erniedrigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunger-nied-ri-gen (computergeneriert)
Wortzerlegunger-niedrigen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn., sich moralisch herabziehen, herabwürdigen
Beispiele:
Menschen zu Sklaven erniedrigen
er war wie ein Hund erniedrigt worden
ein erniedrigender Antrag
sie standen in einem erniedrigenden Verhältnis zu ihm
etw. kommt jmdm. erniedrigend vor
er fühlte sich erniedrigt
den Menschen zu einem technischen Apparat zu erniedrigen [KlempererLTI166]
Man kann uns niedrig / Behandeln, nicht erniedrigen [SchillerStuartI 2]
sich erniedrigen
Beispiele:
wie konnte er sich so erniedrigen?
Unmöglich aber auch, sich zu erniedrigen und zu bitten [A. ZweigEinsetzung465]
2.
Musik eine Note erniedrigendie Note mit einem B versehen und dadurch einen Halbton niedriger setzen
Beispiele:
D zu Des erniedrigen
die Rückführung der erniedrigten Töne durch das Auflösungszeichen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nieder · nieder · Niederung · niedrig · erniedrigen · niedrigen · Niedertracht · niederträchtig · niederdeutsch · nieden · hienieden
nieder Adv. ‘herab, herunter, hinunter, hinab, zu Boden’, ahd. nidar ‘unter’ Präp. (10. Jh.), ‘unten, herunter, herab’ Adv. (um 800), mhd. nider Adv. ‘hinunter, herunter’, asächs. niðar, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neder, neer, aengl. niþer, anord. niðr, schwed. ned sowie aind. nitarā́m ‘niederwärts, nach unten’ sind komparativische Ableitungen (ie. *nitero- ‘niederer’) von in aind. ‘nieder, herab, rückwärts, hinein’ enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ (s. auch ↗Nest), während verwandtes aslaw. nizъ ‘nieder, hinab, unten’, russ. vniz (вниз) ‘hinab, abwärts’ sowie griech. (episch) né͞iatos (νείατος) ‘unterster, äußerster’ auf ie. *ni-, *nei- führen. nieder Adj. ‘niedrig’, ahd. nidari ‘nieder, niedrig, tief, klein, gering’ (8. Jh.), mhd. nider(e), asächs. niðari, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neer, afries. nither, nether, aengl. niþera, neoþera, engl. nether, anord. neð(ar)ri, schwed. nedre (germ. *niþra), tr-Ableitung vom Stamm ie. *ni- ‘nieder, unten’. Niederung f. ‘flaches, niedrig gelegenes Land, Ebene’ (Ende 17. Jh., geläufig 19. Jh.), zuvor ‘Erniedrigung, Demütigung’, ahd. nidarunga ‘Verdammung’ (9. Jh.), mhd. niderunge ‘Erniedrigung’, mnd. nēderinge, Abstraktbildung zu ahd. nideren (um 800), mhd. nider(e)n ‘niedrig machen, herabsetzen, erniedrigen’, mnd. nēderen. niedrig Adj. ‘unten befindlich, tief gelegen, nicht hoch, gering an Wert und Würde, untergeordnet’ (16. Jh.), mnd. nēderich, Weiterbildung zum Adj. nieder. erniedrigen Vb. ‘demütigen, herabsetzen’ (16. Jh.), Weiterbildung von älterem gleichbed. niedrigen Vb. (niderigen, 15. Jh.). Niedertracht f. ‘Gemeinheit in Gesinnung und Handlung’ (Mitte 18. Jh.), rückgebildet aus niederträchtig Adj. ‘gemein, schäbig’ (17. Jh.), ‘gesenkt, geneigt, niedrig, tiefliegend, unterwürfig, verzagt, geringen Standes’ (16. Jh.), spätmhd. nidertrehtic ‘von oben herab angesehen, gering geschätzt, verächtlich’, zu mhd. sich tragen ‘sich benehmen, betragen’ (s. ↗tragen, ↗Tracht). niederdeutsch Adj. zur Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Deutschen; zuerst auf die niederländische Sprache bezogen (2. Hälfte 15. Jh.), ausgehend wohl von der ‘niedrig gelegenen, flachen’ Beschaffenheit des Landes (vgl. Nider teutschelant, 2. Hälfte 15. Jh., und die Bezeichnung Niederlande), auch zur Kennzeichnung des dort lebenden Volkes (nider dütsch, 1. Hälfte 16. Jh.) und seiner Sprache (durchgängig seit 1641, Schottel); s. das Gegenwort ↗hochdeutsch. nieden Adv. ‘unten, in der Tiefe, auf dieser Erde’, ahd. nidana (9. Jh.), mhd. niden(e), asächs. niđana, mnl. neden(e) (vgl. nl. beneden), afries. nida, aengl. niðan, neoðan, anord. neðan aus (mit einem die Richtung angebenden Suffix -ana) germ. *niþana ‘von unten her’. Bereits Adelung erklärt: „nur noch … in der höhern poetischen Schreibart“. Entsprechend hienieden Adv. ‘hier unten, auf Erden’, ahd. hier nidana (9. Jh.), danach in der Zusammenrückung mhd. hieniden(e), mit hie, einer Nebenform von ↗hier (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) demütigen · ↗(sich) entwürdigen · (sich) erniedrigen  ●  ↗(sich) wegwerfen  fig. · im Staub(e) kriechen vor  geh., veraltend, fig.
Assoziationen
  • (sich) alles gefallen lassen · (sich) nicht wehren · alles mit sich machen lassen · kein Ehrgefühl (im Leibe) haben · keinen Stolz haben
Synonymgruppe
(etwas) herunterfahren · ↗absenken · ↗dämpfen · ↗einschränken · ↗ermäßigen · erniedrigen · ↗herabsetzen · herunterfahren mit · heruntergehen mit · ↗heruntersetzen · ↗kürzen · ↗mindern · ↗nachlassen · ↗reduzieren · ↗schmälern · ↗senken · ↗unterbieten · ↗verkleinern  ●  ↗zurückfahren  fig. · herunter schrauben  ugs. · ↗herunterschrauben  ugs. · runterfahren  ugs. · ↗runtergehen  ugs.
Assoziationen
  • (stark) einbrechen  fig., variabel · (stark) sinken (Kurse, Preise)  Hauptform · ↗abstürzen  fig. · in den Keller rauschen  fig. · in den Keller gehen  ugs., fig.
  • (durch gewaltsamen Eingriff) stark vermindern · ↗dezimieren · ↗verringern
Synonymgruppe
beschämen · ↗demütigen · ↗entehren · ↗entwürdigen · erniedrigen · ↗niedermachen
Oberbegriffe
Synonymgruppe
ablassen · ↗absenken · erniedrigen · ↗herunterlassen · ↗heruntersetzen · ↗senken
Oberbegriffe
Synonymgruppe
demoralisieren · erniedrigen · ↗kleinkriegen  ●  jemanden fertig machen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Handlanger Sklave Sklaverei Werkzeug attackieren ausbeuten ausgrenzen beleidigen berauben beschimpfen beschämen bestrafen betrügen buchstäblich degradieren demütigen einsperren entwürdigen erhöhen ermorden erniedrigen foltern mißbrauchen mißhandeln prügeln quälen unterdrücken verderben vergewaltigen verspotten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erniedrigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und er erniedrigt sich, mehr, als sie es je getan hat.
Der Tagesspiegel, 20.09.2000
Die Opposition beschuldigt nun die Regierung, sie erniedrigen zu wollen.
Süddeutsche Zeitung, 12.09.1998
Er, der legitime Sohn des französischen Volkes, hat sich nie so weit erniedrigen können, dem Mob zu applaudieren.
Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst. 1957 [1955], S. 174
Nichts dergleichen hatte sie vermocht, sie selbst war sich nur weggeworfen vorgekommen, elend und erniedrigt.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 1020
Er unterwerfe die Frauen, distanziere sie und erniedrige sie zum erotischen Präparat.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 205
Zitationshilfe
„erniedrigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/erniedrigen>, abgerufen am 20.08.2019.

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