erlangen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunger-lan-gen
Grundformlangen
Wortbildung mit ›erlangen‹ als Letztglied: ↗wiedererlangen · ↗zurückerlangen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. bekommen, gewinnen, erwerben
Beispiele:
Gewalt, Herrschaft über jmdn., etw. erlangen
die Konzession zur Gründung eines Geschäftes erlangen
die Doktorwürde erlangen
die Gesetze hatten Geltung erlangt
die Wirtschaft erlangte eine volle Blüte
das neue Heilverfahren erlangte weltweite Bedeutung
der Künstler erlangte Weltberühmtheit
Ehre, Gnade, Achtung, Barmherzigkeit, Weisheit, Kenntnis erlangen
einen Vorteil erlangen
Zufriedenheit, die höchste Seligkeit erlangen
der Bräutigam erlangte ... die Ermächtigung zum Ankaufe einer Villa [Th. MannBuddenbrooks1,164]
als sich herausstellte, die Kranke werde nicht mehr das Bewußtsein erlangen [SeghersDie Toten6,611]
Dadurch erlangte ich eine Vertrautheit mit diesen sehr entfernten Gegenden [Bergengr.Pelageja8]
2.
etw. erreichen, bis zu etw. gelangen
a)
an einen bestimmten Punkt, Ort
Beispiele:
das Flugzeug erlangte eine Höhe von 5 000 Metern
wir erlangten noch am Abend die Stadt
So erlangten wir die Fläche, über welcher sich der Kegelberg erhebt [GoetheItal. Reise9,408]
b)
bis zu einem Zeitpunkt
Beispiel:
wo manche Bäume ein Alter von mehreren tausend Jahren erlangen [K. v. FrischLeben15]
c)
landschaftlich, (besonders) ostmitteldeutsch, umgangssprachlich bis zu etw. reichen und es fassen
Beispiele:
wenn du auf den Stuhl steigst, kannst du das Bild vielleicht erlangen
der Junge ist noch zu klein, er kann den Teller auf dem Tisch nicht erlangen
ich kann den Ast gerade noch erlangen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lang · lange · längs · längst · unlängst · Länge · langen · anlangen · erlangen · verlangen · Verlangen · länglich · langsam · Langeweile · langweilen · langweilig · Langfinger · Langmut · langmütig · Langohr · langwierig
lang Adj. räumliche und zeitliche Erstreckung bezeichnend, ahd. lang ‘langgestreckt, lange dauernd, ausführlich’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. lanc ‘lang, langsam’, asächs. nl. lang, aengl. lang, long, engl. long, anord. langr, schwed. lång, got. laggs wird zusammen mit gleichbed. lat. longus, mpers. drang, pers. dirang ‘lang’ auf ie. *(d)longho-, Adjektivbildung zu einer nasalierten Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *del- ‘lang’, zurückgeführt. Unnasaliert liegt die (ursprünglich zum Teil wohl zweisilbige) Gutturalerweiterung vor in aind. dīrgháḥ, griech. dolichós (δολιχός), aslaw. dlьgъ, russ. dólgij (долгий) ‘lang’, ebenso (mit d-Abfall) in lit. ìlgas, lett. ilgs und in got. tulgus ‘fest, standhaft’. Das erste Zeugnis des germ. Adjektivs zeigt der bei Tacitus in lat. Langobardī überlieferte Name der Langobarden, eigentlich ‘Langbärte’. Im Dt. bezeichnet lang sowohl die Erstreckung in einer Dimension, und zwar bei Körpern die der größten Ausdehnung (im Unterschied zu breit oder dick), als auch die Erstreckung in der Zeit. In festen Verbindungen, vgl. lange Finger machen ‘stehlen’, einen langen Hals machen ‘neugierig sein’, ein langes Gesicht machen ‘enttäuscht sein’. lange Adv. ‘lange Zeit, bei weitem’, ahd. lango ‘vor langer Zeit, längst’ (8. Jh.), mhd. lange, langen ‘seit langem, lange Zeit’. längs Präp. Adv. ‘an etw. entlang, der Länge nach’, mhd. langes, lenges Adv. ‘vor langer Zeit, der Länge nach’, mnd. langes, frühnhd. auch längst (mit hinzugetretenem t, s. unten) sind adverbiale Genitive Sing. des Adjektivs. Das Adverb ist in der Gegenwart kaum noch in Gebrauch (etw. längs schneiden, nordd. längs kommen); als Präp. wird längs seit dem 14. Jh. verwendet. längst Adv. ‘seit langer Zeit, schon lange, bei weitem’, frühnhd. längst, auch langest, leng(e)st. Ursprünglich identisch mit längs (s. oben), dessen adverbiale Verwendung im Sinne von ‘vor langer Zeit’ die durch sekundäres -t erweiterte Form übernimmt; entsprechend unlängst Adv. ‘vor nicht langer Zeit, vor kurzem’, mit unorganischem -t aus dem adverbiellen Genitiv frühnhd. unlang(e)s (15. Jh.), mnd. unlanges, mnl. onlanges. Länge f. ‘Ausdehnung in die Hauptrichtung, Dauer, Längengrad’, ahd. lengī (9. Jh.), mhd. lenge. Länge bezeichnet insbesondere die räumliche Erstreckung im Unterschied zu Höhe und Breite, auch die Körpergröße, und erscheint als Grundwort in Maßbezeichnungen wie Hauptes-, Pferde-, Schiffslänge. langen Vb. ‘ausstrecken, sich erstrecken, reichen, auskommen’, mhd. langen ‘lang werden oder machen, sich ausstrecken, um etw. zu erreichen, Verlangen haben’, ahd. langēn ‘Verlangen haben’ (9. Jh.). anlangen Vb. ‘ankommen’ (16. Jh.). erlangen Vb. ‘bekommen, gewinnen, erwerben, erreichen’, mhd. erlangen ‘sich sehnen, verlangen, erreichen’, auch (unpersönlich) ‘lang dünken, langweilen’. S. auch ↗gelangen, hinlangen. verlangen Vb. ‘nach etw. Sehnsucht haben, etw. begehren, fordern’, mhd. verlangen; Verlangen n. substantivierter Infinitiv, mhd. verlangen, auch ‘Verdruß, Kummer’. länglich Adj. ‘im Verhältnis zur Breite größere Länge aufweisend, ein wenig lang’, ahd. langlīh (9. Jh.), frühnhd. langelich, lengelich (15. Jh.), daneben frühnhd. langlecht, länglicht, mhd. lengeleht. langsam Adj. ‘zögernd, lange Zeit brauchend, träge’, ahd. (8./9. Jh.), asächs. langsam ‘lange dauernd’, aengl. langsum; s. ↗-sam. Daneben ahd. langseimi (10. Jh.), mhd. lancseim; das zweite Wortglied (ahd. -seimi) stellt sich zu mhd. seine ‘langsam, träge’, verwandt mit ↗seit, ↗Seite (s. d.), oder es gehört im Sinne von ‘langsam fließend, tröpfelnd’ zu dem unter ↗Seim (s. d.) behandelten Substantiv; die Bedeutung ‘zögernd, gemächlich, nach und nach’ wird von langsam übernommen. Langeweile f. ‘Gefühl des Nichtausgefülltseins, des Überdrusses, Mangel an Abwechslung’, mhd. lange wīle, Zusammenschreibung vereinzelt seit dem 14. Jh., fest im 17. Jh., doch noch bis zur Gegenwart mit Binnenflexion (aus Langerweile, der Langenweile begegnen); langweilen Vb. ‘Langeweile bereiten’, reflexiv ‘Langeweile haben’ (18. Jh.); langweilig Adj. ‘uninteressant’ (15. Jh.). Langfinger m. ‘Dieb’ (17. Jh.). Langmut f. ‘Geduld, Nachsicht’ (16. Jh.), Rückbildung (da sich ahd. langmuotī, 8. Jh., nicht fortsetzt) aus langmütig Adj. ‘geduldig’, ahd. langmuotīg (10./11. Jh.), mhd. lancmüetec, Weiterbildung des Adjektivs ahd. langmuot (8. Jh.), einer Übersetzung von gleichbed. kirchenlat. longanimis (zu lat. longus ‘lang’ und animus ‘Seele, Mut’). Langohr n. Name des Hasen (auch kleines Langohr) und des Esels (großes Langohr), wohl rotw. (16. Jh.); zu vergleichen ist die ähnliche Benennung des Hasen durch spätlat. aurītus (zu lat. auris ‘Ohr’), des Esels durch die zugehörige Deminutivform lat. aurītulus. Adjektivisches aurītus ‘(in auffälliger Weise) mit Ohren versehen’ dient zur Charakterisierung beider Tiere. langwierig Adj. ‘lange während, viel Zeit erfordernd, mühsam’, frühnhd. langwiric ‘lange dauernd, lange lebend’ (15. Jh.), Zusammensetzung mit dem Adjektiv ahd. wirīg ‘dauernd, dauerhaft’ (um 1000), mhd. wiric ‘dauerhaft’, zu ahd. werēn (s. ↗währen). Weit früher als das Adjektiv erscheint das Abstraktum ahd. langwirī̌gī ‘lange Dauer’ (um 1000).

Thesaurus

Synonymgruppe
an etwas gelangen · erlangen · ↗erringen · ↗erzielen · es bringen zu · ↗gewinnen · ↗schaffen · zu etwas kommen  ●  ↗einfahren (journal.)  fig. · ↗erreichen  Hauptform
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) zuteil werden · ↗bekommen · ↗beziehen · ↗erhalten · erlangen  ●  ↗abbekommen  ugs. · ↗kriegen  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • erlangen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktualität Anerkennung Aufmerksamkeit Bedeutung Befriedigung Bekanntheit Berühmtheit Geltung Gesetzeskraft Gewißheit Gültigkeit Kenntnis Kontrolle Kultstatus Popularität Rechtskraft Reife Souveränität Staatsbürgerschaft Status Stellung Unabhängigkeit Unsterblichkeit Vorteil Weltgeltung Weltruf Weltruhm Zustimmung wiedererlangen zurückerlangen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erlangen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unabhängig davon ist es aber unser Ziel, die absolute Mehrheit wieder zu erlangen.
Der Tagesspiegel, 29.12.2000
Aber zuvor müßte einer der drei die absolute Mehrheit erlangen.
Süddeutsche Zeitung, 22.12.1998
Doch für ihn kam es zunächst in erster Linie darauf an, ein gesichertes Einkommen zu erlangen.
Abert, Anna Amalie u. Kühn, Hellmut: Verdi. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1966], S. 16377
Auf jeden Fall suche man auf schnellstem Wege ärztliche Hilfe zu erlangen.
Ulbrich, Eberhard: Essbar oder giftig?, Berlin: Grüne Post 1937, S. 33
Er hatte darin soviel Sicherheit erlangt wie früher im Verhaften.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 81
Zitationshilfe
„erlangen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/erlangen>, abgerufen am 20.08.2019.

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