschrubbt. [Der Spiegel, 23.04.1984, Nr. 17]
Kollokation:
mit Adverbialbestimmung: zu neuem Leben, neuer Aktivität erwachen
3.
etw. erwacht (in, bei jmdm.)aus dem bisherigen Ruhezustand geweckt werden, aktiv werden
Beispiele:
Ihr Interesse an der Politik war in einem Milieu erwacht, in dem Linkssein selbstverständlich war. [Die Welt, 21.09.2018]
Um die Wende zum 20. Jahrhundert erwachte auch im Winterthurer Bürgertum der Wunsch nach einem repräsentativen Haus für die Kultur. [Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2010]
»Ende der neunziger Jahre erwachte bei den Türken in Deutschland ein neues Selbstbewusstsein«[…] [Welt am Sonntag, 30.12.2001]
Erst jetzt schien eine ungute Ahnung in ihr zu erwachen. [Berliner Zeitung, 31.05.1986]
1913 besuchte er die große Ausstellung der Italienischen Futuristen, die auf ihn einen so starken Eindruck machte, daß die unwiderstehbare Sehnsucht nach der Malerei aufs neue in ihm erwacht. [Neues Deutschland, 07.11.1946]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wachen · erwachen · Wache · wachsam · Wachsamkeit · wach
wachen Vb. ‘munter sein, nicht schlafen, aufpassen, Wache halten’, ahd. wahhēn (8. Jh.), wahhōn (9. Jh.), mhd. wachen ‘munter sein oder werden, Wache halten’, asächs. wakon, mnd. mnl. wāken, nl. waken, aengl. wacian, engl. to wake, anord. vaka, auch ‘sich bewegen, zeigen’, schwed. vaka sowie aengl. wæcnan, got. gawaknan ‘erwachen’ stellt sich wie ↗Wacht und ↗wacker (s. d.) zu den unter ↗wecken (s. d.) behandelten Formen. Vgl. anord. vakinn ‘wach’, Part. Prät. zu einem starken Verb germ. *wak(n)an ‘erwachen’ (s. ↗wecken). Die Ausgangsbedeutung ‘munter sein’ wird präzisiert zu ‘nicht schlafen’ und ‘Wache halten, wachsam sein’. erwachen Vb. ‘aufwachen’, ahd. irwahhēn (9. Jh.), mhd. erwachen. Wache f. ‘das Wachehalten, die Zeit des Wachehaltens, die wachehaltende(n) Person(en)’, ahd. wahha ‘nächtliches Wachen, das Wachbleiben’ (10. Jh.), mhd. wache, auch ‘das Wachehalten, Wachsamkeit’, frühnhd. ‘Wachmannschaft, wachende Person, Wachzeit’ (16. Jh.), mnd. mnl. wāke, nl. waak, aengl. nihtwacu ‘Nachtwache’, engl. wake, anord. schwed. vaka (germ. *wakōn). S. dazu konkurrierendes ↗Wacht. wachsam Adj. ‘aufmerksam, achtsam’, in älterer Sprache auch ‘wach, munter’ (17. Jh.); zuvor (als Bildung zu ↗Wacht, s. d.) wachtsum (16. bis 18. Jh.). Wachsamkeit f. ‘Aufmerksamkeit, Achtsamkeit’, in älterer Sprache auch ‘das Wachsein, Munterkeit’ (17. Jh.), Wachtsamkeit (um 1600). wach Adj. ‘munter, nicht schlafend, lebhaft’ (16. Jh.), als Rückbildung von Wache (s. oben) an die Stelle von ↗wacker (s. d.) tretend.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufhören zu schlafen · erwachen  ●  ↗aufwachen  Hauptform · wach werden  ugs.
Assoziationen
  • ruhen · ↗schlummern  ●  ↗schlafen  Hauptform · (sich) in Morpheus' Armen wiegen  geh. · Bubu machen  ugs., Kindersprache · an der Matratze horchen  ugs. · ↗dösen  ugs. · in Morpheus' Armen liegen  geh. · in Morpheus' Armen ruhen  geh. · ↗knacken  ugs. · ↗koksen  ugs. · ↗pennen  ugs., salopp · ↗pofen  ugs., salopp · ↗ratzen  ugs. · ↗schnarchen  ugs.
  • auf den Beinen (sein) · ausgeschlafen haben  ●  wach (sein)  Hauptform · ↗auf sein  ugs.
Synonymgruppe
(jemandes) Lebensgeister erwachen · ↗aufleben · erwachen · munter werden · wach (werden)
Assoziationen
  • (sich) in Fahrt reden · (sich) in Schwung reden · auf Touren kommen · in Fahrt geraten · in Fahrt kommen · in Schwung kommen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Albtraum Alptraum Betäubung Bewußtlosigkeit Dornröschenschlaf Erstarrung Frühlingsgefühl Kampfgeist Koma Leben Lebensgeist Lethargie Morgen Narkose Ohnmacht Riese Schlaf Schlummer Schläfer Starre Tiefschlaf Traum Winterschlaf allmählich einschlafen jäh langsam morgens nachts wiedererwachen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erwachen‹.

Zitationshilfe
„erwachen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/erwachen>, abgerufen am 13.11.2019.

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