entwerten

GrammatikVerb · entwertete, hat entwertet
Aussprache
Worttrennungent-wer-ten
Wortbildung mit ›entwerten‹ als Erstglied: ↗Entwertung
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. wertlos machen
Beispiele:
den Fahrschein, eine Briefmarke entwerten
eine Spalte, das Feld eines Formulars durch einen Strich entwerten
Er steckte das kleine, gänzlich entwertete Heft [das Sparkassenbuch] in die Tasche [SeghersDie Toten6,123]
etw. in seinem Wert herabsetzen
Beispiele:
durch diese Maßnahme wurden die Grundstücke entwertet
durch Lagerung entwertete Nahrungsmittel
Als das Geld entwertet war, verdiente ich es haufenweise [H. MannZeitalter190]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wert · Wert · werten · abwerten · bewerten · entwerten · verwerten · Werturteil · gleichwertig
wert Adj. ‘Geltung, Bedeutung habend, angesehen, geschätzt, kostbar, lieb, teuer’, ahd. werd (9. Jh.), mhd. mnd. wert, asächs. werð, mnl. waert, weert, wert, nl. waard, aengl. worþ, weorþ, wurþ, engl. worth, anord. verðr, schwed. värd, got. waírþs (germ. *werþa-) gehört offensichtlich zu der unter ↗werden (s. d.) dargestellten Dentalerweiterung ie. *u̯ert- ‘drehen, wenden’. Möglich ist unmittelbarer Anschluß an die unter ↗-wärts (s. d.) genannten Formen sowie an lat. versus ‘gegen’, air. frith- ‘gegen’, indem wert im Sinne von ‘wohin, gegen etw. gewendet, zugewandt’ verstanden wird mit Weiterentwicklung zu ‘einen Gegenwert habend’. Vgl. die ähnliche Bedeutungsentwicklung bei lat. pretium ‘Preis, Wert’. Es ist verwandt mit aind. práti ‘zu, zu … hin, gegen, wieder, auf’, griech. protí (προτί) ‘überdies, dazu, von … her, bei, an, zu … hin, gegenüber’, aslaw. protivъ, russ. prótiv (против) ‘gegen’, so daß eine Ausgangsbedeutung ‘als Äquivalent gegenüberstehend’ ansetzbar ist. wert wird bis ins 12. Jh. nur prädikativ, danach auch attributiv gebraucht. In neuerer Zeit ist es häufig Grundwort zusammengesetzter Adjektive, vgl. ehren-, hoch-, liebwert und lesens-, sehens-, wissenswert. Wert m. ‘Preis, Geltung, Wertschätzung’, ahd. werd n. (8. Jh.), mhd. wert n. m. ‘Kaufpreis, Wert(sache), Ware, Standesehre, Geltung, Ansehen, Würdigkeit, Herrlichkeit’, Substantivierung des Adjektivs. Neutrales Genus gilt vereinzelt bis ins 16. Jh.; maskuliner Gebrauch (seit dem Mhd.) entwickelt sich wohl in Anlehnung an Kauf und Preis. werten Vb. ‘den Wert festsetzen, einschätzen’, ahd. werdōn (8. Jh.), mhd. werden ‘(wert)schätzen, für wert halten, würdigen, verherrlichen’, auch vereinzelt ‘kaufen, den Wert vergüten’. abwerten Vb. ‘im Wert herabsetzen’ (18. Jh., geläufig 20. Jh.), ‘abschätzen’ (19. Jh.). bewerten Vb. ‘den Wert festlegen, benoten, einschätzen’ (2. Hälfte 19. Jh.). entwerten Vb. ‘ungültig machen’ besonders von Geld und Geldwert (1. Hälfte 19. Jh.); vgl. ahd. intwerdōn ‘starke Abneigung empfinden, verschmähen’ (10. Jh.), mhd. (vereinzelt) entwerten ‘entgelten’. verwerten Vb. ‘(einen Wert) nützlich verwenden’ (19. Jh.). Werturteil n. ‘abgegebenes Urteil über den Wert einer Sache’ (2. Hälfte 19. Jh.). gleichwertig Adj. ‘von gleichem Wert’ (15./16. Jh., dann wieder Mitte 19. Jh.). Vgl. auch Bildungen wie minderwertig, vollwertig (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abstempeln (lassen) · entwerten · knipsen lassen · lochen lassen · unbrauchbar machen
Synonymgruppe
abwerten · entwerten · im Wert herabsetzen · im Wert mindern  ●  devaluieren  geh. · ↗devalvieren (Währung)  fachspr. · ↗inflationieren  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
abkanzeln · ↗ausschimpfen · ↗beleidigen · entwerten · ↗entwürdigen · ↗herabsetzen · ↗herabwürdigen · ↗niedermachen  ●  ↗abqualifizieren  ugs. · absauen  derb · ↗anmachen  ugs. · ↗anmotzen  ugs. · anpampen  ugs. · ↗anpöbeln  ugs. · ↗diffamieren  geh. · ↗heruntermachen  ugs. · ↗herunterputzen  ugs. · ↗schimpfen  ugs. · zur Sau machen  derb, fig. · zur Schnecke machen  ugs., fig. · ↗zusammenstauchen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abitur Automat Begriff Biographie Einwand Erfindung Ersparnis Fahrkarte Fahrschein Gebrauch Humankapital Inflation Inflationsrate Instrument Investition Lebensleistung Münze Phrase Qualifikation Rubel Staatsschuld Stempel Ticket Währung aushöhlen dadurch entwürdigen keineswegs nachträglich relativieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entwerten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das macht sie nicht überflüssig, aber es entwertet sie automatisch.
Süddeutsche Zeitung, 04.10.1995
Es wird aber nicht die griechische Bildung an sich entwertet.
Harbsmeier, G.: Gebildete und Kirche. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 1824
Arbeit muss sich wieder lohnen und darf nicht länger durch falsche politische Entscheidungen entwertet werden.
Bild, 08.08.2002
Es ist ein Fühlen, das anscheinend die Objekte entwertet und sich darum meistens negativ bemerkbar macht.
Jung, Carl Gustav: Psychologische Typen. In: ders., Gesammelte Werke, Bd. VI, Zürich u. a.: Rascher 1967 [1921], S. 420
Tief empfindet es, daß es dazu nicht da ist, um durch den Glauben bloß entwertet zu werden.
Benjamin, Walter: Ursprung des deutschen Trauerspiels. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1928], S. 309
Zitationshilfe
„entwerten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/entwerten>, abgerufen am 26.04.2019.

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