erblich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungerb-lich
Wortbildung mit ›erblich‹ als Erstglied: ↗Erblichkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

sich vererbend
Beispiele:
ein erbliches Amt, ein erblicher Titel
eine erbliche Krankheit, Missbildung
diese Neigung, dieses besondere Merkmal ist erblich
er ist erblich belastet (= hat von den Eltern negative Anlagen mitbekommen)
umgangssprachlich, scherzhaft auch sein Vater war ein bedeutender Musiker, er ist eben erblich belastet
Se. Majestät erhob ihn schließlich in den erblichen Adelsstand [MusilMann15]
umgangssprachlich, scherzhaft »Bist du erblich belastet ... 'n Tick oder so was?« [E. ClaudiusMenschen169]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Erbe1 · Erbe2 · erben · beerben · vererben · Erbfeind · Erblasser · erblich · Erbschaft · Erbschleicher · Erbsünde
Erbe1 n. ‘Hinterlassenschaft eines Verstorbenen’. Die neutrale ja-Bildung (germ. *arbja-) ahd. erbi (9. Jh.), mhd. erbe ‘Hinterlassenschaft, Vererbung, Erbschaft’, asächs. erƀi, mnd. erve, arve, mnl. erve, nl. erf, afries. erve, aengl. ierfe, anord. erfi ‘Leichenfeier’, got. arbi ist wie das die gleiche Stammbildung (ie. -i̯o-) und Semantik aufweisende air. orb(b)e, orpe ‘das Erbe’, auch ‘der Erbe’, verwandt mit aind. árbhaḥ ‘klein, jung, schwach, Kind’, armen. orb ‘Waise’, griech. orphanós (ὀρφανός) ‘verwaist’, lat. orbus ‘einer Sache beraubt, verwaist’, aslaw. rabъ ‘Knecht, Diener, Sklave’, aruss. robъ ‘Diener, Sklave’, robja ‘Kind’, russ. (mit Vokalassimilation) rebënok (ребёнок) ‘kleines Kind’ und führt mit diesen auf ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ bzw. (für die schutzlose, sich verdingende Waise) ‘Knecht’ (dazu wohl auch ↗Arbeit und ↗arm, s. d.). Ausgangsbedeutung ist für das Germ. und Kelt. ‘das einer Waise Gehörige’, also ‘einer Waise rechtlich zufallendes Besitztum’. Daneben als maskuliner (j)an-Stamm Erbe2 m. ‘wer berechtigt ist, ein Erbe anzunehmen’, ahd. erbo (8. Jh.), mhd. erbe, mnd. mnl. erve, aengl. ierfa, anord. arfi, got. arbja. erben Vb. ‘Erbe sein, eine Hinterlassenschaft erhalten’, ahd. (8. Jh.), mhd. erben, mnd. mnl. nl. erven, aengl. ierfian, anord. erfa (germ. *arbjan). beerben Vb. ‘jmds. Hinterlassenschaft erhalten’, mhd. beerben. vererben Vb. ‘als Erbschaft übertragen, hinterlassen’, mhd. vererben. Erbfeind m. ‘über Generationen hinweg verhaßter Gegner’, mhd. erbevīnt ‘Teufel’, dann übertragen auf die als Nachfahren des Teufels angesehenen heidnischen Türken (15. Jh.), später auf die Franzosen (16. Jh.); wohl in Anlehnung an Erbsünde (s. unten) gebildet. Erblasser m. ‘wer ein Erbe hinterläßt’ (15. Jh.); vgl. mhd. daʒ erbe lān ‘hinterlassen’. erblich Adj. ‘sich vererbend, durch Erbfolge bestimmt, durch Vererbung übertragbar’ (15. Jh.), ahd. arblīh ‘erblich, vererbt’ (10. Jh.), mhd. erbelīchen Adv. Erbschaft f. ‘hinterlassenes Gut’, mhd. erbschaft, auch ‘Erbfolge, Teilnahme am Erbe, Erbanspruch’. Erbschleicher m. ‘wer auf unmoralische Weise oder widerrechtlich in den Besitz eines Erbes zu gelangen sucht’ (Ende 17. Jh.), Übersetzung von gleichbed. lat. hērēdipeta (zu lat. hērēdium ‘Erbgut’ und petere ‘zu erreichen suchen, streben, bitten, sich bewerben’). Erbsünde f. nach christlichem Glauben die dem Menschen durch den biblischen Sündenfall angeborene Sündhaftigkeit, mhd. erbesünde. Zum Komplex vgl. Grønvik The Words for ‘heir’, ‘inheritance’ and ‘funeral feast’ in Early Germanic (1982).

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
erblich · ↗genetisch · ↗vererbbar  ●  ↗genuin  fachspr. · ↗hereditär  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adel Adelsstand Adelstand Appropriation Aristokratie Blutkrankheit Brustkrebs Darmkrebs Fallsucht Freiherrenstand Fürstenstand Immunschwäche Kaisertum Lehen Mißbildung Monarchie Muskelschwund Peer Reaktionsfähigkeit Schwachsinn Stoffwechselerkrankung Stoffwechselkrankheit Stoffwechselstörung Taubheit Veitstanz Veranlagung Vorbelastung bedingt belastet vorbelastet

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erblich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Außerdem ist er wohl erblich vorbelastet gewesen, seine Mutter scheint einen Hang zu starken Getränken gehabt zu haben.
Süddeutsche Zeitung, 17.02.2001
Die erblich gegebene Organisation unserer »Art« ist nicht geringer als die höherer Tiere, aber die Gliederung der vorbereiteten Anlagen ist anders.
Portmann, Adolf: Neue Wissenschaft - Biologie und Anthropologie. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 19219
Es gelang mit so veränderten Gene erblich bleibende Veränderungen, sogenannte Mutationen, herbeizuführen.
Die Zeit, 29.04.1948, Nr. 18
Der unbedingte Reflex ist arteigentümlich, also erblich, und erfolgt zwangsläufig.
Herter, Konrad: Vergleichende Physiologie der Tiere, Berlin: de Gruyter 1947 [1927], S. 24
Und er kommt ferner nicht in die Lage, nach erblicher Appropriation seiner Pfründe zu streben.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 1060
Zitationshilfe
„erblich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/erblich>, abgerufen am 18.09.2019.

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