erwägen

GrammatikVerb · erwog, hat erwogen
Aussprache
Worttrennunger-wä-gen
Grundformwägen
Wortbildung mit ›erwägen‹ als Erstglied: ↗erwägenswert
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben etw. im Hinblick auf die möglichen Konsequenzen prüfen, überlegen
Beispiele:
etw. reiflich, gründlich, ernstlich, wohlwollend erwägen
eine Möglichkeit, einen Plan, ein Projekt, eine Frage (nach allen Seiten) erwägen
er erwog, ob er seinen Beruf wechseln sollte
es bleibt zu erwägen, ob ...
er erwägt, seine Stellung aufzugeben, die Stadt zu verlassen
die Chancen, seine Vorteile, Nachteile bei (einer Sache) erwägen
er erwägt nicht nur den Angriff, sondern auch seine Gefahren [St. ZweigSternstunden7]
Vielleicht erwog jeder für sich, das Mädchen zu suchen [JahnnHolzschiff156]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wägen · abwägen · erwägen
wägen Vb. ‘vorsichtig bedenken, überlegend prüfen’, fachsprachlich (älteren Gebrauch fortsetzend) ‘auf die Waage legen und das Gewicht bestimmen’ (wofür sonst ↗wiegen, s. d.). Auszugehen ist von dem starken Verb ahd. wegan ‘wiegen, wägen, einschätzen, bewegen’ (8. Jh.), mhd. wegen ‘in Bewegung setzen, (sich) bewegen, wiegen, wägen, einschätzen, Gewicht, Zahl, Wert haben’, asächs. wegan ‘(er)wägen’, mnd. wēgen ‘wiegen, schwer sein, wägen’, mnl. wēghen ‘wägen, schätzen’, nl. wegen, aengl. wegan ‘wägen, messen’, anord. vega ‘schwingen, heben, wägen, schätzen’. Dazu gehört das schwache Kausativum ahd. weggen (8. Jh.), mhd. wegen ‘bewegen, schwingen, schütteln’; zu Verwandtschaft und Herkunft s. ↗bewegen. Beide Verben fallen im Nhd. in der oben genannten verengten Bedeutung zusammen. Der Vokalismus der starken Präteritalformen mhd. wac, wāgen (Prät.), gewegen (Part. Prät.) wird vom 15. Jh. an nach -o- ausgeglichen, vgl. mhd. wuoc (neben wac), frühnhd. wug, dann wog (ab 16. Jh.) und frühnhd. gewogen (15. Jh.). Aber auch dem schwachen Verb folgende Präteritalformen (nhd. wägte, selten auch gewägt) bleiben vereinzelt erhalten. Die Schreibung mit -ä- (im 15. Jh. auftretend) wird im Hinblick auf Waage durch die Wörterbücher und Grammatiken des 17. Jhs. verbreitet. abwägen Vb. ‘das Gewicht feststellen, abwiegen’ (15. Jh.), ‘messen’ (16. Jh.) und ‘(vergleichend) prüfen, genau überlegen, bedenken’ (15. Jh.). erwägen Vb. ‘prüfend überlegen, bedenken’, mhd. erwegen ‘emporheben, in Bewegung setzen, zu etw. bewegen, entschlossen machen, bedenken’, reflexiv auch ‘auf-, preisgeben’, vielleicht schon (unsicher) ahd. irwegan ‘bedenken, überlegen’ (9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
erachten · erwägen · in Betracht ziehen · in Erwägung ziehen  ●  mit dem Gedanken spielen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einer Sache) Rechnung tragen · ↗bedenken · ↗berücksichtigen · ↗einberechnen · ↗einbeziehen · ↗einkalkulieren · ↗einplanen · ↗einrechnen · erwägen · in Betracht ziehen · in Erwägung ziehen · in Rechnung stellen · in der Kalkulation berücksichtigen · ↗integrieren · mit einbeziehen · nicht vergessen dürfen  ●  ↗einpreisen  fachspr. · im Hinterkopf behalten  ugs. · in Anschlag bringen  geh. · ↗inkludieren  fachspr. · ↗sehen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bedenken · ↗betrachten · ↗denken · ↗durchdenken · erwägen · ↗nachdenken · ↗reflektieren · ↗studieren · ↗ventilieren · ↗überdenken · ↗überlegen  ●  ↗ausklügeln  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausstieg Austritt Boykott Bundesregierung Börsengang Einführung Entsendung Gründung Kandidatur Klage Möglichkeit Option Rücktritt Rückzug Sanktion Schließung Schritt Umzug Verfassungsklage Verkauf Verlegung Verschiebung Zeitungsbericht ernsthaft nun offenbar sogar unterdessen verwerfen zudem

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erwägen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man erwägt, das als zu groß empfundene Restaurant zu verkleinern.
Der Tagesspiegel, 08.11.1999
Der Leser mag erwägen, was er mit diesem Geld anstellte, könnte er darüber selbst verfügen.
Süddeutsche Zeitung, 11.09.1997
Auf dem Wege hierher hatte er noch erwogen, es ihr persönlich zu sagen.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 451
Überhaupt muß man den Preis erwägen, der für diese Entwicklung bezahlt werden mußte.
Maurer, W.: Reformation. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 553
Und schließlich ist auch zu erwägen, daß er keinen dauernden Schaden verursacht hat.
Friedländer, Hugo: Die Vorkommnisse in der Fürsorgeanstalt Mieltschin. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 17662
Zitationshilfe
„erwägen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/erwägen>, abgerufen am 25.04.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Erwachsenwerden
Erwachsensein
Erwachsenenwelt
Erwachsenentaufe
Erwachsenenleben
erwägenswert
Erwägung
Erwägungsgrund
erwählen
Erwählte