entnerven

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungent-ner-ven
GrundformNerv
Wortbildung mit ›entnerven‹ als Erstglied: ↗Entnervung  ·  mit ›entnerven‹ als Grundform: ↗Entnervtheit
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. entnervt jmdn.etw. macht jmdn. nervös und kraftlos, nimmt jmdm. die Nerven
Beispiele:
der durch die Krankheit entnervte Mann
eine entnervende Wartezeit
ein entnervender Arbeitstag
ein entnervendes Studium
entnervende Rhythmen
der Gram, der Wurm, der schwärende Dorn, der zehrende Hunger im Innern entnervte und entmannte sie [Th. MannJoseph3,548]
[das 11. Regiment] leeren Magens seit zwei Tagen, entnervt, gebrochen von den Gefechten und der Flucht [Kisch1,217]
Es war ein Hüne von einem Mann, heute war er aber derartig entnervt, daß er kaum ein Weinglas halten konnte [Kellerm.Totentanz437]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nerv · nervig · nervös · Nervosität · entnerven · enervieren
Nerv m. aus parallel verlaufenden Fasern bestehender, von Bindegewebe umhüllter Strang des Nervensystems, entlehnt (Anfang 16. Jh.) aus lat. nervus ‘Sehne, Flechse, Muskel, Nerv, aus Tiersehnen, Därmen Verfertigtes (Saite, Bogensehne, Fußfessel), Kraft, Spannkraft’, verwandt mit griech. né͞uron (νεῦρον) ‘Sehne, Faser, Bogensehne, Schnur, Saite, Nerv’ (s. ↗Neuro-). Nach Auffassung der antiken Medizin sind Sehnen und Nerven identisch oder wesensverwandt und werden demzufolge mit derselben Bezeichnung benannt. Im 16. Jh. vollzieht die medizinische Fachsprache eine begriffliche Begrenzung des Wortes auf ‘Nerv’, die sich aber in der Allgemeinsprache erst im 19. Jh. durchsetzt. Im Dt. halten sich bis ins 18. Jh. die Bedeutungen ‘Band, Sehne, Muskel’ (wofür in älterer Sprache Ader), bis ins 19. Jh. ‘Bogensehne, Saite’; daneben ist Nerv (seit Anfang 18. Jh.) ‘Leiter von Empfindungen und Bewegungen, Sinnesleiter’ (wohl unter Einfluß von engl. nerve) nach der Lehre des schottischen Arztes R. Wytt (2. Hälfte 18. Jh.) und der sich entwickelnden Psychiatrie, in deren Gefolge Nervenkrankheiten zur Modeerscheinung werden. Übertragen (17. Jh.) ‘innere Kraft, Wesen, Gehalt’; vgl. auch auf die Nerven fallen ‘nervös machen’ (2. Hälfte 17. Jh.). nervig Adj. ‘sehnig, muskulös, kraftvoll’ (18. Jh.), nervicht (Anfang 18. Jh.). nervös Adj. ‘die Nerven betreffend, an schwachen Nerven leidend, reizbar, erregt’ (vgl. nervoese und hypochondrische Krankheiten, 1758), mit dieser Bedeutung unter Einfluß von engl. nervous älteren Gebrauch (1. Hälfte 18. Jh.) im Sinne von ‘nervig, stark, kräftig’, auch ‘kraftvoll, nachdrücklich’ (von Ausdruck und Rede), nach frz. nerveux (afrz. nervos) ‘nervig, kräftig’, zurückdrängend. Zuvor (Mitte 17. Jh.) gilt im Dt. nervos ‘kräftig, kernig’, (von der Rede) ‘nachdrücklich’, dann (Anfang 18. Jh.) ‘mit Nerven versehen, aus Nerven bestehend’, und (vereinzelt Ende 17. Jh.) nervosisch ‘mit Nerven versehen’, beide aus lat. nervōsus ‘sehnig, muskulös, kraftvoll, kernig’. Nervosität f. ‘Nervenschwäche, Empfindlichkeit, Reizbarkeit, krankhafter Zustand der Nerven’ (1. Hälfte 19. Jh.), nach gleichbed. frz. nervosité, zuvor vereinzelt ‘Kraft, Stärke’ (Ende 18. Jh.), nach mfrz. frz. (älter) nervosité ‘Stärke, (Widerstands)kraft, Sehnigkeit’, dieses entlehnt aus lat. nervōsitās (Genitiv nervōsitātis) ‘Stärke einer Faser, Kraft’. entnerven Vb. ‘entkräften, der Nervenkraft berauben, nervlich erschöpfen’ tritt (Ende 17. Jh.) neben nur wenig älteres, in demselben Sinne gebrauchtes enervieren Vb. (2. Hälfte 17. Jh.), dies nach gleichbed. mfrz. énerver, afrz. soi esnerver ‘sich verweichlichen’ (entlehnt aus lat. ēnervāre ‘die Nerven herausnehmen, der Nerven entledigen, schwächen, entkräften’).

Thesaurus

Synonymgruppe
abhetzen · ↗aufreiben · ↗brechen · ↗enervieren · ↗entkräften · entnerven · ↗ermatten · ↗ermüden · ↗heimsuchen · mürbe hauen · mürbe klopfen · mürbe kriegen · mürbe machen · ↗strapazieren · ↗zermürben  ●  ↗kleinkriegen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufschlag Favorit Gegnerin Parade

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entnerven‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Entnervend hat es ein Kritiker einmal genannt, weil es so sehr in sich selbst gefangen ist.
Die Zeit, 23.03.2000, Nr. 13
Ich versuche, mich zu entnerven, dann kann ich auch besser meinen antikapitalistischen Gelüsten frönen.
konkret, 1985
Ich hatte schon davon gehört, daß er vor den Duellen versuchte, seine Gegner durch solche Mätzchen zu entnerven.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 926
Dann stand schon der nächste Unglücksbote bereit, Hitler zu entnerven.
Der Spiegel, 31.01.1983
Ja, diesem Menschen fiele es nicht ein, seine Soldaten durch eine düstere Miene zu entnerven und zu entmutigen.
Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 129
Zitationshilfe
„entnerven“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/entnerven>, abgerufen am 24.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
entnehmen
entnebeln
Entnazifizierungsverfahren
Entnazifizierungskommission
Entnazifizierungsgesetz
entnervt
Entnervtheit
Entnervung
Entoblast
Entoderm