erbleichen

GrammatikVerb · erbleichte, ist erbleicht
Nebenform erbleichen · Verb · erblich, ist erblichen
Aussprache
Worttrennunger-blei-chen
Wortzerlegunger-bleichen1
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
selten,
erblich, ›ist‹, erblichen
gehoben bleich werden
Beispiele:
ihre Lippen, Wangen erbleichten jäh, plötzlich
beim Empfang der traurigen Nachricht erbleichte ihr Gesicht vor Kummer, Leid
vor Zorn, verhaltener Wut war er tief erbleicht
die Sterne, bunten Blumen erbleichen (= verlieren an Glanz, Farbe)
ein etwas gebückter Fünfziger mit ... strähnig erblichenem langem Haar [Th. MannLotte7,717]
übertragen
Beispiel:
Darüber erbleichten die Bilder des früheren Lebens [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,13]
2.
dichterisch sterben
Beispiel:
Und jene Priestrin sank bei seiner Leiche, / Weil es ein Mensch, und weil ein Mensch erblich [Grillp.WellenV]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bleich · bleichen1 · erbleichen · verbleichen · bleichen2 · Bleiche · Bleichert
bleich Adj. ‘blaß, fahl’, ahd. bleih (8. Jh.), mhd. bleich, asächs. mnd. blēk, mnl. bleec, nl. bleek, aengl. blāc ‘glänzend, hell, blaß’, anord. bleikr (germ. *blaika-) sind verwandt mit dem starken Verb germ. *blīkan, ahd. -blīhhan (in ahd. biblīhhan ‘erstrahlen, erglänzen’, 8. Jh., irblīhhan ‘erstrahlen, funkeln’, um 1000, firblīhhan ‘an Glanz verlieren, glanzlos werden’), mhd. blīchen ‘glänzen, erröten’, asächs. blīkan, mnl. bliken, nl. blijken, afries. blika, aengl. blīcan ‘glänzen, leuchten, scheinen’, nhd. (selten) bleichen1 Vb. erhalten in erbleichen Vb. ‘bleich werden’, verbleichen Vb. ‘bleich werden, sterben’. Für germ. *blaika- Adj. ergibt sich daher als ursprüngliche Bedeutung ‘glänzend’. Außergerm. sind zu vergleichen lit. blaikštýtis ‘sich aufklären, leuchten’, blyškė́ti ‘funkeln, glänzen’, blỹkšti ‘weiß, bleich werden’, russ.-kslaw. blěskъ, russ. b’lesk (блеск) ‘Glanz’, aslaw. bliskati, blьštati ‘funkeln, glänzen’, so daß sich ie. *bhlē̌ig̑-, *blī̌g̑- ‘glänzen’ erschließen läßt, eine über ie. *bhlē̌i-, *bhlī̌- hinausgehende Erweiterung der Wurzel ie. *bhel- ‘glänzen(d), weiß’ (s. ↗Blei, ↗Blech, ↗Blick, ↗blitzen). Neben dem starken Verb (s. oben) steht ein schwaches Faktitivum bleichen2 Vb. ‘bleich, weiß machen’, ahd. bleihhen ‘bleich machen’ (9. Jh.), mhd. bleichen ‘bleich machen, werden’. Bleiche f. ‘Blässe, Bleichplatz für Wäsche’, ahd. bleihhī(n) ‘Blässe, fahle Farbe’, mhd. bleiche. Bleichert m. blaßroter Wein, Bleichart (16. Jh.), zusammengesetzt mit der Namenskomponente -hart.

Thesaurus

Synonymgruppe
Farbe verlieren · blass werden · bleich werden · ↗erblassen · erbleichen · ↗verblassen

Typische Verbindungen
computergeneriert

erröten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erbleichen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da erbleicht man kurz, wenn man selbst in einem recht schönen Hotel abgestiegen ist.
Süddeutsche Zeitung, 19.03.1997
Beim Gedanken an deutsche Werte und Vorbilder, die das Wohlgefallen unserer Regierung finden, sehen Sie mich erbleichen.
Der Spiegel, 19.07.1993
Frau John, deren fast kriechende Freundlichkeiten von angstvoll bebenden Lippen gekommen sind, erbleicht auf eine unheilverkündende Weise und schweigt.
Hauptmann, Gerhart: Die Ratten, Berlin: S. Fischer 1942 [1911], S. 603
Die Frau weicht zur Seite und erbleicht unter ihrer Schminke.
Der Tagesspiegel, 21.05.2001
Fragt man nach dem Befinden des Chefs und dieser gesteht herablassend Erkältung oder Nervosität ein, so erbleiche man und könne sich nicht fassen.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 19410
Zitationshilfe
„erbleichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/erbleichen>, abgerufen am 25.08.2019.

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