erhaben

GrammatikAdjektiv
Worttrennunger-ha-ben
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
auf der Oberfläche hervortretend, reliefartig
Beispiele:
erhabene Figuren, Schnitzereien
eine erhabene Arbeit (= Relief)
eine Plakette mit erhabener Prägung
auf der Haut, auf dem Boden sind erhabene Stellen
eine erhaben geschliffene (= konvexe) Linse
die Zeichen auf einem Wappenschild erhaben stehen lassen
das Brotbrett […] um dessen Rundung im Kreise die erhaben geschnitzte Inschrift lief [Hesse3,11]
2.
gehoben von (feierlicher) Größe erfüllt
Beispiele:
ein erhabener Anblick, Augenblick, ein erhabenes Schauspiel
eine erhabene Dichtung
eine Ode in erhabenem Stil, erhabenen Worten
der Platz wird von erhabenen Bauwerken umsäumt
jmdn. erfüllen erhabene Gefühle, Gedanken
die erhabene Schönheit, Größe der Pyramiden
sprichwörtlich vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt
die erhabene Humanität und Brüderlichkeit des »Fidelio« [Th. MannFaustus6,108]
Die Sterne schienen auch heute in erhabenem Glanz [le FortTor85]
Manchmal wird mir geradezu ganz erhaben zumut [G. Hauptm.PippaII]
veraltet hoheitsvoll
Beispiele:
erhabener Herr!, erhabenster Gebieter! (= Anrede)
Johanna war eine erhabne Jungfrau geworden, rein und streng [StifterHochwald1,172]
3.
überlegen
Beispiele:
über etw., jmdn. erhaben sein
über solche Anwürfe, Kleinigkeiten muss man erhaben sein
sein Klavierspiel ist über alles Lob erhaben (= ganz ausgezeichnet)
gehoben, abwertend sich über jmdn. erhaben dünken
abwertend erhaben (= hochmütig) lächeln
umgangssprachlich, abwertend sei, tu (nur) nicht so erhaben! (= eingebildet!)
ich war so weit […] über die herrschende Sitte erhaben, daß ich jede menschliche Handlung verstand [TravenBaumwollpflücker77]
einiges wenige auserlesen Schöne, das mir über jeden Streit und Zweifel erhaben schien [HesseSteppenw.4,330]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

erhaben · Erhabenheit
erhaben Adj. ‘plastisch hervortretend, reliefartig überlegen, erhebend’. Mhd. erhaben, Part. Prät. (bis ins 17. Jh.) von erheben ‘in die Höhe heben’ (s. ↗heben), hat sich im Nhd. als Adjektiv erhalten (neben dem Part. Prät. nhd. erhoben); es bedeutet schon mhd. ‘über anderes emporragend’, auch ‘reliefartig verziert’ (vgl. nhd. erhabene Arbeit ‘getriebene Arbeit, Relief’). In übertragener Verwendung gilt erhaben für ‘hochstehend, vornehm, großartig’ und entwickelt sich im 18. Jh. (das Erhabene) zum sittlich-ästhetischen Wertbegriff. Erhabenheit f. ‘Erhöhung, Wölbung, Größe, Würde’, mhd. erhabenheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
erhaben · ↗sublim
Assoziationen
Synonymgruppe
erhaben · ↗feudal · ↗großmütig · ↗großzügig · ↗nobel  ●  ↗hehr  veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
ausdrucksvoll · erhaben · ↗feierlich · ↗festlich · ↗klangvoll · mit großer Geste · ↗pathetisch
Assoziationen
  • mit (großem) Tremolo in der Stimme · mit übertriebenem Pathos · ↗theatralisch · wie auf der Bühne · wie vor (großem) Publikum
Synonymgruppe
adlig · ↗distinguiert · ↗edel · erhaben · ↗illuster · von gehobener Eleganz · ↗vornehm  ●  ↗hehr  veraltet · ↗erlaucht  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
erhaben · ↗konvex · nach außen gewölbt
Synonymgruppe
erhaben · ↗glanzvoll · ↗prachtvoll · ↗prunkvoll · ↗prächtig
Synonymgruppe
Ehrfurcht gebietend · ↗anspruchsvoll · beeindruckend · erhaben · ↗hehr (Ziel o.ä.) · ↗hoch · ↗hochfliegend · ↗hochgesteckt · ↗vornehm · vornehmst  ●  ↗toll  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anblick Bergwelt Einfachheit Einsamkeit Gefühl Gestus Gleichgültigkeit Kulturwerk Langeweile Lächerlichkeit Naturschauspiel Relief Schauder Schauspiel Schlichtheit Schönheit Sinnlosigkeit Sitzposition Sujet Unverbindlichkeit Warte Zeitlosigkeit Zwecklosigkeit dünken erhebend gestürzt hochmütig majestätisch thronen vertieft

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erhaben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was ist erhabener, als hundert Männern voranzuschreiten in den Tod?
Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 87
Das Maximum an erhabener Schönheit verkörperten natürlich die griechischen Plastiken.
Süddeutsche Zeitung, 20.12.2001
Wie die drei Männer da unten sitzen, sehen sie erhaben wie Götter aus.
Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 235
Solange der Kampf andauert, scheint das erhabene Ziel alle Mittel zu rechtfertigen.
Die Zeit, 13.12.1968, Nr. 50
Das ganze Leben hier im Feld durchdringt ein erhabener Ernst.
Brief von Rudolf Fischer vom 18.11.1914. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1914], S. 1
Zitationshilfe
„erhaben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/erhaben>, abgerufen am 20.05.2019.

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